Reichenbach bei Münnerstadt
Landwirtschaft

Reichenbach: Frost setzte Erdbeeren stark zu

Natürlich will jetzt jeder frische Erdbeeren kaufen. Doch auf den Feldern der Schmitts haben die Eisheiligen gewütet: Zahlreiche Blüten sind erfroren.
Drei leckere Früchte hält der Reichenbacher Bio-Landwirt Clemens Schmitt hier in die Kamera. Doch die Erdbeerernte hält sich auf einem großen Teil seiner Felder derzeit in Grenzen.  Foto: Isolde Krapf
Drei leckere Früchte hält der Reichenbacher Bio-Landwirt Clemens Schmitt hier in die Kamera. Doch die Erdbeerernte hält sich auf einem großen Teil seiner Felder derzeit in Grenzen. Foto: Isolde Krapf
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Wenn der Juni kommt, freuen sich alle auf frische Erdbeeren. Regionale Vermarkter, die auch Obst anbauen, pflegen dann stolz herzuzeigen, was sie auf ihren Feldern geerntet haben. Doch in Schmitts Obstgarten in Reichenbach herrscht gerade eher Verzweiflung vor, denn nahezu die Hälfte der Erdbeerpflanzen ist schwer vom Frost gezeichnet.

Wann die Kunden heuer überhaupt selbst auf den Feldern pflücken können, steht derzeit noch in den Sternen, sagt Landwirt Clemens Schmitt, der den Betrieb vor drei Jahren von seinen Eltern übernahm.

Zu viel Regen, zu viel Sonne, etwas Hagel, ein bisschen Frost - an all das ist man bei den Schmitts gewöhnt in den 35 Jahren, in denen der Obstgarten besteht. Die Natur macht eben, was sie will - und Obstbauern müssen damit klarkommen. Doch dieses Jahr haben sich die Eisheiligen von ihrer frostigsten Seite gezeigt. In der Nacht vom 11. auf den 12. Mai war es so extrem kalt, dass man nachts nur noch hoffen konnte, dass früh am Morgen nicht alles kaputt ist, sagt Schmitt.

Die Blüten und ersten zarten Früchtchen mussten in der Nacht stundenlang minus vier Grad überstehen. "Frost ist eigentlich normal zu dieser Zeit, aber das war denn doch ungewöhnlich viel", sagt der studierte Betriebswirt. In aller Herrgottsfrüh trieb es ihn am nächsten Morgen dann schon raus auf Felder und Plantage. Was er sah, war erschreckend: Die frühen Erdbeer-Sorten, die noch Blüten und schon kleine Früchtchen hatten, waren alle braun.

Natürlich habe er dann trotzdem gehofft, dass sich doch noch etwas zum Guten wendet, sagt Schmitt. "Aber leider ist jetzt im Juni sehr wenig herausgekommen." Als er und sein Team vor gut einer Woche zu pflücken angefangen hatten, sei die Ausbeute bei den frühen Sorten "sehr gering" gewesen.

"Und es kommen auch keine grünen Früchte hinterher", beschreibt er das Aussehen der Erdbeerpflanzen. Auf zwei großen Feldern werden jedes Jahr sechs bis sieben verschiedene Erdbeer-Sorten angebaut. Ein Drittel bis die Hälfte davon sind eben frühe Sorten, die jetzt Schäden haben, sagt der 35-Jährige.

Obstplantage auch betroffen

Aber auch in der Obstplantage hat der bittere Frost im Mai seine unauslöschlichen Spuren hinterlassen. "Die Sauerkirschen-Bäume sahen aus wie ein Olivenhain - alles braun", beschreibt Schmitt sein Entsetzen nach der frostigen Nacht. 100 Bäume hat er in der Reichenbacher Flur stehen und glaubt, jetzt schon sagen zu können, dass da heuer gar nichts dran reifen wird.

Ähnlich sensibel auf den Frost hätten die ersten kleinen Früchte an verschiedenen Apfelbäumen reagiert. "Der Boskop zum Beispiel ist da sehr empfindlich." Insgesamt umfasst die Plantage 12 000 Bäume. "Man muss schauen, wie die einzelnen Sorten das verkraftet haben. Vieles sehe man erst bei der Ernte. Aber wir werden Einbußen haben", steht für Schmitt jetzt schon fest.

Ein paar der kleinen Äpfelchen haben die Schmitts schon probehalber mal mit dem Messer aufgeschnitten.

Die Bildung von Kavernen, das sind kleine Hohlräume, in den Gehäusen sei nicht zu übersehen gewesen, sagt Schmitt. Er hofft nun, dass sich die Äpfel dennoch verkaufen lassen, denn schließlich seien die Kunden an gute Ware gewöhnt.

Ein bisschen tröstet ihn in diesen Tagen, dass die Corona-Zeit für Landwirte eigentlich recht erträglich war. Als es mit der Ausgangsbeschränkung im März losging, habe ein regelrechter Run auf den Regionalmarkt in Bad Kissingen und den Hofladen in Reichenbach eingesetzt, sagt Schmitt.

Weil er seine Produkte auch an den Großhandel liefert, und die Kunden sich dort verstärkt mit Vorräten eindeckten, sei auch der Absatz in seinem Betrieb "sprunghaft nach oben" gestiegen. Als dann plötzlich die Gärtnereien zu waren und die Floristen auf ihren Waren hocken blieben, habe er ein Arrangement mit einer Premicher Gärtnerei getroffen, die ihm Pflanzen zum Verkauf an den Hofladen lieferte.

"Es war schon ein positives Gefühl, dass die Resonanz bei den Kunden so groß war."

Kunden sind enttäuscht

Dennoch hätten diese Wochen des stärkeren Absatzes den Betrieb nicht fürs ganze Jahr gerettet, "denn unser Obst ist nun mal das Hauptgeschäft". Jetzt müsse man erst mal sehen, dass man die Erdbeerernte mit Optimismus übersteht, sagt der Landwirt. "Alle rufen an und fragen nach Erdbeeren." Viele Leute kämen auch einfach vorbei und wollten jetzt selbst auf den Feldern pflücken. Doch momentan gibt es kaum Früchte. In den kommenden Wochen werde man sehen, wie es mit den späteren Erdbeersorten aussieht, sagt Schmitt.

Die Enttäuschung bei den Leuten sei groß, wenn sie unverrichteter Dinge wieder heimfahren müssen, sagt Schmitt und gibt zu, dass er ein bisschen in Sorge ist, jetzt Abnehmer zu verlieren. Doch andererseits wisse er freilich, dass die treuen Kunden nicht einfach wegbleiben, weil die Ernte mal in einem Jahr nicht so gut ausfällt.

Und dann kommt auch wieder sein Optimismus durch: "Vielleicht ist es ja gut so, dass gerade nicht alles, wie gewohnt, verfügbar ist. Dann lernt man auch wieder, bestimmte Dinge wertzuschätzen."Isolde Krapf