Am zweiten Verhandlungstag hat der Gerichtsmediziner aus Würzburg berichtet, woran die Frau (27) gestorben ist, die der Angeklagte (29) am 8. März 2019 in einem Hausflur in der Bad Kissinger Prinzregentenstraße lebensgefährlich verletzt hatte. Demnach waren nicht die 22 Verletzungen durch ein Küchenmesser todesursächlich. Gestorben ist das Opfer demnach an "Sauerstoffmangel des Gehirns infolge Erstickens durch Brust- und Halskompression". Der Angeklagte habe die Frau erwürgt.Sie starb vier Tage später in der Klinik.

Er war großspurig, sie wollte Geld

Wie berichtet, hatte die 27-Jährige eine dreimonatige Beziehung mit dem Angeklagten bereits beendet. Sie war mit ihrem vorherigen Freund wieder zusammen und plante offenbar, möglichst viele Geschenke und Geld vom Angeklagten zu bekommen, indem sie ihm vorspielte, es könne doch noch eine Zukunft mit ihm geben. Vorher hatte sie jedoch eine Schwangerschaft abgebrochen, obgleich der Angeklagte ein Kind mit ihr, seiner "absoluten Traumfrau", wollte. Am Tag der Tat gab der 29-Jährige, der sich ihr gegenüber zunächst als vermögender Banker ausgegeben hatte, nach Recherchen der Kripo beim Shoppen etwa 2500 Euro aus. Die beiden hatten auch Sex, sie erwartete noch Geld vom angeblichen Millionär. Der aber hatte laut dem Leiter der Ermittlungen bereits geplant, sie nach einem letzten Geschlechtsverkehr zu ermorden. Das gehe aus drei Nachrichten auf seinem Handy an einen Bekannten eindeutig hervor. Und: Er habe sich eine Art Anleitung geschrieben, wie dies vor sich gehen sollte.

Wenn zutrifft, was die Beamten ermittelt und Zeugen bisher berichtet haben, muss der Angeklagte ein großer Schaumschläger sein. So soll er enormen Reichtum vorgegaukelt haben, und auch, dass er "ein großer Mafioso ist", so der Kripobeamte. Zwischendurch hatte die 27-Jährige aber in seinem Hotelzimmer Unterlagen gefunden, nach denen er keineswegs der reiche Bankmanager war, sondern eher eine kriminelle Vergangenheit hatte. Das sagte nun der Ex-Freund des Opfers als Zeuge vor Gericht. Ihr gegenüber habe der Angeklagte dann auch behauptet, Geschäfte mit einem Drogenring zu machen, weshalb sie Angst vor ihm gehabt habe.

Dass er über viel Geld verfüge, hat die 27-Jährige aber wohl doch geglaubt. Am 8. März 2019 wollte sie laut ihrem Ex von ihm möglichst viel Geld bekommen - als Rache, weil er sie oft belogen und verletzt habe. Er aber wollte, wenn seine Handy-Einträge stimmen, sie umbringen, weil sie ihn um das Kind und eine gemeinsame Zukunft gebracht habe. "Er fühlte sich ausgenutzt und betrogen", heißt es in der Anklageschrift, "und gönnte sie auch keinem anderen." Der Prozess wird am 8. Juli fortgesetzt.