Gut möglich, dass am Sonntag, 24. Oktober, ein Stern aufgegangen ist. Mit erstaunlich tiefer, voller Stimme sang die 26-jährige Katharina Lamberts den Queen-Welthit "Bohemian Rhapsody" in der Fernsehsendung "Voice Of Germany" - und alle vier Promi-Juroren der "Blind Auditions" drückten den Buzzer-Knopf, um zu signalisieren, dass sie Kati in ihrem Team haben wollen. Sie entschied sich, mit Popsänger Nico Santos als Coach in die nächste Runde zu gehen.

Erst am letzten Tag der Frist, Ende April, bewarb sich Lamberts. "Ich hatte da so eine Idee", erzählt sie. "Also hab ich mich mit meiner Gitarre auf den Badezimmerboden gesetzt, Bohemian Rhapsody gesungen und das mit dem Handy gefilmt." Schon zwei Tage später meldete sich die Produktionsfirma. Am folgenden Mai-Wochenende reiste sie nach Berlin zum Casting für die beliebte Unterhaltungsshow.

Unerfahren ins Fernsehen

"Das war sehr aufregend", sagt sie. "Ich hatte bei so etwas noch nie mitgemacht. Ich bin eher unerfahren." In der Band der Karlstadter Realschule war sie früher dabei, an den Bandcamps des Bezirks Unterfranken hat sie vor acht bis zehn Jahren mehrfach teilgenommen und in den vergangenen Jahren ab und zu bei Hochzeiten gesungen. "Vielleicht 20 Auftritte" habe sie bisher gespielt, "alles zusammengerechnet".

Bei "Voice Of Germany" treten üblicherweise durchaus semi- bis vollprofessionelle Musiker auf. Der Gemündener Andreas Kümmert kam schon vor seinem Sieg im Jahr 2013 auf durchschnittlich zehn Auftritte pro Monat. Kati Lamberts sagt: "Ich habe früher ein paarmal überlegt, in Bands einzusteigen, wollte sogar Gesang studieren." Aber: "Ich habe mich auf der Bühne nicht wohlgefühlt, hatte da gewisse Blockaden."

Das sei bei den Fernsehaufzeichnungen ganz anders gewesen. "Ich war überhaupt nicht aufgeregt, ich habe mich die ganze Zeit nur gefreut." Woher kommt dieser Wandel? Lamberts sagt: "Vieles in den letzten Jahren hat mich darauf vorbereitet."

Bald wieder raus in die Welt

Nach dem Realschulabschluss hat sie in Würzburg das Fachabi gemacht und in Darmstadt Online-Kommunikation studiert. So kam sie an Jobs, bei denen sie Urlaub, Arbeit und Social-Media-Präsenz verbinden konnte. Sie war auf Fuerteventura, in Südfrankreich, in Spanien. Dort hat sie den Online-Auftritt eines Surfcamps betreut und ist selbst viel gesurft. Erst seit Anfang des Jahres lebt sie wieder in Karlstadt.

In der Pandemie kam sie zurück in die Heimat, bewohnt eine Wohnung im Haus der Eltern und kümmert sich von dort aus ums Online-Marketing eines IT-Startups. "Ich treibe viel Sport, reite gern mit meiner Mama aus und genieße es, die Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen."

Sie sagt aber auch: "Ich werde nicht für immer bleiben." Bald soll es wieder in die Welt hinaus gehen. Vielleicht sogar als Musikerin. "Mein Bauchgefühl sagt mir, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Ich hoffe, dass ich in Zukunft vielleicht Musik zum Beruf machen kann."

Das Erlebnis habe ihr Selbstvertrauen gestärkt. "Ich war in der Sendung ganz bestimmt die am wenigsten Vorbereitete." Trotzdem sei das Feedback der Juroren hervorragend gewesen. Und von der Arbeit mit den Top-Profis im Team habe sie viel gelernt. "Ich hoffe, man sieht im weiteren Verlauf, dass ich mich entwickle." Ab 11. November geht es in die "Battles", direkte Duelle zwischen zwei Sängern oder Sängerinnen. Die Sendungen sind schon aufgezeichnet, aber Kati Lamberts darf nicht verraten, ob sie weitergekommen ist. Ein Indiz gibt es doch: Sie versprüht Zuversicht und Abenteuerlust. Markus Rill