Schweinfurt im Jahr 2050 so trocken wie Afrikas Savannen? Katastrophen wie im Ahrtal sind keine Seltenheit? Das düstere Bild einer unbeherrschbaren Heißzeit zeichnete Hans-Josef Fell, ehemaliger Bundestagsabgeordneter und Präsident der Energy Watch-Group, der auf Einladung der Energie-Initiative Rhön und Grabfeld in der Tenne in Bad Königshofen einen Vortrag zum aktuellen Thema "Energie" hielt. Die Zuhörer waren vor Ort oder online zugeschaltet.

"Sonnenstrahlen können nicht teurer werden, um Wind und Sonne kann man keinen Krieg führen", sagte Fell. Er frage sich, wie sich Deutschland derartig in eine energetische Abhängigkeit von einem autokratischen Staat begeben könne. Er befürwortet einen sofortigen Boykott der fossilen Rohstoffe aus Russland. Energieeinsparungen, Verzicht auf Urlaubsflüge, schneller Ausbau der erneuerbaren Energien, Tempolimit und Sonntagsfahrverbote würden dies möglich machen, sagt er. "Wir nehmen momentan Tote in Kauf, um Heizungen und Autos zu bedienen", so Fell.

Windräder für Rhön gefordert

Ein Ende der Genehmigungsblockade und der Ausschreibepraxis für erneuerbare Energien fordert der Politiker, die Abschaffung der 10H-Regelung in Bayern und Windräder in der Rhön, ausgenommen den Gipfel des Kreuzbergs, die lange Rhön und die Kernzone des Biosphärenreservats. "Die Landräte Thomas Habermann und Thomas Bold haben sich mitschuldig gemacht und den Ausbau der erneuerbaren Energien behindert", sagte Fell. Während die Erneuerbaren immer günstiger werden, gebe es steigende Preise für Steinkohle, Erdgas und Erdöl nicht erst seit dem Ukrainekrieg. Schon 2010 sagte eine Bundeswehrstudie knappe Ressourcen und sicherheitspolitische Folgen voraus. Jetzt sehe man die Befürchtungen bestätigt.

Der Illusion, durch die beschlossenen Maßnahmen das 1,5 Grad-Ziel der Erderwärmung zu erreichen, erteilte Fell eine klare Absage. Schon jetzt seien 1,2 Grad erreicht, bis 2045 werden noch weitere CO2-Emissionen zugelassen. Das Überschreiten des 1,5 Grad-Ziels sieht er schon für das Jahr 2030. Atomkraftwerke länger laufen lassen? Das bringe nichts, meinte Fell, denn notwendige Reparaturen und Bestellungen von Uran (auch meistens aus Russland) wurden wegen der Abschalttermine nicht getätigt.

Die Land- und Forstwirtschaft könne einen erheblichen Teil zur Bindung von CO2 leisten, informierte er, durch Biolandbau, artgerechte Tierhaltung, Begrünung und Aufforstung. Abfall und Klärschlamm sollten zu Biokohle verarbeitet werden. So könnte man das Ziel erreichen, 100 Prozent des Energiebedarfs bis 2030 aus Wind, Sonne, Biomasse und Wasserkraft zu erzeugen. Er forderte ein Gesamtkonzept für Strom, Wärme und Transport. Für den Landkreis Bad Kissingen rechnete er vor, wie durch die Steigerung der Windkraft, der PV-Anlagen und der Bioenergieanlagen Energieautarkie erreicht werden kann, mit jährlichen Investitionen plus Brennstoffkosten von rund 190 Millionen Euro, wenn zehn Jahre lang ausgebaut wird. Zu teuer? Bereits 2005 habe Bad Kissingen für Energie 339 Millionen Euro ausgegeben. Als gutes Beispiel nannte Fell Großbardorf, das 475 Prozent des Eigenbedarfs an Strom und 90 Prozent der Wärme mit einem Energiemix produziere. Energieerzeugung sollte in Bürgerhand bleiben, Genossenschaften sorgen dafür, dass die Wertschöpfung im Ort bleibt. Es gebe viele positive Beispiele, wie Solarmodule auf Ackerflächen, die gleichzeitig beschatten und Schutz für Kleintiere geben, PV-Balkon- und Fassadenmodule, moderne, flexible Biogasanlagen, die keine Mais-Monokultur verursachen oder moderne Wasserkraftwerke.

Der neuen Regierung stellte er ein gutes Zeugnis aus, zumindest habe sie den Willen zur Veränderung. Zum Beispiel müsse dringend abgeschafft werden, dass jeder Privatmann, der sich eine kleine PV-Anlage aufs Dach baut, automatisch zum Unternehmer wird. Für viele Selbstständige sei das ein Hinderungsgrund. Allerdings müsse Umweltminister Habeck mit den Beamten arbeiten, die das Merkel-Tempo gewöhnt seien. Fell riet dazu, sich zusammenzuschließen und die bürokratischen Verhinderer unter Druck zu setzen. "Sie haben mit Schuld daran, dass Putin diesen Krieg führen kann."

Hinweis der Redaktion: Die Autorin dieses Textes, Regina Vossenkaul, ist Schriftführerin der Energie-Initiative Rhön und Grabfeld.