Auf der Baustelle der Musikakademie ist Misganu Bekele Mosisa in seinem Element. Mit zwei anderen Flüchtlingen stemmt er mit dem Bohrmeißel Mauersteine aus dem Fachwerk.

"Die Arbeit macht Spaß", sagt der Auszubildende zum Maurergesellen. "Besser, als daheim herumsitzen", ergänzt er grinsend in verständlichem Deutsch. Seine Freunde an der Beschäftigung sieht man dem 24-Jährigen an. 2018 will er seinen Abschluss machen.

Manchmal klingen im Gespräch aber auch Sorgen durch. "Der Kopf ist oft nicht frei", bedauert Bekele. Das Bundesamt für Migration hat ihn nicht als Flüchtling anerkannt. Deswegen ist seine Zukunft offen.

"Ich verstehe das nicht", sagt er zu dieser zweifelhaften Lebensperspektiven. Dass er in seinem Heimatland zu einer verfolgten Minderheit gehört, sieht er in seinem Verfahren zu wenig berücksichtigt. Ebenso sei es bei anderen Äthiopiern im Raum Hammelburg, denen die Anerkennung verweigert wird.

Dabei ist er voller Elan in seine Ausbildung gestartet. Vor zwei Jahren war er zur Anhörung beim Bundesamt für Migration (Bamf) in Zirndorf. Erst diesen April hat er die für ihn niederschmetternde Entscheidung mitgeteilt bekommen.

Hoffnung schöpft er jetzt aus seinem Einspruch beim Bamf und der drei plus zwei Regelung. Demnach darf er nach der Ausbildung noch zwei Jahre in Deutschland bleiben. Wenn er die Prüfung besteht.

Mit den Tränen kämpft der angehende Maurer, als er vom Schicksal seiner Familie erzählt. Sein Vater sei wegen Meinungsverschiedenheiten mit den herrschenden Amarern ins Gefängnis gekommen und dort gestorben.
Er selber habe das Land Hals über Kopf verlassen und sei auf abenteuerlichen Wegen über das Mittelmeer und Italien schließlich nach München gelangt. Seit 2014 kam er in die Gemeinschaftsunterkunft in Hammelburg. Hier nahm er sein Schicksal für das Weiterkommen offenbar rasch in die Hand. Er besuchte die Integrationsklasse an der Berufsschule, machte Praktikum beim E-Center.

Jetzt ist er bei seiner Ausbildung gut dabei, steht teils um fünf Uhr morgens auf, um in Fahrgemeinschaft zu seinem Arbeitgeber zu kommen. "Ich liebe meine Heimat, aber ich habe kein Recht, dort zu leben", sagt er anklagend.


Ausbildungsbeauftragter lobt

Kollegialität und Fleiß von Bekele lobt Ausbildungsbeauftragter Udo Langohr von der Baufirma Bömmel (Nüdlingen). Aktuell lernen in dem Unternehmen drei Flüchtlinge. In der Praxis gebe es keine Probleme, aber in der Theorie stehen die jungen Kollegen vor großen Herausforderungen. Bekele sei mit seinen Sprachkenntnissen auf dem richtigen Weg. Für eine Verbesserung der Fachsprache gebe es weitere Kurse. Für die Abschlussprüfung seien die Aussichten nicht schlecht.

"Wir brauchen ja Nachwuchs", sagt Langohr zur Bedeutung der neuen Mitarbeiter. Einem anderen Flüchtling, der an der Prüfung wegen der Sprachhürde zu scheitern droht, wolle man im Falle eines Falles einen Posten als Helfer anbieten. "Damit er wenigstens etwas hat", gesteht Langort zu. Allerdings bedauert er manchen bürokratischen Aufwand. So müssten die Arbeitserlaubnisse oft kurzfristig erneuert werden. "Da gibt es Verbesserungsbedarf", so Langohr. Die Handwerkskammer von Unterfranken bescheinigt ihren angeschlossenen Betrieben große Bereitschaft zur Ausbildung von Flüchtlingen.

Unter den neuen Lehrverträgen zum Monatswechsel sind 132 Verträge von Personen aus den acht häufigsten Asylantragsländern (Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan, Somalia und Syrien). Das sind fast doppelt so viele wie im gesamten Jahr 2016.


Ehrgeizige Pläne

Zurückzuführen sei diese Steigerung unter anderem auf die gestiegene Zahl von Absolventen der Berufsintegrationsklassen sowie auf die Aktivitäten der Willkommenslotsen der Handwerkskammer. Insgesamt vier von ihnen sind unterfrankenweit im Einsatz. Aus Sicht der Handwerkskammer ist berufliche Integration Schlüssel für die gesellschaftliche Integration. Sie ein Baustein gegen den Fachkräftemangel.

Misganu Bekele hat unterdessen ehrgeizige Pläne. Er will auch noch den Techniker machen. Um seien Sprachkenntnisse zu verbessern, geht er in der Stadtbücherei ein und aus. Wolfgang Dünnebier