Herzpatienten sind sofort verunsichert, wenn es mal ein bisschen in der Brustgegend zieht. Besonders nach einschneidenden Erlebnissen, wie zum Beispiel einem Infarkt, kommt dann auch gleich die Angst hinzu: Schlägt das Herz noch im rechten Takt oder muss ich sofort zum Arzt? Ein kleines Gerät, das einem Smartphone ähnelt, kann in dieser Situation künftig sofort Abhilfe schaffen. Zusätzlich braucht man ein EKG-Kabel mit vier Elektroden. Dann kann man jederzeit und an jedem Ort eine 30-sekündige Herzmessung durchführen, erklärt Professor Peter Deeg die neue technische Errungenschaft.
Die mobile Herzkontrolle wird in der Deegenbergklinik gerade mit Erfolg erprobt: Etwa 100 Patienten hat der Ärztliche Direktor im vergangenen halben Jahr im Rahmen einer Reha in seinem Haus das innovative Gerät Cardio Secur Active verordnet - bislang mit durchweg positiven Ergebnissen.
Die Patienten sind begeistert, weil sie im Ernstfall nun ihre Herztöne selbst überprüfen - und gegebenenfalls gleich per Internet an ihren behandelnden Arzt oder gar die Klinik zur Kontrolle schicken können. Damit wissen sie sich auf der sicheren Seite.


Der mündige Patient

Bevor der Patient das Gerät nutzen kann, wird zunächst ein EKG aufgezeichnet und eingespeichert. Bei jedem späteren mobilen Check des Patienten wird die neue Aufzeichnung des Herzschlags mit der alten verglichen. Deeg versichert: "Das System erkennt jede Abweichung."
Dementsprechend sind die Informationen farblich abgestuft: Blinkt die Kontrollleuchte grün, ist das Elektrokardiogramm unauffällig, bei Gelb ist Vorsicht geboten. Bei Rot ist schließlich die Warnstufe erreicht und man sollte schnell den Arzt kontaktieren.
In einer speziellen Sprechstunde wird der Patient in der Deegenbergklinik über die neue Möglichkeit der Selbstkontrolle aufgeklärt. Dann kann er es unter Anleitung selbst ausprobieren. "Das neue Gerät trägt dazu bei, Gesundheit und Eigenständigkeit nach einer oftmals schweren Erkrankung wiederzuerlangen."
Parallel zur Erprobung dieser neuen mobilen EKG-Lösung läuft in der Deegenbergklinik auch eine Studie.
Erste Ergebnisse wurden jetzt zur Beurteilung an die Ethikkommission der Medizinischen Fakultät an der Uni Würzburg geschickt, sagt Deeg. Dort soll bewertet werden, inwieweit die Anwendung dieses Herz-Kontrollsystems für den Patienten verträglich ist. Auch an zehn anderen deutschen Kliniken, sowie in Holland wird das mobile EKG gerade versuchsweise angewendet und teils auch mit Studien begleitet.
Der Bad Kissinger Mediziner will sich an der eigenen Klinik den neuen technischen Entwicklungen hin zur so genannten Mobile Health öffnen, um die Patienten "optimal zu versorgen". Deshalb plädiert er zum Beispiel auch dafür, die elektronische Gesundheitskarte endlich flächendeckend einzusetzen. Denn im Ernstfall könne man als Arzt gezielter helfen, wenn man alle Diagnosen des Patienten kennt, sagt Deeg. Gleichzeitig wird auch der Patient zu einem mündigen Partner, denn er könne selbst bestimmen, welche Daten in seiner Gesundheitskarte für alle einsehbar sind und übernimmt damit Verantwortung für sich selbst. Isolde Krapf