Auch eine historisch begründete Kurstadt wie Bad Kissingen braucht im Lauf der Jahrzehnte moderne Lösungen, um im Wettbewerb mit anderen mithalten zu können. Das gilt besonders für das Kurgebiet, das in Bad Kissingen lange Zeit als unantastbar für neue bauplanerische Ziele galt, zumindest wenn diese Absichten nicht vorwiegend der Unterbringung und Versorgung der Gäste dienten.

So waren beispielsweise das Dauerwohnen und die Nutzung von Flächen für behördliche Zwecke dort lange Zeit nicht möglich. Das hat sich inzwischen geändert. Der Bebauungsplan für das "Sondergebiet Kurgebiet" wurde 1977 aufgestellt und blieb zunächst Jahrzehnte lang unberührt. Seit 2006 erfolgten dann mehrere Änderungen, die die Neuzeit für das rund 88 Hektar große Areal notwendig machte, welches laut Definition der Stadt den "zentralen Gastbereich und die gewachsenen Strukturen zur Unterbringung und Versorgung der Gäste" umfasst.

Nach Erweiterung mehr Mitarbeiter im Haus

Mit der 4. Bebauungsplanänderung 2016 wurde zum Beispiel festgelegt, dass Dauerwohnen in "untergeordnetem Maß" zulässig wird. "Denn die Hotels haben Probleme, Fachpersonal zu finden", nannte Bauamtsleiterin Christine Schwind im Ausschuss als Begründung. "Und das Hotel Cup Vitalis tut jetzt etwas dagegen."

Aktuell ist nun also die 6. Bebauungsplanänderung bezüglich des Bauprojekts Cup Vitalis bei der Stadt in Arbeit. Denn das Hotel erweitert gerade seine Gebäude-Kapazitäten. Dies hat auch zur Folge, dass künftig mehr Mitarbeiter im täglichen Ablauf des Hotelgeschäfts gebraucht werden.

Der Betreiber des Hotels möchte nun seinem Personal in dem etwas weiter entfernt davon gelegenen Gebäude Kurhausstraße 17 etliche Wohnungen zur Verfügung stellen. Um all dies zu ermöglichen, muss die Stadt den Bebauungsplan in Teilbereichen "vorhabenbezogen" ändern.

Was die Kurhausstraße 17 angeht, sollen das Hauptgebäude aus dem Jahr 1850 und der Anbau im hinteren Bereich des Grundstückes in ihrer äußeren Gestalt unberührt bleiben, heißt es in den städtischen Planerläuterungen. Auch die Zimmer werden, wenn überhaupt, nur kleineren Umbaumaßnahmen unterzogen. Die Nutzungsansprüche, die an die Wohnungen für Personal gestellt werden, seien im Gebäudebestand bereits erfüllt, heißt es weiter. Es werden keine zusätzlichen Zimmer oder Wohnungen ausgebaut.

Weil das Dauerwohnen also jetzt in bestimmtem Umfang (25 Prozent der Gesamtgeschossfläche) auch im Bad Kissinger Kurgebiet zulässig ist, hat der Betreiber des Cup Vitalis mit seinem Anliegen in der Kurhausstraße offenbar gute Chancen. Denn die beiden Areale werden, obwohl relativ weit voneinander entfernt, schlichtweg zusammengerechnet, was das Landratsamt übrigens in seiner Stellungnahme kritisch sieht. Die Gesamtgeschossfläche des Hotels plus des Gebäudes in der Kurhausstraße umfasst, laut Bebauungsplan, rund 29 670 Quadratmeter. Zu Wohnzwecken als Betriebswohnungen sollen davon insgesamt 660 Quadratmeter ausgewiesen werden. Dies entspräche dann lediglich einem Anteil von 2,2 Prozent Dauerwohnen, sagte Bauamtsleiterin Schwind im Ausschuss.

Am 7. Oktober 2020 hatte der Bauausschuss beschlossen, die 6. Änderung des Bebauungsplans "vorhabenbezogen" aufzustellen. In der Zeit von 7. Dezember 2020 bis 22. Januar 2021 lagen die Pläne hierzu im Rathaus aus. In der Sitzung am Mittwoch ging's auch um die Stellungnahmen der Öffentlichkeit und der Träger öffentlicher Belange. Viel war es nicht, was Schwind vortrug. Der Landesbund für Vogelschutz hatte zum Beispiel kritisiert, dass wegen der Hotelerweiterung Bäume gerodet wurden und hinterfragte, ob es eine artenschutzrechtliche Prüfung gegeben habe. Diese Prüfung sei im Vorfeld der Baugenehmigung vorgenommen und eingereicht worden, sagte Schwind.

Lob kam von der Regierung von Unterfranken

Zudem sollen gerodete Bäume mit einem Stammdurchmesser von mindestens 25 Zentimetern später durch Neuanpflanzungen ersetzt werden, hieß es. Das Landesamt für Denkmalpflege wies auf die Meldung von möglichen Bodendenkmälern hin. Interessant ist, dass beispielsweise die Regierung von Unterfranken in ihrem Statement darauf hinweist, dass sie die Planungen begrüßt, die den "Ausbau des Gesundheitstourismus" zum Ziel hätten und die "Sonderfunktion der Region" in Sachen Wellness und Kur stützten.

Insgesamt waren 28 Stellungnahmen eingegangen, von denen 20 keine Einwände hatten. Die anderen Träger öffentlicher Belange machten Anmerkungen, die der Bauausschuss zur Kenntnis nahm.

Gültigkeit bekommt die 6. Bebauungsplanänderung des "Sondergebiets Kurgebiet" erst, wenn der aktuelle Stand der Dinge auch im Stadtrat abgesegnet ist. Nach Angaben von Pressesprecher Thomas Hack könnte grünes Licht dafür schon in der September-Sitzung erfolgen.

Ein Artikel von Isolde Krapf