VON Siegfried Farkas

Kultur gibt es nicht umsonst. Das gilt nicht nur für Städte wie Bad Kissingen, die mit herausragendem Kulturangebot überregional auf sich aufmerksam machen und Gäste anlocken wollen. Es gilt auch für die Anzulockenden selbst.
Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) hat jüngst für fünf Klassikfestivals die Kosten bei Eintrittskarten, Pausensekt, Programmheft und Übernachtung gegenübergestellt.
Das Ergebnis ist so interessant, dass wir nicht widerstehen konnten, den Vergleich der Kollegen auf den Kissinger Sommer auszudehnen.

Riesige Auswahl

Die Auswahl für kulturbeflissene Menschen ist vor allem im Klassikbereich ziemlich groß geworden. Nach den Angaben der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung konnten sich Kulturbeflissene 1994 im deutschsprachigen Raum nur zwischen 136 Klassik-Festivals entscheiden. 20 Jahre später, also 2014, ist die Wahl fast schon zur Qual geworden. Denn inzwischen, so die Zeitung, gebe es 500 Festivals dieser Art. Dass Bad Kissingen im Kanon der Festivalveranstalter nicht zu den Großen gehört, belegt schon der Blick auf die Etats der größten Festivals. 60 Millionen Euro betrage er bei den Salzburger Festspielen, berichtet die FAS, immerhin noch 20 Millionen Euro würden für die Bayreuther Festspiele aufgewandt. Im Vergleich dazu nehmen sich die 2,5 Millionen, die Deutschlands bekannteste Kurstadt in diesem Jahr für den Kissinger Sommer im Haushalt stehen hat, noch recht bescheiden aus.

Beträchtliche Unterschiede

Dass es beträchtliche Unterschiede zwischen den Spielorten gibt, wird auch vom Standpunkt des Konzertbesuchers aus schnell deutlich. 430 Euro sind in Salzburg für die besten Plätze bei der Aufführung von Figaros Hochzeit fällig. Immerhin 320 Euro kostet laut FAS ein entsprechender Platz bei Richard Wagners Siegfried in Bayreuth.
Besucht der geneigte Gast stattdessen die Bamberger Abschlussgala des Kissinger Sommers am Samstag, 18. Juli, im Regentenbau, kommt er auf den besten Plätzen mit 95 Euro davon. Und selbst wenn die Wahl auf den Galaabend mit Weltstar Cecilia Bartoli am vergangenen Samstag gefallen wäre, hätten die Eintrittskarten höchstens 130 Euro gekostet.
Die preislichen Unterschiede zwischen den Spielorten reichen zum Teil bis in nebensächliche Details. Programmhefte für den Abend kosten nach Angaben des Büros Kissinger Sommer an der Fränkischen Saale 1,50 bis 2 Euro. Auch dafür muss andernorts ein Mehrfaches bezahlt werden. Beim Rheingau Musik Festival wiederum gibt es solche Informationen nach Angaben der FAS sogar kostenlos.
Nicht viel anders fällt der Vergleich beim Pausensekt aus. Während in Kissingen für das Glas Secco 3,50 Euro über den Tresen wandern, sind es in Baden-Baden 5 Euro und in Salzburg laut FAS sogar 9 Euro. Dafür gibt's dort aber hoffentlich Schampus.
Eher auf der günstigeren Seite bewegt sich der von außerhalb angereiste Gast in Bad Kissingen auch beim Übernachten. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung hat für ihren Vergleich Doppelzimmer in Drei-Sterne-Hotels herangezogen. In Luxusherbergen wären deutlich höhere Preise zu bezahlen als die 95 Euro im Bad Kissinger Hotel Saxonia oder im Falle der Bregenzer Festspiele die 145 Euro im Hotel Garni Bodensee.