Einmal wieder eine längere Strecke an der frischen Luft zurücklegen, dabei den Wind im Haar spüren und die Sonne genießen: Das ermöglicht ab sofort die Aktion "Radeln im Alter" in Würzburg. Am Dienstag stellten die Verantwortlichen das kostenlose Angebot von Fahrten mit der Fahrrad-Rikscha der Öffentlichkeit vor.

Landtagspräsidentin a. D. Barbara Stamm absolvierte als erster Fahrgast eine kurze Fahrt vor dem Seniorenzentrum Sankt Thekla im Würzburger Stadtteil Sanderau und sagte: "Das macht vor allem bei schönem Wetter sehr viel Spaß. Zudem kombiniert es sportliche Betätigung mit einer guten Tat."

Initiator und hauptverantwortlich ist das Würzburger Mehrgenerationenhaus. Jürgen Krückel, Leiter des Generationen-Zentrums Matthias Ehrenfried, erklärte, die Idee, eine Rikscha anzuschaffen, sei erstmals 2016 diskutiert worden, dann aber wegen der Generalsanierung des Hauses aufgeschoben worden.

Spezialrad angeschafft

Über das Erthal-Sozialwerk sei das 7700 Euro teure Spezialrad angeschafft worden. Mit 7000 Euro trägt das Bundesprogramm "Mehrgenerationenhaus. Miteinander - Füreinander" den Hauptteil des Kaufpreises, 700 Euro gab die Stadt Würzburg dazu.

"Wir freuen uns, dass wir Teil des bundesweiten Verbunds ‚Radeln ohne Alter' sind", sagte Krückel. Dort gebe es die Expertise, die für die Fahrrad-Rikscha-Angebote hilfreich sei. Beispielsweise absolviere Birgit Zöller vom Generationen-Zentrum Matthias-Ehrenfried dort noch diese Woche die Ausbildung zur "Kapitänin". Dadurch werde sie befähigt , "Pilotinnen und Piloten", also Lenker für die Fahrrad-Rikscha, auszubilden.

Sicherheitsgurte und Sonnenschutz

"Dank starkem E-Motor erfordert es keine besondere Kondition, Fahrgäste zu befördern", erläuterte Zöller bei dem Termin. Zwei schmal gebaute oder eine kräftigere Person findet auf dem Sitz bequem Platz. Sicherheitsgurte gewährleisten, dass auch im Falle einer notwendigen scharfen Bremsung niemand herausfällt. Bei Bedarf sorgt ein Verdeck für Sonnenschutz, zudem gibt es für den Fall leichten Regens eine wasserdichte Schutzdecke für die Beine.

In Zusammenarbeit mit den Würzburger Maltesern wird derzeit ein Pool von Ehrenamtlichen zusammengestellt, um dann auf Nachfrage die kostenlosen Fahrten anbieten zu können. "Wir finden, dass das Angebot unsere Besuchsdienste für dementiell Erkrankte, Senioren und den Besuch mit Hunden prima ergänzt", sagte Joachim Gold, Stadtbeauftragter der Malteser. Zudem bot er beim Fahrertraining Unterstützung an.

Kontakt zu Senioren

"Wir hoffen darauf, dass sich viele junge Erwachsene finden, die dadurch Kontakt zu Senioren bekommen", sagte Krückel. Im Mehrgenerationenhaus gebe es viele Angebote, die derartige Begegnungen ermöglichen. "Oft entstehen daraus jahrelange Kontakte, bei denen nicht nur die Senioren von den Fähigkeiten der jungen Menschen, sondern umgekehrt auch diese von der Lebenserfahrung und der Weisheit der Alten profitieren."

Martina Mirus, Leiterin des Sozialdienstes im Seniorenzentrum Sankt Thekla, freute sich, dass durch das neue Angebot sich der Radius für die Bewohner deutlich weite. Die Einrichtung ist neben den Maltesern ein weiterer Kooperationspartner. "Gerade bei den Hochbetagten sind die Kinder selbst nicht mehr in der Lage, die Eltern beispielsweise mit dem Rollstuhl weitere Strecken zu schieben." Als sie beim vergangenen Sommerfest das Rikscha-Projekt vorgestellt habe, seien Spenden dafür eingegangen. Diese sollen nun für die Wartung, aber auch als Grundstock für die Anschaffung weiterer Fahrzeuge genutzt werden, erklärte Mirus.Markus Hauck

Weitere Informationen

Nähere Informationen zum Rikscha-Projekt bei: Generationen-Zentrum Matthias Ehrenfried, Tel.: 0931/ 38 668 700, E-Mail: info@generationen-zentrum.com, Internet : www.generationen-zentrum.com.