Wenn es einen Wettbewerb um den Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde für den Menschen mit den meisten Moorvollbädern gäbe, stünde der Sieger fest: Kurt Ottilie muss nicht lange im Kalender nachzählen, um zu ermitteln, dass er mittlerweile 887 der für ihn einmal pro Woche unverzichtbaren Bäder in der braunen Brühe genommen hat.


Mann im Moor

Nicht nur wegen seines Rekords ist Bad Kissingens Mann im Moor aber auch ein ziemlich seltenes Exemplar. Menschen, die wie er, die Wirkung des Moors am liebsten beim Ganzkörperbad in der Wanne suchen, werden immer weniger. Und in der Folge ist auch das Angebot an sich auf dem Rückzug. Kurt Ottilie hat das bereits gemerkt, als 2014 das Kissinger Kurhausbad schloss, wo er immer wieder für diverse Moorbadjubiläen ausgezeichnet worden war. Jetzt gibt es auch in Bad Bocklet keine Moorvollbäder mehr.
Nach Angaben von Thomas Beck, dem Kurdirektor im Biedermeierbad, liegt der Verzicht auf die Möglichkeit, im Kurmittelhaus Vollbäder in Badetorf zu verabreichen, an der Investition, die für den Bau einer neuen Mooraufbereitung nötig gewesen wäre. "Um die 500 000 Euro hätte die gekostet", schätzt Beck. Angesichts allgemein sinkender Nachfrage ein (zu) hoher Betrag.
Ein Hintergrund des Rückgangs der Nachfrage ist aus Becks Sicht, dass für die Patienten die Hürde für ein Moorvollbad viel höher sei als die für Moorpackungen. Für ein Vollbad müsse der Patient eine ärztliche Bescheinigung vorlegen. Das mache den Weg beschwerlicher. Bei Moorpackungen sei das viel einfacher.
Richard Pucher, Betriebsleiter der KissSalis Therme in Bad Kissingen, bestätigt, dass es sich bei Moorvollbädern um einen Markt handelt, "der weiter rückläufig ist". Dennoch hat die Therme Moorvollbäder zusätzlich als Angebot aufgenommen, als vor zwei Jahren das Kurhausbad geschlossen wurde.
Zum Teil hatte das wohl politische Gründe. Die KissSalis Therme, die als Bau den Stadtwerken gehört, übernahm Verantwortung für die Stadt. Dieses spezielle Angebot ortsgebundener Heilmittel sollte vor Ort gehalten werden. Pucher drückt das so aus: "Für die Therme allein hätte das nicht sein müssen. Aber für den Standort ist es richtig." Moorpackungen dagegen, die sein Haus bereits von Anfang an bietet, werden weiter "sehr gut" genutzt, berichtet Pucher. Sie kosten nicht nur weniger, ihre therapeutischen Effekte sind auch gezielter auf ein konkretes Problem hin einsetzbar.
Von der Nachfrage nach Moorbädern, die durch die Schließung des Kurhausbads ein neues Angebot suchten, sind nach dem Eindruck von Thomas Beck nicht viele nach Bad Bocklet abgewandert. Offenbar teilen sich die KissSalis Therme und die Kissinger Praxis für physikalische Therapie Vogel die früheren Kurhausbadkunden.


Weniger ambulante Badekuren

Ob der allgemeine Trend bei Vollbädern nach unten zeigt, vermag Elfriede Vogel nicht einzuschätzen. Dazu fehlten ihr die Vergleichszahlen. Wenn es aber allgemein weniger werde, dann liege das bestimmt an den Kassen. "Die genehmigen weniger ambulante Badekuren". Es werde ja "überall ständig gespart".
Kurt Ottilie ficht das nicht an. Der 82-Jährige zahlt selbst und ist inzwischen Kunde bei Elfriede Vogel. Wenn die gesundheitsfördernde Wirkung des Moorvollbads auf ihn, weiter anhält, schafft er die Marke von 1000 Moorvollbädern spielend. far