Energieeffizienz war das Schlagwort bei der Eröffnung der vierten Kommunalen Energiemesse KEM im Dittelbrunner Marienbachzentrum, als Bürgermeister Willi Warmuth, Messeleiter Peter Härterich, zugleich Energiebeauftragter der Gemeinde, Landrat Florian Töpper sowie Gerhard Eck, Staatssekretär für Inneres, Bau und Verkehr, die Messe eröffneten.
Das Thema Energiewende wird ja derzeit von anderen Schlagzeilen überlagert.
Der niedrige Ölpreis lädt nicht gerade zu Wärmenetzen und Heizungswechsel ein, Mega-Stromtrassen wie Südlink stehen ins Haus. Bei den alternativen Energie-Erzeugern ist da, allen Innovationen zum Trotz, eine gewisse Verunsicherung spürbar.
In der Halle ging es unter anderem um intelligente Stromnetze, die dem Kunden den jeweils günstigsten Saft für Waschmaschine oder Elektroauto verschaffen: In dieses "Smart Grid", das dezentrale Erzeugung, Speicherung, Verbrauch und Versorgungsschwankungen ausbalanciert, wird längst auch im Raum Schweinfurt investiert. Willi Warmuth sieht optimistisch in die Zukunft: "Smarte Netze, smarte Steuerung, smarte Geräte - sie gehören zu den Smarten."
So sah es auch Schirmherr Gerhard Eck: "Eine Augenweide" seien die Stände der mehr als 30 mittelständischen Anbieter, auf 1400 Quadratmetern Fläche. 40 Prozent Anteil an erneuerbarer Energie habe Bayern, "eine ausgezeichnete Situation", die sich auch im Landkreis widerspiegele.


Dokumentarfilm

Dittelbrunns Energiekonzept ist in der Interkommunalen Allianz federführend, das Obere Werntal Ökomodellregion: Darauf wies Landrat Florian Töpper hin. Ebenso wie auf die tourismusfördernde Elektromobilität.
Alle zwei Jahre, im Wechsel mit Sennfeld, dreht sich am Marienbach alles ums Dämmen, Heizen, Lüften, Sparen - und das Rad kontinuierlich weiter. Wo vor kurzem Windkraftanlagen für Entrüstung sorgten, herrscht heute Aufregung in Sachen Flüchtlingskrise.
Für Jürgen Hack von der Energiegenossenschaft Oberes Werntal (EOW) hängen die Probleme aber zusammen: Bei allen modernen Kriegen, etwa in Syrien, gehe es auch um die Kontrolle fossiler Brennstoffe, um Gas, Erdöl, Pipelines oder Fracking, wie in der Ost-Ukraine. Alternative Energien könnten dazu beitragen, Konflikte und Flüchtlingsströme zu verhindern, einen Bewusstseinswandel vorausgesetzt.


Schwierige Zeiten

Stolz verwies der EOW-Vorstandsvorsitzende auf den Dokumentarfilm "Power to Change - die Energie-Rebellion", der am 14. April im Schweinfurter Kino KuK gezeigt werden wird: Den Energierebellen im Oberen Werntal wird darin immerhin eine Minute gewidmet.
Dass sich der deutsche Staat durch komplizierte Regelungen Chancen selbst verbaue: Das bekam man an den Ständen öfters zu hören. "In China sind schon viele Dörfer autark", sagte Matthias Windsauer, hier werde gezielt in Großspeicher und einheitliche Elektro-Ladeinfrastruktur investiert. Einen Auftragseinbruch sieht der Holzhäuser Energieunternehmer aber nicht, die Kunden dächten langfristig.
Hans-Josef Fell, Ex-MdB der Grünen, sah in seinem Referat "schwierige politische Zeiten" für den Klimaschutz, der Einzelne sei gefragt. Weitere Vorträge drehten sich um Geothermie, Holzheizung, Wärmenetze, Solarspeichertechnik, das allgemeine Förderklima. Die Gasuf war zum ersten Mal dabei und betonte Krisenresistenz in der unterfränkischen Gasversorgung. Dass Energiewende Spaß machen kann, bewiesen Elektroroller oder Mini-Segways: Futuristisch leuchtende Zweiradbretter oder Einräder. Auch hier ist Stehvermögen gefragt. Uwe Eichler