Ob die unappetitlichen Müll-Gegenstände im Wald, gegenüber der Nüdlinger Pyramide, schon jahrelang lagern oder in jüngerer Zeit deponiert wurden, darüber lässt sich nur spekulieren. Eins ist aber sicher: Sie liegen mindestens sieben Monate dort. Vermutlich wurde seit Dezember 2019 sogar Etliches dazugelegt.

Das sagt jedenfalls der Windheimer Thomas Reuß, der die Müllansammlung kurz vor Silvester 2019 bei einem Spaziergang entdeckte und seinen Fund umgehend bei der Polizei meldete. Auch die Bayerischen Staatsforsten, denen das Thundorfer Revier gehört, wurden offenbar informiert. Der Müll liegt aber heute noch.

Der Weg, der an der Bundesstraße 287, gegenüber der Abfahrt nach Nüdlingen (Staatsstraße 2445) in den Wald führt, sieht unscheinbar aus. Am Waldrand gibt es aber eine kleine Stellfläche, die sich in den vergangenen Jahren zum allseits bekannten Pendler-Parkplatz entwickelte. Wenige Meter entfernt liegt lauter Müll in der Landschaft: Autoreifen, ein Kindersitz, eine Öl-Auffangwanne, Farbeimer, Schuhe, Plastikflaschen, Müllsäcke - um nur einiges zu nennen.

Polizei will ermitteln

Als Thomas Reuß die wilde Müllkippe am Nachmittag des Silvestertags entdeckte, fackelte er nicht lange und rief bei der Bad Kissinger Polizei an. Dort versprach man sich zu kümmern. Doch die Gegenstände lagen Anfang des Jahres 2020 immer noch da, erzählt Reuß.

Per E-Mail nahm er am 15. Januar erneut Kontakt zur Polizei auf und bot an, den Müll selbst zu entsorgen. Die Antwort kam prompt: Er solle alles liegenlassen, hieß es in der Online-Nachricht der Beamten, denn möglicherweise befänden sich vor Ort Hinweise auf den/die Täter.

Die Polizei rief kurze Zeit später sogar bei Reuß an, um ihm mitzuteilen, dass nicht, wie zunächst vermutet, die Stadt Münnerstadt für den Abtransport der Müll-Gegenstände zuständig sei, sondern die Bayerischen Staatsforsten, denen das Waldstücke gehört.

Am 26. Februar schaffte es der vielbeschriebene Müllhaufen dann sogar in eine Polizeimeldung an die Medien: Bei einer Streifenfahrt habe die Polizei eine wilde Müllhalde an der Nüdlinger Pyramide entdeckt, hieß es. "Mir ist das Brötchen fast aus der Hand gefallen", schildert Reuß seine Emotionen an jenem Aschermittwoch-Morgen, als er beim Frühstück die Zeitung las.

Umgehend gab er in einer E-Mail an die Polizei seine Verwunderung kund darüber, dass die Polizei sich als Entdecker des Müllhaufens outete. Erneut bot Reuß an, den Müll selbst zu entsorgen. Doch die Polizei antwortete ihm, die Bayerischen Staatsforsten wüssten Bescheid und würden sich umgehend kümmern.

"Okay, dachte ist, dann ist die Sache ja erledigt", sagt Reuß im Gespräch mit dieser Redaktion. "Doch als ich zufällig am 26. Mai 2020 wieder dort vorbeikam, war die Sauerei immer noch da", empört sich der Windheimer.

Seine umgehend verschickte E-Mail an die Bad Kissinger Polizei sei "bis heute unbeantwortet" geblieben. Er zweifle inzwischen daran, dass die Bayerischen Staatsforsten die Gegenstände noch abholen. Wissen sie überhaupt davon? Reuß: "Mein Angebot, das Zeug selbst wegzuräumen, steht immer noch."

Bei der Polizeiinspektion in Bad Kissingen sei die wilde Müllkippe im Januar angezeigt worden, sagt Dienststellenleiter Stefan Haschke auf Anfrage dieser Redaktion. "Wir haben dann die Ermittlungen aufgenommen." Tatsächlich hätten Kollegen in den Müll-Hinterlassenschaften einen Adress-Hinweis gefunden und einen potenziellen Verdächtigen ermittelt. "Das haben wir dem Landkreis auch mitgeteilt."

"Wir sind als Grundstückseigentümer für das Revier Thundorf zwar der richtige Ansprechpartner, was wilde Müllablagerungen angeht", sagt Forstbetriebsleiter Christoph Riegert vom zuständigen Forstbetrieb Arnstein. "Aber wir sind keine Experten in Sachen Müll, zuständig für den Abtransport ist, nach dem Kreislaufwirtschaftsgesetz, der jeweilige Landkreis."

Denn schließlich handle es sich nicht selten um Problemmüll, der fachgerecht entsorgt werden müsse.

Um diesen Sachstand zu untermauern, blätterte Riegert in den rechtlichen Grundlagen: Die Bayerischen Staatsforsten haben zwar das Nutzungsrecht am Staatswald inne.

Forstbetrieb hilft mit

Der Wald ist aber für die Öffentlichkeit zugänglich. Deshalb habe "die Allgemeinheit in Gestalt der beseitigungspflichtigen Körperschaft (= Stadt oder Landkreis) die Verpflichtung zum Zusammentragen und Entsorgen der dort unerlaubt entsorgten Abfälle".

Man helfe jedoch durchaus mit, den Müll zu finden und anzuzeigen, sagt Riegert. Gelegentlich müsse man die abgelagerten Gegenstände, weil sie mitten im unwegsamen Gelände liegen, auch an den Waldrand bringen, damit die Gebietskörperschaft sie dort abholen kann, so der Forstbetriebsleiter weiter.

Im Fall der Müllhalde an der Nüdlinger Pyramide habe sich der zuständige Revierleiter zunächst an die Stadt Münnerstadt gewandt und dort, im Rahmen einer anderen dienstlichen Angelegenheit, von seinem Fund berichtet, recherchierte Riegert.

Prinzipiell sei es Aufgabe von Polizei und Forstbetrieb, Kontakt zur Gebietskörperschaft aufzunehmen. Möglicherweise habe auch der Amtswechsel in der Revierleitung zur Verzögerung der Angelegenheit beigetragen, hält Riegert nicht für ausgeschlossen. Denn die Aufgabe wurde eine Zeit lang kommissarisch wahrgenommen. Seit 1. Juli ist Franziska Partenhauser in dieser Funktion aktiv.

"Mir ist so etwas aber wichtig", sagt Riegert. Im Normalfall kümmere man sich im Forstbetrieb unverzüglich um solche Müllablagerungen. Der Forstbetriebsleiter reagierte daher am Montag prompt und meldete den Vorgang bei der zuständigen Stelle im Landratsamt. "Die Entsorgung sollte nun ohne weitere Verzögerung erfolgen." Isolde Krapf