Das Mehrgenerationenhaus (MGH) ist längst nicht mehr aus Bad Kissingen wegzudenken. Ob Klein oder Groß, Alt oder Jung - wer dort nach einem passenden Angebot Ausschau hält, findet meist das, was er in seiner Lebenssituation gerade braucht, denn das Programm ist vielfältig. Inzwischen ist klar, dass auch 2021 wieder Bundesfördermittel nach Bad Kissingen fließen - sogar etwas mehr als in den Vorjahren.

Ein "Generationenhaus" gab es in Bad Kissingen schon 2003 in dem Gebäude, in dem heute das Amtsgericht untergebracht ist. Ins Bundesförderprogramm aufgenommen wurde diese Einrichtung als "Mehrgenerationenhaus" allerdings erst 2007 - die Einrichtung war inzwischen in die Ludwigstraße umgezogen. Seit 2014 hat das MGH eine neue Heimat im AOK-Gebäude, gegenüber dem Landratsamt, gefunden.

Förderzeitraum jetzt acht Jahre

Da hatte das MGH-Team schon längst das vom Bund als Hauptanliegen geforderte Ziel, nämlich die "Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse", umgesetzt und diesbezüglich zahlreiche Angebote ins Leben gerufen, wie zum Beispiel das Café International, Qualifizierungskurse für Tagespflege, den Mittwochstreff für Mütter, die Kontaktbörse, die flexible Kinderbetreuung oder den Internet-Treff für Mädchen und Frauen.

Das neue Bundesprogramm für Mehrgenerationenhäuser ist schon seit 2020 im Gespräch und trat am 1. Januar 2021 in Kraft. Die wichtigste Neuerung: Während die letzte Förderperiode noch über vier Jahre reichte (2017 bis 2020), wurde dieser Zeitraum nun auf acht Jahre verlängert (2021 bis 2028). Die Frohe Botschaft: Der Verein Generationen-Netz bekommt nun 10 000 Euro mehr vom Bund, also insgesamt 40 000 Euro.

Bedingung für die Förderung ist beim Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ ) jedoch stets, dass sich auch die Landkreise und Kommunen willig zeigen, ihr eigenes MGH zu erhalten.

In den vergangenen Jahren bedeutete dies, dass sich Stadt und Landkreis Bad Kissingen mit jeweils 5000 Euro an der jährlichen Finanzierung beteiligen. Auch der Freistaat unterstützt das MGH mit einer halben Personalstelle für die Integration und 5000 Euro für das Sonderprojekt Digitale Bildung von Senioren.

"Der Bund will nicht nur eine Willensbekundung, sondern eine Entscheidung", hatte beispielsweise Landrat Thomas Bold seinerzeit in der Kreisausschusssitzung formuliert. Bereits im Juli 2020 hatten die Stadt Bad Kissingen und auch der Landkreis diese Summen für 2021 erneut zugesagt.

Zudem arbeiten Landkreis und MGH bei mehreren Projekten schon seit Jahren eng zusammen, was sich auch finanziell auswirkt. Das betrifft beispielsweise die Tagesmütter-Initiative. Das Jugendamt delegierte 2006 ganz offiziell die Fortbildung von Kindertagespflege-Personen und die Vermittlung der Kinder in Pflegeverhältnisse an den Verein Generationen-Netz. Diese "Tagesmütter-Börse" kam in den folgenden Jahren sehr gut an. Die Planungsverantwortung liegt beim Jugendamt. Finanziert wird diese Initiative über den Jugendhilfe-Etat. Ähnliche Kooperationsverträge gibt´s zum Beispiel für die Projekte "Frühe Hilfen" (zur Unterstützung werdender Eltern und Familien mit Kindern bis drei Jahren) oder für den "Begleiteten Umgang" (beispielsweise für getrennte Paare, denen es selbst schwer gelingt, den regelmäßigen Umgang mit den Kindern zu regeln).

