Jetzt beginnt die Wander- und Pilzsaison. Die Menschen zieht es im Herbst in Scharen hinaus in die freie Natur. Dort werden sie bereits erwartet: von den Zecken. Und das kann gefährlich werden.

Die Parasiten finden sich mittlerweile in ländlichen Gebieten in ganz Deutschland. Die Spinnentiere findet man auf Grashalmen, in Büschen und im Unterholz, in Wäldern und auf Wiesen. Auch in Gärten und Parks oder auf Sportplätzen sind sie unterwegs. Wer sich gerne im Grünen aufhält, begibt sich somit automatisch ins "Zeckenrevier".

Die Parasiten lassen sich übrigens nicht von Bäumen fallen - das ist eine Räuberpistole, die immer wieder hartnäckig verbreitet wird - sondern klettern an Gebüsch oder Gräsern bis zu einer Höhe von maximal 1,50 Metern hoch, um sich dann von einem vorbeigehenden Opfer, den sie als Wirt missbrauchen, einfach abstreifen zu lassen. Haben die Parasiten einen Wirt gefunden, suchen sie nach möglichst gut durchbluteten Stellen, um zuzustechen. Dazu gehören beispielsweise die Kniekehlen und der Schritt.

Das Problem: Zecken können gefährliche Krankheitserreger wie FSME (das Frühsommer-Meningoenzephalitis-Virus) übertragen. Hat eine infektiöse Zecke zugestochen, wird FSME sofort übertragen. Es handelt sich um eine Erkrankung der Hirnhaut und des zentralen Nervensystems, die nicht mit Medikamenten heilbar ist. Sie kann schwerwiegende gesundheitliche Folgen wie Lähmungserscheinungen haben und sogar lebensbedrohlich sein. Neben den FSME-Viren kann eine Zecke aber auch Borreliose-Bakterien übertragen.

Deshalb ist es ratsam, sich gar nicht erst stechen zu lassen. Doch die Wahrscheinlichkeit, sich in der freien Natur einen "Holzbock" aufzulesen, ist hoch. Der komplette Landkreis Schweinfurt ist vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit als FSME-Risikogebiet eingestuft; die Gemarkung der Stadt Schweinfurt hingegen nicht.

Weniger Fälle als in 2019

Die in einigen Medien verbreitete Behauptung, 2020 sei ein regelrechtes "Zeckenjahr", kann das Gesundheitsamt Schweinfurt nicht belegen. Im Vergleich zu den Fallzahlen aus 2019 habe sich die Zahl der dem Gesundheitsamt gemeldeten Borreliose-Fälle im Beobachtungszeitraum vom 1. Januar bis zum 9. September 2020 nahezu halbiert, teilt Pressesprecherin Uta Baumann auf Anfrage der Zeitung mit. Für den Zeitraum im vergangenen Jahr waren 48 Fälle registriert worden, in diesem Jahr seien es bislang nur 25 Fälle. "Die Zahlen sprechen eher nicht für ein vermehrtes Aufkommen von Zecken", so Baumann. Allerdings habe es heuer auch schon zwei Fälle von FSME im Landkreis gegeben.

Um Zeckenstichen vorzubeugen, sollte man daher festes Schuhwerk und möglichst lange Kleidung tragen, die Hosenbeine in die Socken stecken sowie den Körper nach jedem Aufenthalt im Grünen gründlich absuchen, rät Jürgen Reimann, der Leiter des Gesundheitsamts im Landkreis Haßberge und damit auch für weite Teile des Steigerwalds zuständig, die ebenfalls zum Risikogebiet erklärt wurden. Zusätzlich könne Anti-Zeckenspray helfen, die Spinnentiere für ein paar Stunden auf Abstand zu halten. Klaus Vogt/ Mitarbeit wos