Es ist keine Übertreibung, diese Aktion als spektakulär zu bezeichnen: Kletternd, das heißt nur durch Seile gesichert, begannen drei Männer mit den angekündigten Reparaturarbeiten am Turm der Bad Kissinger Herz-Jesu-Stadtpfarrkirche.

Wahrscheinlich wurde manchen Passanten, die etwa vom Marienplatz aus die Fachleute bei der Erkundung der Turmfassade beobachteten, allein vom Hochschauen schummrig. Denn beim aktuellen Arbeitsort der drei kletternden Handwerker darf man durchaus von schwindelnder Höhe sprechen. Der Turm der Herz-Jesu-Stadtpfarrkirche ist laut Internet-Enzyklopädie Wikipedia 67 Meter hoch. Und weit waren die drei Kletter nicht von der Spitze entfernt.

Mittig durchgerissen

Der erste Eindruck vom Zustand des Turms ist nach Angaben von Christof Peters von der mit den Reparaturarbeiten beauftragten Bamberger Monolith GmbH gemischt. Grundsätzlich seien an der Nordseite des Turms, mit der die drei Männer am Montag das Projekt begannen, im Allgemeinen keine gravierenden Problemstellen zu entdecken gewesen. Es gebe aber auch eine Ausnahme.

Zum Kirchenschiff hin sei ein Teil mittig ziemlich "durchgerissen", berichtete Peters. Das könne man mit den beschränkten Möglichkeiten dieses Einsatzes jetzt nur sichern. Später müsse das dann mit größerem Aufwand angegangen werden.

Ihre Arbeit wollen Peters und die beiden anderen kletternden Handwerker an den verbleibenden Seiten des Turms fortsetzen. Peters rechnete mit einer Arbeitsdauer von vier Tagen. Voraussetzung ist allerdings, dass das Wetter mitspielt. Sollte Regen dazwischenkommen, wäre das zeitliche Ziel nur schwer zu halten.

Wie berichtet, lässt die Kirchengemeinde, nachdem Mitte der 1990-er Jahre Gesteinsstücke herabgefallen waren, regelmäßig überprüfen, ob an der Fassade des Turms aus weichem Sandstein noch alles sicher sitzt. Erledigt wird das nicht mit aufwendigen Gerüstbauten oder technischen Hilfsmitteln, wie einem Hubsteiger. Mit der auf steingestützte Sicherungs- und Steinrestaurierungsarbeiten spezialisierten Monolith GmbH geht das meist ökonomischer.

Regelmäßige Überprüfungen

Die Mitarbeiter des Bamberger Unternehmens untersuchen das Äußere des Turms und reparieren, was sie mit den gegebenen Möglichkeiten an Reparaturen erledigen können. Die Kosten der bevorstehenden Überprüfung setzte Kirchenpfleger Peter Kaidel bei der Ankündigung des Projekts mit 14.000 Euro an.

Die regelmäßigen Überprüfungen seien unabdingbar, erklärten Kaidel und Pfarrer Gerd Greier vor einigen Wochen. Die katholische Kirchengemeinde trage Verantwortung für die Menschen, die unten am Gotteshaus vorbeigehen. Zudem sei die Überprüfung versicherungstechnisch wichtig. Das letzte Mal war das Bamberger Unternehmen 2009 vor Ort tätig.

Die Katholische Stadtpfarrkirche Herz Jesu entstand in der Zeit von 1881 bis 1884 nach Plänen des Münchner Architekten Karl von Leimbach. Die neugotische Basilika wurde errichtet, um den katholischen Gästen der boomenden Kurstadt ein zeitgemäßes Gotteshaus bieten zu können. Die Jakobuskirche in der Stadtmitte hatte den Ansprüchen an eine Stadtpfarrkirche schon in Bezug auf ihr Platzangebot nicht mehr genügt. In ihrem Inneren ist die Herz-Jesu-Kirche seit der Bauzeit schon einige Male gestalterisch überarbeitet worden. Siegfried Farkas