Seit Ende Juli 2020 führt die Kriminalpolizei Schweinfurt in enger Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft Schweinfurt umfangreiche Ermittlungen wegen des Verdachts von schweren Missbrauchsfällen eines zur Tatzeit neun- bis elfjährigen Mädchens durch. Drei Tatverdächtige, darunter auch die Mutter des Kindes, befinden sich inzwischen in Untersuchungshaft, teilte das Polizeipräsidium Unterfranken in einer gemeinsamen Pressemeldung mit der Staatsanwaltschaft Schweinfurt mit.

Tatort Autobahn-Parkplatz

Anlass der Ermittlungen war danach eine Mitteilung eines Lastwagenfahrers, dem am 31. Juli 2020 auf einem Parkplatz an der A70 sexuelle Dienste von einem minderjährigen Mädchen angeboten worden waren. Beamte der Verkehrspolizei Schweinfurt-Werneck hatten damals im Rahmen einer sofort eingeleiteten Fahndung die Minderjährige und den Lebensgefährten ihrer Mutter angetroffen. Da sich bei einer Befragung des Kindes Hinweise auf sexuelle Missbrauchsfälle ergeben hatten, übernahm die Kriminalpolizei Schweinfurt die Ermittlungen.

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Schweinfurt wurde inzwischen gegen die Mutter des Kindes, deren Lebensgefährten und einen weiteren Mann die Untersuchungshaft angeordnet, denen nach aktuellem Ermittlungsstand folgendes vorgeworfen wird: Von Ende 2018 bis Juli 2020 soll der Haupttatverdächtige, der Lebensgefährte der Kindsmutter, in regelmäßigen Abständen und einer Vielzahl von Fällen sexuelle Handlungen an dem in diesem Zeitraum neun- bis elfjährigen Mädchen vorgenommen haben. Die Taten ereigneten sich vorwiegend in der gemeinsamen Wohnung. Zum Teil wurden von den Missbrauchsfällen Bild- und Videoaufnahmen gefertigt. Der Beschuldigte war zudem in Besitz einer Vielzahl von kinderpornografischen Dateien, die er sich offenbar über das Internet verschafft hatte.

In mindestens zwei Fällen soll der Beschuldigte das Kind einem 50-Jährigen, der ebenfalls aus der Region stammt, zur Durchführung von sexuellen Handlungen zugeführt haben. Im Zeitraum vom 26. Juli bis zum 31. Juli 2020 soll der Lebensgefährte das Kind auf der Autobahn Lkw-Fahrern zur Durchführung von sexuellen Handlungen gegen Entgelt angeboten haben. Ein bislang noch unbekannter Täter soll ein entsprechendes Angebot auch angenommen haben.

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Schweinfurt hat ein Richter gegen den Haupttatverdächtigen im August 2020 die Untersuchungshaft unter anderem wegen des dringenden Tatverdachts des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern in mindestens 30 Fällen sowie der Anstiftung zum schweren sexuellen Missbrauch eines Kindes angeordnet.

Ebenfalls in Untersuchungshaft befindet sich die leibliche Mutter des Kindes. Ihr soll seit spätestens Ende 2018 bewusst gewesen sein, dass es regelmäßig zu sexuellen Handlungen ihres Lebensgefährten an ihrer damals neunjährigen Tochter gekommen war, so die Polizei. Da sie die Tathandlungen toleriert haben soll, lautet der Tatvorwurf in diesem Zusammenhang Beihilfe zum schweren sexuellen Missbrauch von Kindern durch Unterlassen.

Nachdem das Mädchen einem 50-Jährigen für sexuelle Zwecke angeboten worden war, kam es den Ermittlungen zufolge zunächst zum Austausch von pornografischen Bildern zwischen dem Mann und dem Kind. Im weiteren Verlauf soll der 50-Jährige in zwei Fällen sexuelle Handlungen mit dem Mädchen durchgeführt haben. Bei den beiden Taten, die sich im Juli 2020 in der Wohnung des Beschuldigten ereignet hatten, soll auch der Lebensgefährte der Mutter zugegen gewesen sein. Der 50-Jährige befindet sich seit September wegen des Verdachts der Verbreitung pornografischer Schriften und sexuellen Missbrauchs von Kindern in zwei Fällen in Untersuchungshaft.

Die Ermittlungen gegen die Inhaftierten sind inzwischen abgeschlossen und der Vorgang wurde der Staatsanwaltschaft Schweinfurt vorgelegt. In Hinblick auf den bislang noch unbekannten Lkw-Fahrer, der auf dem Autobahn-Parkplatz sexuelle Handlungen mit dem Kind vollzogen hatte, dauern die Ermittlungen noch an. pol