Die Corona-Pandemie ist wohl für jeden eine Herausforderung. Für das Landratsamt bedeutet sie eine "große Mehrbelastung", sagte Landrat Thomas Bold bei der jüngsten Bürgermeister-Dienstbesprechung am Freitag in der Hammelburger Musikakademie. Denn es kamen seit März 2020 zahlreiche neue Aufgabengebiete hinzu, die Personal erfordern, wie zum Beispiel die Nachverfolgung der Corona-Kontakte, die Abrechnung der Teststrecke Oerlenbach, der Vollzug des Infektionsschutzgesetzes und die Beratung der Bürger. Und nun muss auch noch das Impfzentrum geplant werden. Bold: "Die Bewältigung der Pandemie ist also kein Sprint, sondern ein Marathon."

Weil dann auch immer wieder Personal des Landratsamts für das Corona-Aufgabengebiet eingesetzt wird, sei der Dienstbetrieb im Haus inzwischen "deutlich beeinträchtigt", sagte Bold und warb für Verständnis bei den Bürgern, wenn aktuell nicht jedes Anliegen sofort in Angriff genommen werden könne.

Das Amt ist jedoch grundsätzlich weiter geöffnet, allerdings kann man nur kommen, wenn man zuvor einen Termin vereinbart hat.

Um zehn Stellen aufstocken

Zusätzliches Fachpersonal für bestimmte Aufgabenbereiche ist offenbar derzeit besonders schwer zu bekommen, sagte am Freitag Jürgen Metz, Abteilungsleiter für Kreisangelegenheiten im Landratsamt. So soll beispielsweise das Gesundheitsamt insgesamt um zehn Stellen aufgestockt werden. Allerdings sind diese Stellen bis 31. Dezember 2021 befristet. Doch allein die Besetzung der 2,5 zusätzlichen Arztstellen bereitet schon Kopfzerbrechen. Metz: "Wir haben noch niemanden gefunden. Aber die Ärzte fehlen auch anderen Ämtern." Auch medizinische Fachangestellte (drei Stellen) seien schwer zu bekommen. Immerhin arbeiten inzwischen 15 Personen als Contact Tracer (Kontaktnachverfolgung). Weitere 15 Kräfte könnten bei Bedarf hinzukommen.

Aktuell laufen die Planungen

Die neueste Herkules-Aufgabe für die Behörde: Bis 12. Dezember soll ein Impfzentrum mit allen zugehörigen Aufgaben im Landkreis angesiedelt werden. Vor wenigen Tagen wurde der Tattersall zum künftigen Impfzentrum erklärt. Doch wie sich diese Reihen-Impfungen genau gestalten, das wird gerade ganz genau geplant, sagte Thomas Schoenwald, Jurist und Abteilungsleiter für Bauen und Umwelt.

Dabei gebe es noch zahlreiche Unbekannte: Wer wird eigentlich in diesem Zentrum impfen? Denn der Hausarzt kann dies nicht bewältigen, sagte Schoenwald. Man benötigt also medizinisches Fachpersonal, aber auch weitere Leute, die Verwaltungsaufgaben machen, denn die Impfungen müssen übersichtlich dokumentiert werden. Hinzu kommt die Handhabung der unterschiedlichen Impfstoffe. Grundsätzlich würden die Impfdosen nur in großen Mengen ausgeliefert und müssten dann entsprechend gekühlt werden, sagte Schoenwald.

Andererseits sollten sie nach wenigen Tagen auch schon verarbeitet sein. Beachten müsse man bei der Planung weiterhin, dass die ersten Impfstoffe zweimal verabreicht werden müssen - und dann gibt es, laut Schoenwald, auch noch unterschiedliche Zeitintervalle: Stoff Nummer eins muss vielleicht nach 17 bis 23 Tagen nachgeimpft werden, Stoff Nummer zwei nach 28 bis 35 Tagen. "Da müssen wir richtige Impf- und Schichtpläne machen, und das schon zwei Wochen vor der betreffenden Impfwoche."

"Eine Riesenaufgabe"

"Wir müssen im Impfzentrum vermutlich einen Sieben-Tage-Betrieb leisten", so Bold. Dazu braucht man wohl 30 bis 40 Personen. Zur Normalität zurückkommen könne man nur, wenn sich die Mehrheit der Bürger impfen lässt, so Bold weiter. Für den Landkreis heißt dies, dass sich 60 000 Personen impfen lassen müssten - und zwar zweimal. "Sie können sich vorstellen, was das für eine Riesenaufgabe für alle ist."Isolde Krapf