Hammelburg
Nachruf

Otmar Huppmann - ein Pionier der Wasserkraft ist tot

Im Alter von 91 Jahren ist Otmar Huppmann gestorben. Mit seinen drei Mühlen als Vorzeigeprojekt und Erfindergeist hat er weltweit Impulse für einen Energieträger gesetzt.
Otmar Huppmann Ende der 1990er-Jahre mit einem Modell der Wasserschnecke für seine Rödermühle.
Otmar Huppmann Ende der 1990er-Jahre mit einem Modell der Wasserschnecke für seine Rödermühle. Foto: Irene Spiegel
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Hätten manche schon früher auf Otmar Huppmann gehört, dann wäre Deutschland jetzt vielleicht um manche Energiesorgen ärmer. Jetzt ist der unermüdliche Kämpfer für die Wasserkraft gestorben. Am Donnerstag ist er unter großer Anteilnahme auf dem Hammelburger Friedhof beigesetzt worden.

In der Region galten die Ideen des gelernten Schmiedes lange als Spinnereien. Doch die Zweifler verstummten spätestens, als Huppmann Ende der 1990er-Jahre bereits als Berufsschullehrer im Ruhestand auf die Idee kam, an seinen Mühlen in Diebach neben drei vorhandenen Mühlrädern eine metallene Schnecke als zweite ihrer Art weltweit zur Stromerzeugung einzusetzen. Vorher hatte er in der Fachliteratur ein Anschauungsobjekt in Baden-Württemberg gefunden.

Delegationen aus dem Ausland zu Gast

So eine Schnecke ließ er daraufhin auch einbauen. Wegen des höheren Wirkungsgrades im Vergleich zu einem Wasserrad. Delegationen aus dem In- und Ausland pilgerten seit 2002 nach Diebach, darunter auch von der südkoreanischen Regierung und aus Pakistan. Auch ein US-Konsul und der Botschafter von Kasachstan machen sich ein Bild von der Innovation. Auf Interesse stieß auch das extra hierfür konstruierte, schmutzwassergeschmierte Lager, welches so nun auch in Gezeiten- und Wellenkraftwerken weltweit zum Einsatz kommt.

Möglich wurde die Stromerzeugung auch, weil Huppmann mit viel Improvisationstalent Hand anlegte, um die Anlage störungsfrei am Laufen zu halten. So baute er Autogetriebe zum Heben der Wasserrechen um. Noch in diesen Sommermonaten sah man den 91-Jährigen in seinem Pickup auf dem Weg zum Baumarkt. Sein Markenzeichen dabei war stets sein blauer Kittel.

Bombenangriffe auf dem Weg zur Ausbildung

Zeitlebens stellte sich der gebürtige Sommersdörfer gerne Herausforderungen. Unter großen Hürden absolvierte er eine Lehre zum Schmied. Der Weg zur Lehrstelle mit dem Fahrrad ins sieben Kilometer entfernte Geldersheim war von den Angriffen der US-Bomber auf Schweinfurt überschattet. Oft musste er dabei in Gräben Deckung suchen. Davon wusste er allerhand zu erzählen. Etwa, dass neben ihm ein abgeworfener Flugzeugtank einschlug, den er mit einem Pferdefuhrwerk heimholte, um für sich und seine Freunde ein Boot daraus zu schweißen.

Nach der Prüfung zum Schmiedemeister wechselte Huppmann in die Schweinfurter Großindustrie, wo er teils unter gefährlichen Bedingungen auch in Tanks schweißte. Damit machte er die Handwerkskammer auf sich aufmerksam, für die er dann in ganz Unterfranken Schweißkurse gab.

1960 heiratete er Gastwirtstochter Anni Scheuring. Aus der Ehe gingen seine Kinder Christa und Marko hervor.

Später machte er eine Zusatzausbildung in München, um als Fachlehrer an der Berufsschule in Hammelburg 1962 anzufangen. Mit dem Abzug der Bildungseinrichtung nach Bad Kissingen wechselte Huppmann ebenfalls dorthin. Nach Schulschluss reparierte er Unfallautos. Er widmete sich mehreren Motorrädern, einem Lanz-Traktor von 1924 und vier unterschiedlich alten Mercedes-Cabrios.

1987 drei Mühlen gekauft

Dann fing er an, sich für Wasserkraft zu interessieren. In der Folge kauften die Familien Huppmann und Schmitt 1987 in Diebach die Rödermühle, die Ebert-Mühle und die Schneider-Mühle. Die neuen Eigentümer renovierten 1987 und 1988 die verfallene, rund 140 Meter lange Staumauer an der Fränkischen Saale in Eigenregie.

Nach Renovierung der Staumauer folgte ebenfalls in Eigenregie die Restaurierung der einzelnen Wasserräder. Nacheinander gingen das "Ebertrad" (1991), das "Röderrad" (1993 ) und das freilaufende "Huppmannrad" (1995) an Netz. Das zahlt sich aus: Die Rödermühle liefert nach Auskunft von Huppmanns Tochter und Mühlenmitbetreiberin Christa Schmitt 200.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr, ausreichend für 40 bis 60 Haushalte. Durch ihre Stromerzeugung erspart die Mühle der Umwelt demnach 100 Tonnen Kohlendioxid.

Weitere Wasserkraftwerke angestrebt

Die Reaktivierung zweier weiterer Mühlen scheiterte an Auflagen der Behörden. Doch Huppmann machte weiter. Mit 77 Jahren baute er mit einem österreichischem Partner, einem ehemaligen Schüler und seinem seinem Sohn Marko an einer turnbinengetriebenen Wasserkraftanlage im Schwarzwald. Mit Rat und Tat stand er im Landkreis Bad Kissingen bei der Sanierung von Mühlen und deren Reaktivierung zur Stromerzeugung zur Seite.

Da schien es seinen Angehörigen fast schon ein Zeichen, als zum Zeitpunkt seines Todes nach monatelanger Trockenheit der Himmel seine Schleusen öffnete und Huppmanns Leben im Zeichen der Wasserkraft Nachdruck verlieh.Wolfgang Dünnebier