Die günstige wirtschaftliche Entwicklung der vergangenen Jahre hat auch in Bad Kissingen zu vermehrten Anfragen ansiedlungswilliger Unternehmen geführt. Vielfach konnte die Stadt solche Anfragen nicht so beantworten, dass unterm Strich tatsächlich in großem Stil Ansiedlungen herausgekommen wären. Dafür ist das bestehende Angebot an Gewerbe- und Industrieflächen im Stadtgebiet zu gering.

Um dieses Problem zu lösen, hat die Stadt Ende 2019 die Ludwigsburger Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) beauftragt, ein Gewerbeflächenentwicklungskonzept zu erstellen. Dieses Konzept liegt jetzt vor. Der Stadtrat hat die Handlungsempfehlungen, die sich daraus ergeben, auch bereits einstimmig gutgeheißen.

"Risikoausgleich"

Oberbürgermeister Dirk Vogel sprach dabei sogar von einem "historischen Schritt". Es gehe um "Risikoausgleich", sagte er. In den vergangenen Jahrzehnten habe die Stadt "nur auf Kur gesetzt". Es sei aber wichtig, mehr Branchen anzusprechen und Bad Kissingen "in Zukunft breiter aufzustellen".

Wie die Vertreter der GMA und Bauamtsleiterin Christine Schwind berichteten, attestiert die Untersuchung Bad Kissingen für die nächsten 15 Jahre einen zusätzlichen Bedarf von 19 Hektar an Flächen in Gewerbe- und Industriegebieten. Aktuell habe die Stadt noch rund zwölf Hektar verfügbare Gewerbeflächen. Ziehe man diese ab, fehlten noch Flächen in der Größenordnung von sieben Hektar. Außerdem handle es sich bei den verfügbaren "um relativ kleingliedrige Flächen, die nur sehr begrenzte Ansiedlungen zulassen". Industriegebietsflächen für Neuansiedlungen seien zudem aktuell gar nicht verfügbar. Das schränke die Entwicklungsmöglichkeiten Bad Kissingens als Wirtschaftsstandort stark ein.

Drei Gebiete

Gegensteuern will die Stadt mit der Entwicklung in drei Gebieten. Zunächst soll die Entwicklung der Gewerbeflächen im nördlichen Teil der ehemaligen Kaserne weiter vorangetrieben werden. Insgesamt seien dort zehn Hektar Fläche für Neuansiedlungen möglich. Dabei handle es sich aber um Bruttowerte, das heißt, die nötigen Erschließungsflächen sind darin noch eingerechnet.

Geeignet sei dieser Kaserne Nord genannte Bereich vor allem für "Büro- und hochwertige Dienstleistungsnutzungen im Labor-, Forschungs- und Medizintechnikbereich" heißt es in der städtischen Sitzungsunterlage zu dem Thema. Das stelle eine Synergie zu etlichen Unternehmen dar, die bereits im ehemaligen Kasernengelände angesiedelt sind. Es werde in der Tat darauf ankommen, dort "gute Unternehmen anzusiedeln", erklärte OB Vogel dazu. In manchen Fällen werde man da "auch mal kritisch sein" müssen.

Als zweiten Ansatzpunkt für die Gewerbeflächenentwicklung bestätigte der Stadtrat das Ziel, ein interkommunales Gewerbegebiet im Bereich Stralsbach/ Poppenroth anzusteuern. Dort, am nordwestlichen Rand des Gebiets der Großen Kreisstadt, könnten 14 Hektar zusätzliche Gewerbeflächen entstehen. Attraktiv könnten die dort möglichen Flächen aus Sicht der Planer vor allem für verarbeitendes Gewerbe und Handwerk sein.

Interkommunaler Ansatz

Den Auftrag, mit dem Markt Burkardroth weiter über die Entwicklung dieses gemeinsamen Gewerbegebiets zu verhandeln, erteilte der Stadtrat. Nach Vogels Worten warte der Markt Burkardroth bereits "ein bisschen auf uns".

Nummer drei auf der Liste der Gebiete, wo der Stadtrat Entwicklung befürwortet, ist im Grunde ein Jahrzehnte altes Thema der kommunalen Wirtschaftspolitik in Bad Kissingen. Beim Stadtteil Albertshausen soll geprüft werden, ob südlich des Autobahnzubringers oder an anderen Stellen in der Albertshausener Gemarkung Flächen für ein Industriegebiet denkbar wären. Von dem ursprünglich einmal für ein Industriegebiet angesteuerten Areal nördlich von Albertshausen Richtung Poppenroth will sich die Stadt verabschieden.

Die dort einst vorgesehene Fläche brauche die Stadt nicht so groß, erklärte die Bauabteilung. Zudem hat der Bereich rechtlich und praktisch keine Chance auf Umsetzung. Auch 2. Bürgermeister Anton Schick, der ansonsten die Bereitstellung neuer Industriegebietsflächen ein "Herzensthema" seiner Fraktion nannte, erklärte, sich von dem überdimensionierten Areal zu verabschieden, sei der richtige Weg. Die Stadt lässt jetzt von einem externen Gutachter prüfen, ob die Fläche südlich des Autobahnzubringers oder andere Standorte tragfähige Alternativen zu den früheren Plänen werden könnten. Es gehe darum zu untersuchen, wo die Stadt "moderat" Industrieflächen ergänzen kann.Siegfried Farkas