Vor vier Wochen scheiterte der Interessenausgleich zwischen Betriebsrat, Gewerkschaft IG Metall und Remog-Geschäftsführung. Die Gewerkschaft vertrat daraufhin die Ansicht, dass man, laut Betriebsverfassungsgesetz, nun gemeinsam einen neuen Weg suchen müsse. Geschäftsführer Wilfried Müller kündigte jedoch kurz darauf die Schließung der Münnerstädter Firma für Luftfahrttechnik und hydraulische Baugruppen im Herbst 2019 an. Ist das Schicksal des Remog-Standorts im Fränkischen nun besiegelt, oder besteht noch die Chance, eine gemeinsame Lösung zu erarbeiten? Mit drei Fragen, die die Redaktion sowohl an die Geschäftsführung, als auch an die Gewerkschaft - Jens Öser von der IG Metall - und den Betriebsratsvorsitzenden Edgar Schneider stellte, versucht die Redaktion eine Annäherung an das komplexe Thema.

Gibt es, Ihrer Ansicht nach, noch eine Möglichkeit, den Remog-Standort Münnerstadt zu retten? Wenn ja, welche wäre das?

Wilfried Müller:Wir stehen am Anfang der Gespräche im Rahmen der Unterrichtung des Betriebsrates gemäß Paragraf 17, Absatz 2 des Kündigungsschutzgesetzes, und der Aufnahme von Verhandlungen über einen Interessenausgleich mit Sozialplan für die geplante Betriebsschließung. Unter diesen Voraussetzungen ist uns eine Aussage zu diesem Thema leider nicht möglich.
Edgar Schneider und Jens Öser: Davon sind wir grundsätzlich überzeugt. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Schwierig wird es, wenn es bereits am Willen fehlt. Herr Müller müsste viel offensiver auf die Suche nach einem Investor - aber ohne Bedingungen - gehen und sich um zusätzliche Aufträge und vorliegende Angebote kümmern. Das ist aber nicht zu erkennen. Nach unserem Kenntnisstand sollen in naher Zukunft Maschinen und Aufträge nach Polen verlagert werden. Dies wäre aus unserer Sicht nicht notwendig, wenn man Produktions- und Fertigungsabläufe optimieren würde. Hierzu hat der Betriebsrat die Geschäftsleitung schon mehrfach aufgefordert, eine Expertengruppe zur Produktions- und Fertigungsoptimierung zu bilden. Herr Müller kann gut erklären, was nicht geht, aber nicht wie es geht. Für viele Unternehmer wäre es eine persönliche Niederlage, wenn sie einen Standort schließen müssten.

Wie schätzen Sie die Belegschaft ein? Hat sie in den Krisen vergangener Jahre zur Firma Remog gestanden oder gibt es da etwas zu bemängeln?

Müller:Die Loyalität der Belegschaft in Krisenzeiten war immer vorhanden. Leider hat der Betriebsrat in diesen Situationen keinen positiven Beitrag geleistet. Schneider und Öser: Da gibt es nichts zu bemängeln. Viele Metallbetriebe würden sich über unsere Belegschaft, mit ihrem sehr hohen Facharbeiter-Anteil, ihrem Knowhow, ihrer Einsatzbereitschaft und ihrer Loyalität zum Unternehmen freuen. Die Beschäftigten von Remog haben in der Vergangenheit immer zum Unternehmen gestanden und tun das heute noch - und das trotz mehrerer Jahre Kurzarbeit, hoher Einkommenseinbußen und unsicherer Zukunftsbedingungen.

Die Belegschaft hat in Krisenzeiten und Phasen der Kurzarbeit auf die Strategie der Geschäftsleitung vertraut und auf eine Trendwende gehofft. Es gibt kaum eine Belegschaft, die so offensiv für ihr Unternehmen wirbt. "Wir sind Remog - wir freuen uns auf Ihre Aufträge", lautete unsere Kampagne im vergangenen Sommer. Das sagt doch alles. Nachdem wir für Aufträge werben, werben wir nun auch für einen potenziellen Investor. Der Firmenleitung wurde vom Betriebsrat der Vorschlag unterbreitet, mit einer Unternehmensberatung Kontakt aufzunehmen, um einen geeigneten Nachfolger zu finden. Der Vorschlag zur Kontaktaufnahme, wurde von der Geschäftsleitung abgelehnt. Unser Motto lautet jetzt: "Wir sind Remog - wir suchen einen Investor".

Es gibt von außen immer wieder Gerüchte, die Remog-Geschäftsführung habe in Münnerstadt bereits in der Vergangenheit in gleichem Umfang Mitarbeiter abgebaut, wie sie bei der Verwaltungs-GmbH-Schwester im polnischen Mielec aufbaute. Ist da etwas dran?

Müller: 90 Prozent des Umsatzes von Remog Polska wird mit Produkten erzielt, die noch nie von Remog Münnerstadt gefertigt wurden. Remog Münnerstadt hat aus Preisgründen in den letzten acht Jahren kontinuierlich Aufträge verloren. Diese wurden von den Kunden zu anderen, preisgünstigeren Lieferanten im In- und Ausland verlagert. Schneider und Öser: Ein Blick auf die Beschäftigungsentwicklung in beiden Betrieben könnte einen Zusammenhang nahelegen. Sicher ist, dass bei Remog Polska Subventionen der Europäischen Union (EU) bezogen werden. Diese Subventionen gibt es aber nur für kleine und mittelständische Betriebe bis zu 249 Beschäftigten. Man kann ruhig die Förderinstrumente der EU und der EU-Staaten nutzen, sollte aber dann den eigenen Standort in Münnerstadt, der die Grundlage für das Werk in Polen war, nicht vernachlässigen.                    Isolde Krapf