Was tut sich eigentlich beim Ratskeller? Bestimmt haben sich viele Kissinger diese Frage in den vergangenen Monaten schon mal gestellt, wenn sie am Rathaus vorbeikamen. Jetzt gibt es eine Antwort auf die Frage, allerdings nur eine vorläufige: Das mit der Sanierung ist aufwendiger und vor allem teurer als zunächst gedacht. Oberbürgermeister Dirk Vogel sprach deshalb im Stadtrat von einem "bitteren Ergebnis".

Geschlossen ist die Gaststätte im Tiefparterre des Rathauses, seit das Pachtverhältnis mit den früheren Pächtern im November 2018 aufgelöst worden ist. Damals habe man gedacht, das ursprüngliche Ziel, möglichst bald neue Pächter zu installieren, sei schnell umzusetzen, berichteten der OB und Geschäftsleitender Beamter Gerhard Schneider dem Stadtrat.

Hoffnungen nicht erfüllt

Doch die Hoffnungen haben sich nicht erfüllt. Es habe sich herausgestellt, dass die technischen Probleme der Sanierung größer seien als angenommen. Die Schwierigkeiten kämen nicht so sehr von "der Erneuerung von Küchen-, Kälte- oder Thekentechnik". Die größten Sorgen machten Heizung und Lüftung. Außerdem steht der Ratskeller unter Denkmalschutz.

Das mache "die Lösung der Aufgabe deutlich schwieriger", hieß es in der Sitzungsunterlage für den Stadtrat. Zur Erklärung, warum es so lange gedauert hat, bis Stadtrat und Öffentlichkeit wieder etwas von der Sanierung hörten, gab es in der Sitzung den Verweis auf "umfangreiche Untersuchungen", die notwendig gewesen seien, "bis letztlich ein technisch überhaupt umsetzbares Sanierungskonzept vorlag".

Vertreter des mit dem Konzept beauftragten Planungsbüros berichteten dem Stadtrat zum Beispiel von Belüftungsanlagen, die im Falle des Gastraums aus den 1950er-Jahren stammten oder im Küchenbereich rund 30 Jahre alt seien und deren übliche Lebensdauer weit überschritten sei. Und sie legten ein Konzept zur technischen Erneuerung von Heizung und Lüftung mit zwei Varianten vor. Variante 1 sieht für den Gastraum eine Sockelheizung vor. Fußbodenheizung wäre die Lösung bei Variante 2. Die Lüftungstechnik wäre in beiden Varianten gleich.

Von den Kosten her würden sich die beiden Varianten kaum unterscheiden. 1,475 Millionen Euro setzt das Planungsbüro für Variante 1 an, 1,5 Millionen Euro für Variante 2. Netto wären das für die Stadt nach den Worten von Gerhard Schneider Investitionskosten von 1,26 Millionen Euro. Auch wenn man sich ein anderes Ergebnis gewünscht hätte, sagte Schneider, sei das nicht überzogen, sondern ein realistischer Betrag.

Erschwerend kommt aus städtischer Sicht hinzu, dass sich die Rahmenbedingungen für Gastronomie aktuell gerade nicht verbessert haben. Bis zu 70 000 Euro Pacht jährlich, wie früher, seien vor diesem Hintergrund kaum zu erlösen. Über die Pacht finanzieren lasse sich daher höchstens ein Teil der voraussichtlichen Sanierungskosten. Mit 500 000 Euro setzte Schneider diesen Anteil an. Für den Rest bräuchte es eine andere Lösung. Die ist aber, ebenfalls durch Corona, nicht leichter geworden. Denn auch die Stadt muss dadurch Einbußen hinnehmen.

Gastronomische Nutzung wichtig

Aufgeben will die Stadt die gastronomische Nutzung des Ratskellers aber nicht. Erste Reaktionen aus DBK, CSU und SPD unterstrichen ebenso wie der Oberbürgermeister die Bedeutung des Ratskellers für den Fremdenverkehrsstandort. Steffen Hörtler zum Beispiel sprach da nicht nur von Bustouristen, für die es Betriebe brauche, die Gäste in großer Zahl gleichzeitig bewirten können, sondern auch davon, dass Corona irgendwann vorübergeht und Bad Kissingen als Teil der Unesco-Liste zusätzliche Attraktivität gewinne.

Kreativität notwendig

Für eine Lösung des Finanzierungsproblems wird es aus Vogels Sicht Kreativität brauchen. Die Gedanken der Stadt gehen dabei in Richtung Förderung. Städtebauförderung, staatliche Wirtschaftsförderung oder Denkmalschutz nannte Schneider als Hilfen, an die man da zum Beispiel denken könne.