Am 20. Mai 2020 befindet sich der 24-Jährige aus Bad Kissingen auf der Rückfahrt von Marburg (Hessen) in die Heimat. Auf der A7, im Bereich des Parkplatzes Volkersberg, kontrolliert ihn die Autobahnpolizei. Die Beamten finden bei ihm 15 Platten Haschisch (Aufschrift: "Ripper Seeds - Zombie Kush"), insgesamt gut 1,5 Kilo mit einem Wirkstoffgehalt von 160 Gramm THC.

Den Stoff hatte er am Tag zuvor offenbar in Frankfurt am Main besorgt. Eine Platte Haschisch hatte der Mann bereits in Marburg bei einem Bekannten gelassen. Vor der Fahrt hatte er zudem noch Cannabis konsumiert, war bei der Sitzung vor Gericht zu erfahren.

Angeklagter hatte zu Hause noch zwei Kilo "Gras"

In Bad Kissingen finden die Polizeiermittler bei der Durchsuchung der Wohnung, die der Mann, nach eigenen Angaben, zusammen mit seiner Verlobten bewohnt, weitere knapp zwei Kilogramm Marihuana ("Gras"), eine Feinwaage, Druckverschlusstütchen, Verpackungsfolie, mehrere Baseballschläger und ein Einhandmesser. Der 24-Jährige wird festgenommen und sitzt seither in Untersuchungshaft.

An diesem Donnerstag begann gegen ihn nun vor dem Landgericht Schweinfurt ein auf drei Tage angesetzter Prozess wegen unerlaubten bewaffneten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge. Das Messer und die Baseballschläger im Bereich der Räume, in denen mutmaßlich die Geschäfte abgewickelt wurden, sieht die Staatsanwaltschaft in der Regel als Waffen an, die bei Streitigkeiten mit der Kundschaft zum Einsatz kommen könnten.

Zum Prozessauftakt legt der Angeklagte ein Teilgeständnis ab, das er verliest. "Ich möchte mich aufrichtig für meine Taten entschuldigen. Ich habe riesige Fehler zu verantworten", so der Mann. In einer Offenheit, die in derlei Verfahren selten ist, erklärt er, dass er seit langem Cannabis in größeren Mengen konsumiere, zwei bis 15 Gramm täglich und "Mitglied in mehreren Cannabisclubs in Europa" sei. Im Februar/März letzten Jahres habe ihn die Corona-Pandemie sehr ängstlich gemacht. "Ich hatte Sorge, künftig kein oder nur verunreinigtes Cannabis zu bekommen." Deshalb habe er sich größere Mengen sichern wollen - aber nicht, um damit Handel zu treiben, sondern nur zu seinem Eigenkonsum.

Große Menge Drogen gekauft: Angeklagter hat eigenwillige Erklärung - auch für seine "Waffen"

"Ich bin finanziell gut situiert", beteuert der Angeklagte. Aufwendungen für Cannabis seien für ihn eine Ausgabe, keine Einnahmequelle. Dann wird er konkret: Was die Polizei als "Schuldnerliste" bezeichne, sei eine Bestellliste für FFP2-Masken, die er aus China bezogen und weiterverkauft habe. Die Baseballschläger seien zum Vergrämen von Tauben, die vor dem Fenster eine Plage darstellten, und das Einhandmesser werde etwa zum Pizza-Schneiden verwendet. Waffen seien dies nicht.

Dass der Angeklagte nach dem Haschischkauf auf der Rückfahrt von Marburg nach Bad Kissingen von der Polizei kontrolliert wurde, war kein Zufall. Die Ermittler hatten ihn als mutmaßlichen Dealer längst auf dem Schirm: Seine Telefongespräche wurden seit April überwacht, sagt ein Schweinfurter Kripobeamter als Zeuge aus. Seine Beschaffungsfahrt nach Frankfurt sei komplett polizeiüberwacht gewesen. Bei ihm zu Hause habe man neben den zwei Kilo Marihuana auch all das gefunden, was man bei einem Dealer so vermutet: Feinwaage, Druckverschlusstütchen, eine Liste, aber auch einen Geldbetrag von rund 3000 Euro.

Der Angeklagte sei "sehr konspirativ" gewesen. Die Telefonüberwachung habe keine Hinweise auf Dealer-Geschäfte ergeben. Er habe aber einen Messengerdienst genutzt, der in der Szene beliebt sei, weil er als sicher gelte und Nachrichten nach kurzer Zeit gelöscht würden. Als "Geschäftsmann, geld- und aktienfixiert" bezeichnet der Ermittler den Angeklagten. Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt. Stefan Sauer