"Dass der Förderzeitraum auf acht Jahre verlängert wurde, gibt uns bei der Planung künftig mehr Sicherheit", sagt MGH-Geschäftsführerin Iris Hönig im Gespräch mit dieser Redaktion. Was den Förderbetrag angeht, sei jedoch zunächst nur der für 2021 in trockenen Tüchern.

Die zuständige Bundesministerin Franziska Giffey habe bereits angedeutet, dass alle weiteren Förderungen zunächst im jeweiligen Haushaltsjahr bewilligt werden müssen. Hönig muss auch weiterhin jedes Jahr einen neuen Antrag auf Förderung an den Bund schicken - eine, wie sie sagt, sehr aufwändige Angelegenheit.

Doch jetzt sei sie erst mal froh über die zusätzlichen 10 000 Euro an Bundesmitteln. Denn bereits in den vergangenen Jahren sei das MGH nur knapp mit den Geldern hingekommen, sagt die Geschäftsführerin.

Die Mieten seien gestiegen und auch die Personalkosten hätten sich erhöht. Jährliche Defizite seien so vorprogrammiert gewesen. Im Jahr 2019 hatte sich für den Betrieb des MGH zum Beispiel ein Defizit von immerhin 9000 Euro ergeben. Da beruhige es schon, so Hönig weiter, dass zumindest das Defizit nun gedeckt ist.

Interview: Lernpaten als Beispiel fürs künftige Zusammenspiel

Iris Hönig übernahm am 1. November 2011 die Geschäftsführung im Mehrgenerationenhaus (MGH), nachdem sie zuvor die Bad Kissinger Tafel Jahre lange erfolgreich geleitet hatte. Die 57-jährige Diplom-Verwaltungswirtin hatte es früher, als Verkaufsbezirksleiterin bei der Telekom, eher mit Fakten und Zahlen zu tun. Wenn sie über die Arbeit im Mehrgenerationenhaus spricht, merkt man ihr das lebhafte Engagement für die Menschen an, die sich ans MGH wenden.

Wie wichtig ist es, Ihrer Ansicht nach, eine solche Anlaufstelle in Bad Kissingen zu haben?

Iris Hönig: Das ist sehr wichtig, weil das Mehrgenerationenhaus für die Menschen einen niederschwelligen Zugang zu den Angeboten eröffnet. Das heißt, man kann diese Kurse und Seminare nutzen, ohne deshalb gleich Mitglied werden zu müssen. Und es kann jede/r zu uns kommen, unabhängig vom Alter, von der Religion, von der Herkunft oder der sozialen Stellung.

Nennen Sie zwei Projekte im Mehrgenerationenhaus, die Ihnen besonders am Herzen liegen.

Schon vor der Pandemie hatten wir die digitale Bildung für ältere Menschen als wichtigen Baustein im Programm. Jetzt hat sich gezeigt, dass das eine sehr gute Idee war, denn auch während der Pandemie konnten die Seniorinnen und Senioren sich jetzt weiterbilden, mit unserer Unterstützung. Am Herzen liegt mir aber auch unser Lernpaten-Projekt im Zusammenhang mit unseren integrativen Angeboten. Bei diesem Projekt engagieren sich Ehrenamtliche für Menschen mit Migrationshintergrund - und zwar in allen möglichen Bereichen des Lebens, egal ob es um Schulaufgaben für Kinder geht oder um die Begleitung zu einer Behörde.

Das Bundesministerium machte klar, dass künftig intergenerative Projekte noch stärker in den Blickpunkt rücken sollen. Was ist damit gemeint?

Das heißt, dass wir unsere Angebote für Jung und Alt noch besser miteinander vernetzen wollen. Denn es ist nun mal so, dass die jeweiligen Altersgruppen in den verschiedenen Kursen meist unter sich bleiben. Da muss man künftig ansetzen und versuchen, die Generationen näher zueinander zu bringen, wie das beispielsweise ja schon mit unserem Lernpaten-Projekt und der digitalen Bildung gelungen ist.

Das Gespräch führte

Isolde Krapf.