Mit einem Messer stach am 25. Juni 2021 ein Mann am Würzburger Barbarossaplatz auf ahnungslose Passanten ein - erst in einem Kaufhaus, dann auf der Straße. Drei Frauen starben, mehrere Menschen wurden schwer verletzt. Der Täter, der vermutlich 32 Jahre alte Somali Abderrahman J., wurde kurz nach der Tat festgenommen. Ab dem 22. April findet der Prozess gegen ihn vor dem Landgericht Würzburg statt. Es wird ein Verfahren, das den in Würzburg gewohnten Rahmen sprengt. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu dem Prozess:

Worum geht es bei diesem Prozess - und worum nicht?

In vielen Strafverfahren geht es darum, eine Schuld zu beweisen und eine angemessene Strafe zu finden. Bei diesem Prozess liegt der Schwerpunkt anders, auch wenn die Ereignisse vom Juni 2021 mit Hilfe von Zeugen so gut wie möglich aufgeklärt werden sollen. Hier steht die Abwehr einer drohenden Gefahr der Wiederholung im Vordergrund. Solange der Beschuldigte nach Einschätzung von Experten eine Gefahr für sich und andere darstellt, muss die Öffentlichkeit vor weiteren Taten geschützt werden. Dafür soll er dauerhaft in der geschlossenen Abteilung der Psychiatrie untergebracht werden. Dafür bedarf es einer gerichtlichen Entscheidung.

Warum gibt es keine Anklage?

Zwei Gutachter gelangten nach Untersuchungen zu der Einschätzung, Abderrahman J. sei bei der Tat verwirrt gewesen. Er sei paranoid schizophren. Stimmen in seinem Kopf hätten ihn zu der Tat getrieben. Deshalb ist er nicht Angeklagter, sondern Beschuldigter. Es gibt keine Anklageschrift, sondern eine Antragsschrift zu einem Sicherungsverfahren. Die Generalstaatsanwaltschaft München wirft dem Beschuldigten dreifachen Mord an drei Frauen im Alter von 24, 49 und 82 Jahren sowie versuchten Mord in elf Fällen vor - begangen im Zustand der Schuldunfähigkeit.

Wie lange wird der Prozess dauern?

Angesetzt sind knapp 30 Prozesstage, gestreckt auf fünf Monate. Der Prozess findet an drei unterschiedlichen Orten statt, es wird mehr als ein Dutzend Wechsel der Verhandlungsorte geben. "Ein logistisch vergleichbares Verfahren, insbesondere durch Corona-Beschränkungen, hat es bisher noch nicht in Würzburg gegeben", sagt Michael Schaller, Sprecher des Landgerichts Würzburg. "In der Vorbereitungsphase sind regelmäßig sechs Personen mit dem Prozess beschäftigt, allerdings immer nur stundenweise."

Warum kann nicht im Strafjustizzentrum in der Ottostraße verhandelt werden?

Unter Corona-Bedingungen müssen Mindestabstände von 1,5 Metern bei Prozessbeteiligten und Zuschauern eingehalten werden. Deshalb würden selbst in den größten Sitzungssaal des Strafjustizzentrums derzeit nur 26 Menschen passen - bei diesem Prozess sind es aber erheblich mehr. Also suchte man nach größeren Räumen.

Wer ist bei diesem Prozess alles dabei?

Da ist zunächst die erste Strafkammer des Landgerichts Würzburg um den Vorsitzenden Thomas Schuster mit drei Berufsrichtern und zwei Schöffen. Dazu kommen in langwierigen Verfahren wie diesem vorsorglich zwei Hilfsschöffen. Damit verhindert man, dass der Prozess platzt, wenn jemand aus Krankheitsgründen nicht zur Sitzung kommen kann. Dazu ein Protokollant oder eine Protokollantin sowie ein oder mehrere Justizwachtmeister. Der Generalstaatsanwalt, der den Fall vertritt, dürfte zur Unterstützung einen Stellvertreter dabei haben. Das gleiche gilt für Verteidiger Hanjo Schrepfer, dem sein Kollege Tilman Michler zur Seite steht. Der Beschuldigte wird von mehreren Polizeibeamten gebracht. Dazu kommen laut Pressesprecher Michael Schaller bisher 13 der Opfer als Nebenkläger samt ihren Anwälten - wobei noch weitere dazu kommen können. Sie können sich auch von ihren Anwälten vertreten lassen und müssen nicht jeden Tag im Sitzungssaal bleiben. Mit dem Dolmetscher und dem Gutachter ist man schon bei knapp 50 Prozessbeteiligten. Dazu kommen noch Medienvertreter und Zuschauer.

Warum konnte man sich nicht auf einen Verhandlungsort einigen, sondern braucht drei verschiedene?

Schon die Festlegung eines Programmablaufes über 27 Sitzungstage war kompliziert: Welche Prozessbeteiligten hatten wann noch freie Termine? Als dann ein Fahrplan feststand, zeigte sich: Viele für Prozesse geeignete Räumlichkeiten waren bereits ausgebucht. Daher gibt es nun mehrfache Ortswechsel.

Der Prozess beginnt am 22. April in den Mainfrankensälen in Veitshöchheim - und soll dort am 23. September enden. 17-mal soll da verhandelt werden, an den anderen Tagen wird im Vogel Convention Center (VCC) in Würzburg verhandelt oder in der Weißen Mühle in Estenfeld.

Welche Regeln gelten für Zuschauerinnen und Zuschauer?

Der Prozess ist prinzipiell öffentlich, schließlich wird ja im Namen des Volkes Recht gesprochen. Das Gericht kann aber per Beschluss die Öffentlichkeit ausschließen, wenn es um intime, schützenswerte Interessen zum Beispiel von Zeugen geht. Bisher gebe es dafür keine Planungen, sagt Pressesprecher Michael Schaller. In den Zuschauerraum dürfen nur so viele Menschen, wie Sitzplätze mit 1,5 Meter Abstand zueinander vorhanden sind. Ein gekennzeichneter Teil der Plätze ist für Medienvertreter reserviert.

Wann können Zuschauer in den Sitzungssaal?

Der Sitzungssaal wird jeweils 60 Minuten vor Sitzungsbeginn geöffnet. Alle Besucher einschließlich der akkreditierten Pressevertreter müssen sich den am Landgericht Würzburg üblichen Einlasskontrollen unterziehen. Während der Sitzungspausen und nach Ende der Sitzung müssen die Zuhörerinnen und Zuhörer sowie die Medienvertreter den Sitzungssaal verlassen. Wer keinen Sitzplatz gefunden hat, muss den Sitzungssaal unverzüglich verlassen. Bild- und Tonaufnahmen während der Sitzung sind verboten, ebenso das Telefonieren.

Was gilt im Sitzungssaal zum Schutz vor Corona?

Sämtliche Verfahrensbeteiligten müssen während der Sitzung FFP2-Maske tragen. Davon sind der Beschuldigte, die Zeugen sowie der Vorsitzende ausgenommen. Alle übrigen Verfahrensbeteiligten dürfen während ihrer Redebeiträge die Maske abnehmen. Manfred Schweidler