Auf diese Werkstücke zum Jahresabschluss sind die jungen Leute der Katharinen-Schule der Lebenshilfe stolz: Die Hocker aus heimischer Buche und Nussbaum sind so wohl geraten, dass Werklehrer Volker Keß sie schließlich mal aufeinanderstapelte und auf einem Foto verewigte. Entstanden sind die schmucken Möbelstücke im Rahmen des Berufsschulstufen-Unterrichts.

20 Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen 16 und 18 Jahren machten sich im Werkraum an die Arbeit. Seit März wurde täglich gearbeitet und es war "laut und staubig", wenn gehämmert, gebohrt und an den Maschinen hantiert wird, sagt Keß. "Aber alle waren hochmotiviert und mit Eifer dabei."

Handwerkliche Tätigkeiten

Es sei ihm wichtig, sagt Keß, auch die Leistungen der Jugendlichen aus der Katharinen-Schule, die alle ein geistiges Handicap haben, zum Jahresabschluss mal in den Fokus zu rücken. "Denn viele Menschen haben überhaupt keine Ahnung, was in unserer Schule unterrichtet wird." In Fuchsstadt gehen Kinder und Jugendliche zur Schule, die unterschiedlich stark beeinträchtigt sind, sagt der Werklehrer. "Viele von ihnen können lesen und schreiben, manche nicht. Einige sind sehr gute Sportler, manche sitzen im Rollstuhl", beschreibt er die Schülerinnen und Schüler.

Was die meisten von ihnen jedoch gemeinsam haben, ist die "große Freude an handwerklichen Tätigkeiten", weiß Keß, der 30 Jahre als Lehrer unterrichtet. "Wir machen jedes Jahr kleine Möbelstücke." Die Hocker herzustellen, habe den jungen Leuten sehr viel Spaß gemacht. Jetzt sollten sie auch mal ein Lob für ihre Arbeit bekommen, damit sie sehen, was sie alles können, findet der Werklehrer, und schickte dieser Redaktion das Foto mit den 20 Hockern zu.

Sechs Jugendliche schlossen ab

Wie es mit den jungen Leuten nach Abschluss der Berufsschulstufe weitergeht? "Wir versuchen natürlich, ein paar in der freien Wirtschaft unterzubringen." Das Unterfangen scheitere aber manchmal schon allein an den weiten Wegen, die die Jugendlichen zurücklegen müssten, um zur Arbeit zu gelangen. In vielen Unternehmen sei auch keinerlei Bereitschaft vorhanden, Menschen mit Handicap zu beschäftigen.

Dieses Jahr wurden sechs junge Leute mit der Berufsschulstufe fertig. Einer von ihnen geht jetzt in die Kolpingschule nach Schweinfurt, um dort seinen Hauptschulabschluss zu machen. Die anderen fünf Jugendlichen haben einen Arbeitsplatz in der Hammelburger Werkstatt für behinderte Menschen gefunden.

Für den ein oder anderen, während der Berufsschulstufenzeit, ein Praktikum, zum Beispiel in einem Pflegeberuf oder im Kindergarten, zu organisieren, gelinge aber öfter, sagt Keß. "Die Arbeit dort klappt dann meist sehr gut", sagt Keß. Denn dort könnten die jungen Leute zeigen, was sie an der Katharinen-Schule lernten: "Dass es wichtig ist, wenn der Stärkere dem Schwächeren hilft." Isolde Krapf