Mit Silber- und Bronze-Medaillen für ihre Schokoladen aus peruanischem Ur-Kakao können Arno Wielgoss (Bad Kissingen) und seine Geschäftspartnerin Frauke Fischer (Würzburg) inzwischen umgehen, denn bei den International Chocolate Awards 2019 und 2021 räumten sie bereits vier solcher Medaillen ab. Jetzt gewann ihr Unternehmen Perú Puro (Sitz Frankfurt) den Sustainability Heroes Award 2021 in der Kategorie "Soziales Engagement und Biodiversität", den die Deutschen Gesellschaft zur Zertifizierung von Managementsystemen (DQS), gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Qualität (DGQ, beide Frankfurt), an Unternehmen vergibt, die nachweislich eine Vorreiterrolle im Übergang zu einer nachhaltigen Wirtschaft übernommen haben.

Kakao-Bauern in den Anden unterstützen

"Bei dem Wettbewerb haben große Unternehmen mitgemacht", sagt Wielgoss im Gespräch mit dieser Redaktion. "Dass unsere kleine Firma mit zwei Leuten diese großen Riesen abgehängt hat, ist schon klasse", freut sich der tropische Agrar-Ökologe. Noch dazu, weil die DQS und DGO der renommierteste Zertifizierungsverbund in Sachen Nachhaltigkeit ist, weiß Wielgoss.

Diesmal ging´s also nicht um die Qualität der Schokoladen, sondern um die Produktion in Peru und um die komplette Lieferkette aus dem peruanischen Urubamba-Tal bis in den Hafen von Hamburg. Wielgoss und Fischer unterstützen seit etwa 17 Jahren Kakao-Bauern in den peruanischen Anden darin, ökologische Landwirtschaft zu betreiben und mit ihren zertifizierten Fairtrade-Produkten auch angemessene Preise zu erzielen.

Eine Crowdfunding-Kampagne im Internet war 2017 so spektakulär gut angelaufen, dass Wielgoss und Fischer kurz darauf in einer Schweizer Manufaktur aus dem hochwertigen peruanischen Ur-Kakao zum ersten Mal Schokolade herstellen lassen konnten.

Insgesamt bewarben sich 212 Firmen

Der Kakao wird direkt, ohne Zwischenhändler, aus dem peruanischen Urubamba-Tal nach Deutschland importiert. "Ich kenne jede Farm dort persönlich, gehe mit den Bauern auf ihre Felder und mache die Biozertifizierung", so Wielgoss in einem früheren Interview. Vier Tage dauert der Transport des Kakaos bis zum Hafen in Lima. "Dort kümmere ich mich selbst ums Einschiffen des Produkts auf ein deutsches Reedereischiff." Von Hamburg aus geht der peruanische Kakao mit der Bahn dann auf die Reise nach Würzburg.

Insgesamt hatten sich für den Sustainability Heroes Award 212 Firmen in sechs Kategorien beworben. Bei einer dreitägigen Konferenz  vom 26. bis 28. Oktober, der Wielgoss und Fischer online beiwohnten, wurden Vorträge zu verschiedenen Themen gehalten - und natürlich Zug um Zug auch die Preisträger in den verschiedenen Kategorien vorgestellt.

Am zweiten Tag war Perú Puro dran. In der Sparte "Soziales Engagement und Biodiversität" kam die kleine, aber feine Firma auf den ersten Platz - und verdrängte Mitbewerber wie die Coca Cola Company, die Commerzbank AG und die Vorwerk SE & Co. KG auf die hinteren Plätze. "Für uns war´s sehr überraschend, aber wir haben uns gefreut, dass das Engagement und nicht die Größe der Firma in die Bewertung mit einging." In der Laudatio am 27. Oktober hieß es: "Die Perú Puro GmbH belegt eindrucksvoll, dass auch im Kakao- und Schokoladengeschäft der Schutz von Biodiversität und wirtschaftlicher Erfolg Hand in Hand gehen können. In Zusammenarbeit mit lokalen Kooperativen hat das Unternehmen es geschafft, große degradierte Flächen zu artenreichen Agroforstsystemen umzubauen und biodiversitätsfreundliche Methoden für den Anbau von Kakao nachhaltig zu etablieren." Für Wielgoss ist die Auszeichnung, nach eigenen Angaben, wie ein "Oscar". Es freut ihn, dass die neuartige Bewirtschaftung von Kakao-Feldern in Peru auf solche Anerkennung stößt. "Wir produzieren nachhaltig und schonend für den Regenwald", sagt der Bad Kissinger und gibt ein Beispiel: Pro Hektar, den unsere Bauern in Peru nachhaltig bewirtschaften, schützen sie gut sieben Hektar Primär-Regenwald. Das sind Bäume, die es schon seit der Eiszeit in Peru gibt.Isolde Krapf