Polizeifahrzeuge auf dem Marktplatz: am vergangenen Freitag hat das in Bad Kissingen für großes Aufsehen gesorgt. Jetzt ist klar, dass der Einsatz im Zusammenhang mit mutmaßlichen Drogengeschäften zweier junger Kissinger stand, die Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft Schweinfurt bereits seit einigen Monaten beschäftigen.

Am Dienstag berichteten Polizei und Staatsanwaltschaft unter der Überschrift "Schlag gegen örtliche Rauschgiftszene" von der Festnahme eines 22-Jährigen aus der Kurstadt in Prag. Der Tatverdächtige war laut Bericht der Ermittlungsbehörden in der tschechischen Hauptstadt "auf Grund eines europäischen Haftbefehls" festgenommen worden. Bei dem Polizeieinsatz in Bad Kissingen habe es sich um Durchsuchungen von zwei früheren Wohnungen des Mannes "im Anschluss an seine Festnahme" gehandelt. Der Festgenommene sei verdächtig, "umfangreich mit Haschisch und Marihuana Handel getrieben zu haben.

Ermittlungen laufen weiter

Erste Hinweise darauf, dass der 22-Jährige "im Raum Bad Kissingen einen schwunghaften Handel mit Betäubungsmitteln" betreibe, hätten sich laut Kriminalpolizei Schweinfurt bereits Anfang des Jahres ergeben. Die Ermittlungen von Staatsanwaltschaft und Polizei dazu seien auch jetzt noch nicht abgeschlossen.

Der Fall des 22-Jährigen steht in Verbindung mit der Festnahme eines 24-jährigen Kissingers vor einem halben Jahr, den die Polizei jetzt als "Mittäter" bezeichnet. Wie berichtet, war der am 20. Mai auf der A 7 bei Bad Brückenau "bei einer Beschaffungsfahrt" von der Polizei aus dem Verkehr gezogen und kontrolliert worden. Im Wagen fanden die Beamten damals nach Polizeiangaben "mehr als 1,5 Kilo Haschisch".

Verbindung zu Festnahme im Mai

Noch am selben Tag sei die Wohnung des 24-jährigen Kissingers durchsucht worden. Dabei hätten die Ermittler gut zwei Kilo Marihuana entdeckt, hieß es damals. Darüber hinaus stellten sie Messer und Baseballschläger in der Wohnung des Mannes sicher sowie mehr als 3000 Euro Bargeld. Das stamme "mutmaßlich aus Drogengeschäften" berichteten die Ermittler seinerzeit.

Über die Vorgänge um den 24-Jährigen hatten die Ermittlungsbehörden erst im Juli und da auch erst auf wiederholte Nachfrage informiert. Diese auffallende Zurückhaltung erklärten die Ermittler damals mit "ermittlungstaktischen Gründen".

Europäischer Haftbefehl

Kurz nach der Festnahme des 24-Jährigen habe sich der tatverdächtige 22-Jährige "ins europäische Ausland" abgesetzt, schreiben Polizei und Staatsanwaltschaft jetzt. Er sei seither auf der Flucht gewesen. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Schweinfurt wurde "in der Folge ein europäischer Haftbefehl gegen den 22-Jährigen erlassen", erklären die Ermittler jetzt.

In Zusammenarbeit mit der Kripo Würzburg sei der Tatverdächtige "schließlich in Prag lokalisiert worden", erklären Polizei und Staatsanwaltschaft nun. Kurioserweise hatten Ratsch und Tratsch in Bad Kissingen allerdings bereits im Juli behauptet, dass der junge Mann in die Hauptstadt Tschechiens gebracht worden sei.

Warten auf Auslieferung

In Prag habe die tschechische Polizei den 22-jährigen Tatverdächtigen am vergangenen Freitagmorgen festgenommen. Aktuell sitze der Mann dort in Untersuchungshaft und warte auf seine Auslieferung nach Deutschland. Der Festgenommene sei verdächtig, "umfangreich mit Haschisch und Marihuana Hantel getrieben zu haben." Das Auslieferungsersuchen werde zurzeit von den tschechischen Behörden geprüft. Axel Weihprecht, Leitender Oberstaatsanwalt in Schweinfurt, geht davon aus, dass die Auslieferung auch bewilligt wird. Der im Mai festgenommene 24-Jährige sitzt übrigens seit damals in Untersuchungshaft. Wie der Leitende Oberstaatsanwalt auf Nachfrage erklärte, ist gegen ihn inzwischen vor der Großen Strafkammer am Landgericht Schweinfurt Anklage erhoben worden. Siegfried Farkas