Mit Müßiggang könne er nichts anfangen, Workaholic wolle er aber auch nicht werden. So äußerte sich Landrat Thomas Bold im Jahr 2002, als er zum ersten Mal als Landrat antrat. Doch bald stellte sich für ihn heraus, dass seine Aufgaben ihn mehr als nur fordern würden.

Auch jetzt, wo die Pandemie neue Strukturen im Landratsamt erforderte, und die Arbeitsabläufe täglich aufs Neue spannend sind, steht Bold stets voll im Mittelpunkt des Geschehens. Am Donnerstag, 28. Januar, wird der Kreischef 60 - diesmal allerdings ohne großen Bahnhof.

Frühmorgens will er zunächst ins Landratsamt gehen und Dienstliches erledigen. Natürlich werden Gratulanten anrufen und er weiß schon von einem Video-Chat, der ihn erwartet. Aber nachmittags feiert er dann das neue Lebensjahr zu Hause mit seiner Familie.

Großer Bahnhof

Anlässlich seines 50. Geburtstags vor zehn Jahren nämlich hatte Bold zum großen Empfang ins Landratsamt geladen. Damals hatte sein Stellvertreter Emil Müller Bolds "erfolgreiches Wirken" unter anderem mit seinem Einsatz für die Bildung, beziehungsweise für die elf Kreisschulen, gewürdigt.

Daran könnte Müller heute nahtlos anschließen, wenn er diesmal eine Ansprache halten müsste. Denn die Ausstattung der Schulen ist Bold noch immer ein Hauptanliegen - man denke nur an den Neubau des Berufsbildungszentrums oder die Planungen fürs Hammelburger Schulzentrum.

Aber auch die digitale Ausstattung der Schulen trieb Bold voran, was sich jetzt, zu Pandemie-Zeiten, bezahlt macht. Und dann sind da unter anderem die Sanierung und der Teilneubau der Landratsamtsgebäude, die Fortentwicklung des Zentrums für Telemedizin oder auch das Hüttenprojekt Berghaus Rhön, sowie sein unermüdlicher Einsatz gegen die Südlink-Trasse, beziehungsweise die unliebsame P43 - um nur einiges zu nennen.

Liebe zum Norden

Wenn er nicht eben mal zum Papst-Empfang nach Italien fährt, wie im Jahr 2012, liebt er es, zusammen mit seiner Frau in die nordischen Länder zu verreisen, wie zum Beispiel nach Skandinavien. Aber er ist auch stets heimatverbunden gewesen und liebt die Vorrhön. Deshalb war der gebürtige Neuwirtshäuser nach der Ausbildung bei der Polizei und dem Studium an der Beamtenfachhochschule auch nur kurz an auswärtigen Standorten tätig, bevor er nach Hammelburg zurückkehrte.

1996 wurde er Bürgermeister in Wartmannsroth. Schon damals habe er viel bewegen können, sagt er im Rückblick. Und er habe schon früh Spaß daran gefunden, mit den Bürgern Konzepte zu entwickeln und umzusetzen.

Schon als Schüler sei er politisch interessiert gewesen. Schließlich gab es bereits in den 70-er Jahren interessante Persönlichkeiten. Franz-Josef Strauß war stets sein Vorbild. 1983 trat er der CSU bei und war zwei Jahre später an der Gründung des JU-Ortsverbands Wartmannsroth beteiligt. 1989 wurde er JU-Kreisvorsitzender und war damit auch in die Kreis-CSU-Vorstandschaft eingebunden. 1993 wurde er stellvertretender Kreisvorsitzender.

Bolds Schlüssel zum Erfolg

1990 kandidierte er für den Kreistag. Und 2002 sollte er schon Landrat werden. "Es wurde an mich herangetragen", sagte er einmal. Er habe abwägen müssen, denn auch die Familie müsse mitmachen. Bereut hat er es nach eigenen Angaben nie. Das Amt sei arbeitsintensiv, aber er schöpfe "Freude und Kraft" aus dem Kontakt mit den Bürgern. Dass man als Landrat viel beeinflussen und gestalten kann, mache für ihn den Reiz dieses Amtes aus. Allerdings sei dies nur zusammen mit anderen möglich, sagt er und meint damit auch das Miteinander, beispielsweise in Verbänden und Vereinen, im Kreistag und in der eigenen Verwaltung. "Das ist der Schlüssel zum Erfolg."

Dass Landrat Thomas Bold die Menschen im Landkreis offenbar mit seiner Politik erreicht, macht das jüngste Wahlergebnis vom März 2020 deutlich: Er trat gegen zwei Mitbewerber an und konnte 60,5 Prozent der Stimmen am Wahlabend für sich verbuchen. Ein knapper Wahlsieg war das nicht, denn schließlich wollten ihn 32 660 Stimmberechtigte offensichtlich eindeutig an der Spitze des Kreises sehen. Isolde Krapf