Auf ein anspruchsvolles, aber erfolgreiches Jahr 2016 blickt nach eigenen Angaben der Kreisverband der Volks- und Raiffeisenbanken zurück. "Wenn es die Europäische Zentralbank (EZB) und Herrn Draghi nicht gäbe, wäre es ein tolles Jahr gewesen", bilanzierte Kreisverbandsvorsitzender Roland Knoll bei einem Pressegespräch zur Vorstellung des Jahresergebnisses. "Mittendrin", so zweiter Kreisvorsitzender Rainer Geis, sind die Banker in Fusionsgesprächen. Um in dem schwierigen Umfeld weitere Kosten zu sparen, sollen sie bis 2018 abgeschlossen sein.


Bilanzsumme über eine Milliarde

Dem Kreisverband gehören die VR-Bank Bad Kissingen-Bad Brückenau eG und die Raiffeisenbanken Hammelburg und Nüdlingen eG an. Während erstere über Details ihres künftigen Zusammengehens verhandeln, ist das für die Raiba Nüdlingen offenbar noch kein Thema. "Ich schließe das nicht auf alle Zukunft aus", sagt deren Vorstandssprecher Wolfgang Menninger. An den aktuellen Gesprächen sei man nicht beteiligt.

Die Bilanzsumme aller drei Banken stieg um 49,7 Millionen auf 1,047 Milliarden Euro. Das Betriebsergebnis lag knapp unter einem Prozent in Relation zur durchschnittlichen Bilanzsumme. "Unter Würdigung der regulatorischen Umstände und des Niedrigzinsumfeldes ist das völlig in Ordnung", folgert Roland Knoll.


Kredite stärker gefragt

"Die Kunden schenken uns weiterhin ihr Vertrauen", sagt Gais mit einem Blick auf die Zahlen. So gab es ein Plus von 4,4 Prozent bei den Kundeneinlagen auf jetzt 840 Millionen Euro. Deutlich steigend ist auch die Kreditnachfrage. Der Zuwachs lag bei 4,2 Prozent. Die ausgeliehenen Mittel addieren sich auf jetzt 388,3 Millionen Euro. Viel Geld wurde in private Immobilen investiert. Aber auch die gewerbliche Kreditnachfrage stieg stetig an.

"Auch das erste Quartal 2017 läuft hervorragend", sagt Bankdirektor Knoll zur anhaltend positiven Entwicklung.
Allerdings bereitet der Wandel in der Sparmentalität Rainer Geis etwas Sorge. "Haben die Kunden früher ihr Geld auf sichere Sparbücher und Bankeinlagen eingezahlt, fragen sie heute immer häufiger nach Wertpapieren." Die Risikoneigung steige deutlich. Dies sei nicht schlecht, müsse aber ausgewogen auf jeden einzelnen Kunden ausgerichtet sein.

Der Sinneswandel der Sparer sei auf die Zinspolitik der EZB zurückzuführen. "Wir können einfach keine Zinsen mehr zahlen", sagt Geis. Darunter leiden sichere Geldanlagen. Was Sparer ärgert, freut den Häuslebauer. "Bei so niedrigen Kreditzinsen macht das Bauen richtig Spaß", weiß Vorstandssprecher Wolfgang Menninger.
Mittlerweile zählen die drei Genossenschaftsbanken im Kreisverband 55 000 Kunden und 21 000 Mitglieder. Gerne verweist Rainer Geis darauf, dass es 2016 nach Testkäufen in Bad Kissingen durch die Tageszeitung Die Welt drei Auszeichnungen für Beratung und Preise gab.

Kritisch setzt sich Roland Knoll mit der EZB auseinander. Sie setze den Sparern und der Bank zu. Den Einlagensatz senkten die Währungshüter auf minus 0,4 Prozent. Folglich müssen die drei Banken für die Anlage überschüssiger Liquidität noch höhere Gebühren bezahlen. "Wir legen das Geld unserer Sparer ebenfalls mit minus 0,4 Prozent an", macht der Bankdirektor die Konsequenzen deutlich. "Das ist einfach nicht gesund und führt auf Dauer zu weiteren Kosteneinsparungen."

Unter Einbeziehung von Teilzeitkräften beschäftigt die Volksbank Bad Kissingen 150, die Raiffeisenbanken in Hammelburg 70 und Nüdlingen 22 Mitarbeiter. Durch die angestrebte Fusion sollen einerseits Kosten eingespart werden. Anderseits sind Investitionen in die zunehmende Digitalisierung erforderlich. Individuelle Beratung vor Ort punkte, wenn sie beim Vergleich im Internet auf gleicher Höhe präsent ist. Wolfgang Dünnebier