Jetzt in der Corona-Pandemie sind Landratsämter und Gesundheitsämter stark belastet. Die Kontaktnachverfolgung von Personen, die positiv auf Covid-19 getestet wurden, die Bürgertelefone, die Auswertung der Teststrecken und jetzt noch die Planung der Impfzentren sind nur einige der neuen Aufgaben. All das erfordert jede Menge Personal. Das Bad Kissinger Gesundheitsamt hat jetzt einen Software-Roboter in Dienst gestellt, der Zeit und Personal spart.

Zunächst sollte der neue mechanische Mitarbeiter lediglich die Corona-Testergebnisse aus den Labors in die entsprechenden Datenbanken übertragen. Inzwischen ist er jedoch so programmiert, dass er sogar alle Personen, die negativ getestet wurden, gleich per SMS benachrichtigt. Nach Angaben von Landrat Thomas Bold ist diese Software-Lösung im Gesundheitsamt "in Unterfranken einzigartig, möglicherweise sogar in Bayern".

SMS an negativ Getestete

Das Eintragen von Testergebnissen in die Datenbank ist für einen Sachbearbeiter eigentlich eine monotone Arbeit, die sehr viel Konzentration erfordert und sehr anstrengend ist, sagt Bold. Da kämen auch mal Fehler vor. Der Roboter hingegen arbeite effizient, genau und bürgerfreundlich. "Denn wer negativ getestet wurde, erfährt dies zeitnah." Zudem wird Personal gespart, das man an anderer Stelle dringend braucht.

Der effektive Bot wurde von der IT-Abteilung des Landratsamts in Zusammenarbeit mit der Cisio GmbH (Nürnberg) installiert. "Wir haben in Bad Kissingen sozusagen einen Versuchsballon gestartet", sagt Thomas Kirschner, Geschäftsführer der Firma für Prozessautomatisierung und Digitalisierung. "Aber wir wollen es bayernweit ausbauen." Kirschners Angaben zufolge ist der Roboter "einfach, aber genial". Er sei in wenigen Tagen installiert. In Bad Kissingen war er drei Wochen im Test, bevor er vor kurzem an den Start ging, so Kirschner.

In einem ersten Schritt wurde der Roboter, zusammen mit Projektleiterin Kirsten Weiß, fit gemacht für die Übernahme von Namen, Geburtsdaten und Testergebnissen der untersuchten Personen in die Datenbank, erklärt Jürgen Bischoff, IT-Chef im Landratsamt, das Prozedere. "Als diese Software-Tests funktionierten, überlegten wir, was wir optimieren könnten."

Wer positiv auf das Coronavirus getestet wurde, muss von den Mitarbeitern des Gesundheitsamts natürlich sofort telefonisch informiert werden. Auf die negativen Testergebnisse müssten die Leute hingegen meist etwas länger warten, sagt Bischoff. Da erschien es naheliegend, den neuen Roboter mit dem automatischen SMS-Versand zu betrauen.

Ein zusätzlicher Mitarbeiter

"Der Roboter arbeitet praktisch wie ein Mensch und klinkt sich selbstständig ins Programm ein", so Bischoff weiter. Jeder Arbeitsablauf kann neu ausgestaltet, beziehungsweise fortentwickelt werden werden, erklärt Cisio-Chef Kirschner die neue Software-Lösung. "Man kann also weitere Anwendungen entwickeln." Auch die Arbeitsgeschwindigkeit ist beeinflussbar. So dauere ein Dateneintrag inzwischen nur noch wenige Sekunden.

Neue Lösungen

In Zeiten der Pandemie bekomme man einen anderen Blick für Prozesse der Digitalisierung, sagte Landrat Bold. "Man kommt plötzlich auf neue Lösungen."

Vielleicht kann man den Software-Roboter künftig auch in anderen Bereichen einsetzen und dort bestimmte Vorgänge beschleunigen, sagt Bold und denkt dabei unter anderem auch an das im Bad Kissinger Tattersall angesiedelte neue Impfzentrum. Sicher gebe es dort für den Bot auch Möglichkeiten, Verfahrensabläufe sicher und schnell abzuwickeln.

Sollten Behörden anderer Regionen Interesse an der neuen Software-Lösung haben, zeigt sich Bold offen. Denn schließlich ist der Landkreis Mitglied im Bayerischen Innovationsring. "Nicht jeder muss das Rad selbst neu erfinden."

Isolde Krapf