So mancher Fladunger und Ostheimer hat in den vergangenen Wochen öfter mal den Kopf eingezogen. Nicht wegen der Kälte, sondern weil über den Köpfen ein tief fliegender Rosinenbomber unterwegs war, und man nicht so genau wusste, ob das Flugzeug nicht gleich zur Notlandung ansetzen würde.

Schließlich stellte sich heraus, dass es sich um eine zweimotorige Maschine des schottischen Unternehmens Bell Geospace handelte, das auf der Suche nach Bodenschätzen die Region mehrfach überflog. Die Aufmerksamkeit des Piloten galt allerdings weniger der bayerischen Rhön als vielmehr dem thüringischen Teil und dem Thüringer Wald. Zu Ostern waren die Flüge abgeschlossen, jetzt geht es an die Auswertung.

Erinnerungen an die Luftbrücke

Aufsehen erregend war nicht nur die geringe Höhe, mit der das Flugzeug über den Boden flog, sondern auch der Typ. Denn bei der betagten Propellermaschine handelte es sich um eine modifizierte DC-3 wie sie einst als "Rosinenbomber" bei der Berliner Luftbrücke in die Geschichte einging. Ein Blick in das Innere gleicht tatsächlich einem Gang zurück in die Flugtechnik der 1950er Jahre.

Etwas anders verhält es sich dagegen mit der Messtechnik, die sich an Bord des Fluggeräts befindet. Die Firma mit Sitz in Edinburgh bedient sich eines Verfahrens, mit dem die unterschiedlichen magnetischen Strahlungen der verschiedenen Bestandteile im Erdboden und Gestein gemessen werden. Je tiefer die Maschine dabei fliegt, desto genauer sind die empfangenen Daten. Es werden also keine Strahlen ausgeschickt, sondern nur die natürlichen Kräfte etwa von Erzvorkommen aufgezeichnet.

Auf der Suche nach Kupfer

Ein Hauptaugenmerk der luftigen Schatzsuche galt dem Kupfer. Wie das Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz auf Nachfrage dieser Redaktion mitteilt, liegt der Kupferabbau in Thüringen viele Jahrzehnte zurück. Die Firma "Kupfer Copper Germany, Mannheim", als Auftraggeber für die Flüge, habe eine bergrechtliche Erlaubnis zum Aufsuchen von Kupfer, Blei, Zink, Silber, Gold, Zinn, Wolfram, Molybdän, Vanadium, Kobalt, Nickel, Kalisalzen, Steinsalz und Sole. Die Genehmigung sei im November 2017 auf fünf Jahre erteilt worden und betreffe eine Fläche von etwa 926 Quadratkilometern.

Abwechslungsreicher Einsatz

Nähere Erkenntnisse über Kupfervorkommen liegen für den Bereich um die Rhöner Gemeinde Oberkatz vor, etwa zehn Kilometer nördlich von Fladungen. Dort wurden zu DDR-Zeiten in den 1960er Jahren Bohrungen vorgenommen, die jedoch nur eine geringe Ergiebigkeit anzeigten, weshalb eine Ausbeutung als nicht rentabel angesehen wurde. Inzwischen bewegt sich der Kupferpreis weit jenseits damaliger Verhältnisse und steuert auf ein Rekordhoch zu. Während um das Millennium herum die Tonne etwa 2000 Euro kostete, wird an der Börse damit gerechnet, dass 2021 noch die 10 000-Euro-Marke geknackt werden könnte. Ob überhaupt Funde gemacht wurden, steht jedoch noch lange nicht fest. Die Auswertung könnte Monate, ja sogar Jahre dauern, da die Messergebnisse mit früheren Erkenntnissen abgeglichen werden müssen.

Laut des Bamberger Bergamts Nordbayern hat es in der Rhön noch keinen Abbau von Kupferlagerstätten gegeben. Dem bayerischen Amt liegt auch kein Antrag für Erkundungsflüge vor. Einem Abbau geht zudem ein umfassendes Genehmigungsverfahren voraus, da eine Schürfung von Rohstoffen mit einer Vielzahl von Belangen wie Landschafts-, Natur- und Trinkwasserschutz konkurriert. Darüber hinaus sollen die Erfolgsaussichten einer Lufterkundung äußerst gering sein. Ein Mitarbeiter des weltweit agierenden schottischen Unternehmens spricht von einer Quote von etwa eins zu tausend.

Von wegen langweilig

Aber wenigstens hat die drei- bis vierköpfige Bord-Crew die Flüge über die Region genossen, sagt eines der Mitglieder in einem Interview. Oftmals fänden die Messungen in recht kargen Regionen oder gar über Meeren statt, was dann sehr langweilig sei. Je nach Wetterlage werden täglich rund 400 Flugkilometer absolviert. Hier erlebten sie nach ihrem Start in Erfurt eine sehr abwechslungsreiche Region, die sie noch dazu sehr genau kennenlernten, da sie die Oberfläche in einem Abstand von 80 Metern und in Streifen von 250 Metern Breite überflogen. "Wir sind sehr glücklich, dass wir über so eine schöne Landschaft fliegen können", beteuert Geophysiker Stefan Kuna. Eckhard Heise