Es ist eigentlich kein Winterthema, aber der nächste Hitzesommer kommt bestimmt. Es gibt Überlegungen des Freistaates, Bewässerungsanlagen für die Landwirtschaft zu fördern. Davon könnten auch Winzer profitieren.
Recht konkrete Vorstellungen äußert Leonhard Rosentritt auf Nachfrage dieser Redaktion. "Ich halte ein paar erste Pilotanlagen in den kommenden zwei bis vier Jahren für möglich", sagt der Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Bad
Kissingen.
Die Überlegungen resultieren aus der zunehmenden Trockenheit in der Folge des Klimawandels. Mangelnde Niederschläge in hiesigen Breiten lassen zunehmend Landwirte um ihren Ertrag fürchten.
Tröpfchenbewässerung heißt ein Mittel gegen das Darben heranreifender Trauben. Dazu müssten perforierte Schläuche an den Rebzeilen angebracht und mit Wasser gespeist werden.
Die Wasserwirtschaft hat bei dem Vorhaben weniger den Ernteertrag im Hinterkopf: "Wir wollen Bodenerosion verhindern", sagt Rosentritt. Er sieht die zunehmende Gefahr, dass Erde in Bäche und Flüsse abgeschwemmt wird. In den Weinbergen könne dies durch Bodenbewuchs zwischen den Rebzeilen verhindert werden. "Diese Begrünung soll auch eine Auflage für die Förderung werden", so der Experte.


Bewässerungsverbände

Vorstellbar sei es, der Saale im Winter und Frühjahr überschüssiges Wasser zu entnehmen und zwischenzuspeichern. Erster Schritt dazu wäre eine umfassende Bedarfsberechnung. Und eine Abwägung mit den Belangen der Umwelt. "Das sind ja technische Bauwerke und keine Badeseen", gibt Rosentritt zur Wirkung der Wasserspeicher in der Landschaft zu bedenken. Positive Beispiele gebe es etwa in Volkach und Sommerach, wo es gelungen sei, alle Belange unter einen Hut zu bringen. Die Finanzierung stellt sich Rosentritt über Bewässerungsverbände vor.
"Es soll ja nicht wild darauf losbewässert werden", beschreibt Rosentritt die Handhabung. Es gehe darum, bei sparsamem Umgang mit dem Wasser extremen Mangel in der Vegetationsperiode zu überbrücken.
Aufgeschlossen dafür zeigt sich Stefan Ruppert, Vorsitzender des Weinbauvereins Hammelburg. Ihm und seinen Kollegen brennt das Problem mit der Trockenheit auf den Nägeln. Es seien oft die besten Lagen, die besonders unter der Trockenheit litten. Besonders sensibel sei die Zeit bis zur Pflanzenblüte. Kommt der Trockenstress später, könne sich das negativ auf den Geschmack der Trauben auswirken.
Mit seinem Betrieb hat sich Ruppert deshalb bereits um eine EU-Förderung zur Tröpfchenbewässerung im Weinberg beworben. Die Frist dafür lief zum 31. Januar ab. Offen bleibt bei diesem Programm aber, wie das Wasser in den Weinberg kommt. Wasser mit Tanks aus dem Tal in den Weinberg zu fahren, ist ein teures Provisorium. An der Entnahmestelle im Seeshofer Tal kam es im Sommer 2015 wiederholt zu Staus beim Wasserholen. "Das kostet viel Zeit", sagt Ruppert. Für eine Lösung des Problems kann sich Ruppert eine Beteiligung der Winzer vorstellen. Die Investition komme über weniger Traubenverluste wieder herein, ist Ruppert überzeugt. In fränkischen Lagen, wo es bereits Bewässerungsanlagen gibt, sei der Ertrag 2015 trotz der Trockenheit zum Teil dreimal so hoch gewesen, schätzt er.
Ob und wie viele Regionen in eine mögliche Bewässerungs-Förderung kommen, ist noch offen. Schließlich hängt das ja auch vom Zusammenspiel der betroffenen Akteure ab. Leonhard Rosentritt hat die Saaletal-Winzer nach den Erfahrungen der letzten Jahre jedenfalls mit im Blick. Unabhängig davon, dass es noch trockenere Regionen gibt. "Auf der Schweinfurter Platte regnet es noch weniger", weiß der Wasserwirtschaftler. Wolfgang Dünnebier