Die Erwartungen der Stadt bei der Suche nach der Intendanz für den Kissinger Sommer waren hoch. Und nach allem, was man vom Ergebnis der Suche hört, ist der Stadtrat überzeugt, dass diese Erwartungen nun auch erfüllt werden. Jedenfalls soll die am Mittwoch in nichtöffentlicher Sitzung für die Nachfolge von Tilman Schlömp getroffene Entscheidung mit überzeugender Mehrheit gefallen sein.

Den Namen der Person, die nach dem Wunsch der Stadträte die künstlerische Leitung des Klassikfestivals übernehmen soll, wollte die Stadt so kurz nach der Entscheidung nicht nennen. Das sei erst möglich, wenn die Verträge unterzeichnet seien. Die Verwaltung habe aber den Auftrag erhalten, "die Vertragsgespräche mit dem ausgewählten Kandidaten abzuschließen". Das liest sich so, als sei die Unterschrift noch nicht gleich nach der Entscheidung des Stadtrats möglich gewesen.

Der Neue soll viel Erfahrung mitbringen

Ein paar Informationen über den Favoriten des Stadtrats sind allerdings schon durchgesickert. Es handelt sich um einen Mann, was auch die ansonsten sehr mit Details geizende städtische Pressemitteilung nicht groß zu verheimlichen versucht. Der von der Stadt Auserwählte sei knapp 50, heißt es aus dem Stadtrat, er komme aus Berlin nach Bad Kissingen und bringe von dort bereits viel wertvolle Managementerfahrung mit.

Drei Kandidaten zur Wahl

Zur endgültigen Auswahl in der nichtöffentlichen Sitzung des Stadtrats am Mittwoch standen, dem Vernehmen nach, drei Kandidaten. Ursprünglich für die Stelle beworben haben sollen sich aber nach unbestätigten Angaben aus dem Rathaus an die 50 Frauen und Männer.

Das erste Festival in der Zuständigkeit des wahrscheinlichen Nachfolgers von Tilman Schlömp ist der Kissinger Sommer 2022. Schlömp hat als seinen letzten noch den Kissinger Sommer 2021 geplant. Er hatte die künstlerische Leitung des Festivals ab der Ausgabe 2017 von Gründungsintendantin Kari Kahl-Wolfsjäger übernommen. Sein Vertrag war vom Stadtrat noch unter Oberbürgermeister Kay Blankenburg nach fünf Jahren nicht verlängert worden.

Gesucht hatte die Stadt laut Text der Ausschreibung im vergangenen Jahr eine "strategisch denkende, charismatische und kommunikationsstarke Persönlichkeit", welche "die bisherige erfolgreiche künstlerische Arbeit" fortführt. Mitbringen sollte der neue Intendant nicht nur "herausragende Expertise im Bereich klassischer Musik", sondern auch "mehrjährige Erfahrung in der Führung eines Festivals, Orchesters oder Konzerthauses (mindestens in zweiter Leitungsebene)". Angesichts der städtischen Finanznöte und anhaltender Diskussionen über das Defizit des Festivals nicht weniger wichtig waren der Stadt "fundierte Kenntnisse und Erfahrungen in der Budgetierung und Finanzierung von kulturellen Projekten".

Was bei der Auswahl am Ende wichtiger war, die künstlerische oder die kaufmännische Kompetenz des Kandidaten, dazu gab es am Donnerstag noch keine Informationen. Es liegt aber nahe, dass die Ökonomie eine bedeutende Rolle gespielt hat. In den programmatischen Entscheidungen konnten die Stadträte Tilman Schlömp jedenfalls nicht am Zeug flicken. Siegfried Farkas