Immer noch wirkt bei den fünf Mitgliedern des Christa Kinshofer-Fanclubs Westheim das vergangene Wochenende nach. Zum 40-jährigen Bestehen kam der Skistar aus den 80-igern persönlich von Tegernsee an die Saale.

Viele Westheimer ließen sich am Samstagabend im Biergarten des Rasthöfles von der Stimmung anstecken, die Christa Kinshofer auch über 30 Jahre nach ihrem Karriereende entfacht. Bei einer Art Parodie auf einen Jubiläums-Kommersabend bot Dietmar Kippes mit seinem Team eine Mischung aus Humor und sentimentaler Rückerinnerung. Die vielgereiste Frau aus Oberbayern war begeistert. Kippes erinnerte an das Jahr 1979, als er mit 16 Jahren über Poster in der Jugendzeitschrift Bravo auf Christa Kinshofer aufmerksam wurde, dem damaligen "Pop-Star" der Skirennläuferinnen. Bei einer Autogramm-Stunde in Würzburg 1981 sahen die Westheimer ihr Idol das erste Mal in echt.

Völlig baff von der Ausstrahlung gründeten sie den Fanclub und besuchten verschiedene Ski-Rennen. Unvergessen ist der Augenblick, als sich die Saaletaler mit einem Transparent am elterlichen Haus in Miesbach aufbauten und dort plötzlich Einlass fanden. Der Familienanschluss hielt Jahre an.

Keine große Ankündigung vorab

Jahrzehnte ist das her, und auch Christa Kihnshofers Mutter Maria brachte gute Erinnerungen aus jener Zeit nach Hammelburg mit. "Damals waren wir um die 40", blickte sie dankbar zurück. Den Anstand der Westheimer Fans wusste sie seinerzeit gleich zu schätzen.

Eigentlich hätte das Wiedersehen in Westheim noch viel rauschender gefeiert werden sollen. Coronabedingt hatten die Organisatoren dann jedoch auf Werbung verzichtet. Die 70 Plätze im Höfle unter Berücksichtigung der Hygieneabstände waren schnell ausgebucht und auch die Kapazität an den Stehtischen auf der Straße vor dem Tor war mit 50 Schaulustigen rasch erschöpft.

Das Idol sang kräftig mit

Gelegentlich musste das Hoftor geschlossen werden, um die Neugierigen auf Abstand zu halten. Aber die Stimmung im Höfle riss auch Zaungäste mit. Das gemeinsam angestimmte Kreuzberglied als krönender Abschluss des Kommerses hallte weit durch die Gassen. Was kann es Schöneres geben, wenn das eigene Idol aus Jugendjahren dabei lauthals mitsingt?

Schon die Ankunft am Tag zuvor hatte deutlich gemacht, dass der Ausflug in nördlichere Gefilde für Christa Kinshofer kein Pflichtprogramm ist. Schließlich brachte sie ihre ganze Familie mit.

Einen ersten vorsichtigen Test, ob man sich überhaupt wieder erkennt, gab es im kleinen Kreis im Garten von Dietmar Kippes in Fuchsstadt. Gewissermaßen als Vorhut der Delegation trudelte dort zunächst Christa Kinshofer mit ihren Eltern ein. "Da ist schon das Eis gebrochen", freut sich Kippes über das Zusammentreffen und auch der Skistar war erleichtert. So genau habe man ja nicht gewusst, worauf man sich da einlässt.

Bereits gut gelaunt ging es daraufhin zum Empfang durch Bürgermeister Armin Warmuth in der Herrenmühle samt Eintrag ins Goldene Buch der Stadt. Mit seinem Humor war das Stadtoberhaupt in seinem Element und präsentierte Hammelburg als Sportstadt, mit 11 200 Einwohnern so groß wie Miesbach, die Heimat der Kinshofers. Die allerdings mit 688 Metern Meereshöhe sogar höher liegt, als der Sodenberg (480 Meter). Die Zahl der Skilifte im Saaletal erwähnte Warmuth vorsichtshalber lieber nicht.

Auf die Piste schafften es die illustren Gäste später im abendlichen Hammelburg dennoch. Nach einer Stadtführung und einem Blick auf Schloss Saaleck ging es nach dem Abendessen im Weinhotel Müller, zugleich Nachtquartier, erst noch in den Pub. "Es ist spät geworden", räumt Dietmar Kippes gerne ein. Trotzdem war die Feiergesellschaft samt Familien am nächsten Morgen wieder rechtzeitig auf den Beinen. Schließlich wollte man den Oberbayern die heimischen Berge zeigen. Es ging in die Rhön. Das war auch Wunsch von Vater Alfred Kinshofer, der frühe Erinnerungen an die Rhön hat. In der Schule musste er als Bub ein Rhöngedicht auswendig lernen. Welches er übrigens beim Festkommers zum Besten gab und sich dabei viel Applaus einheimste.

Mehr als Remmidemmi

Ein Besuch am Dreiländereck und auf dem Kreuzberggipfel eröffnete den Gästen Blicke auf Rhöner Horizonte. Mit Bischofsheims Bürgermeister Georg Seiffert gab es ebenfalls einen Eintrag ins Goldene Buch. Auf der Rückfahrt bebte der Bus. Lauthals sangen die Ausflügler inspiriert von der Landschaft wieder das Kreuzberglied.

Was nicht heißt, dass es nur Remmidemmi gab. Kippes schwärmt von einem Wochenende guter Gespräche. Der Mann von Christa Kinshofer, Erich Rembeck, ließ sich voll auf das Gebotene ein, und wusste allerhand zu erzählen. Der bekannte Orthopäde und Chefarzt war 2016 als Mannschaftsarzt beim FC Bayern im Gespräch und behandelt auch Skirennläufer und Tennisspieler.

Bärbel Schaffernicht, eine Schwester von Christa Kinshofer, spielt wie deren Mann Ludwig Schaffernicht auch beim Komödienstadl in München, wobei er schon etliche Theaterstücke geschrieben hat.

"Ich habe jeden Augenblick genossen", blickt Christa Kinshofer auf das vom Fanclub Gebotene zurück. Einer nicht ganz ernst gemeinten Nachfrage dieser Redaktion erteilt sie jedoch eine Absage. Eine Filiale der Christa-Kinshofer-Skischule wird es trotz der neuen Sympathien für das Mittelgebirge nicht geben. In der Skischule mit prominentem Namen am Tegernsee bereiten sich rund 150 Skischüler jährlich bis hin zum Leistungssport auf neue Herausforderungen vor. "Die Rhön ist mir dann aber doch ein bisschen weit weg", gesteht die Unternehmerin.

Wiederkommen möchte sie dennoch. Vielleicht sogar schon im August oder September. Denn Vater Alfred Kinshofer möchte die Wasserkuppe sehen und Bad Kissingen. Ein erneutes Treffen mit dem Fanclub scheint nicht ausgeschlossen, wenn auch in kleinerem Kreis. Wolfgang Dünnebier