Zuletzt Anfang Oktober sorgte der Bahnübergang in der Fuldaer Straße für Aufregung unter Verkehrsteilnehmern. Für eineinhalb Stunden öffneten sich die für die Durchfahrt eines Zuges geschlossenen Bahnschranken nicht mehr. Die Autos stauten sich bis in die Weihertorstraße zurück. Beamte der Polizeiinspektion Hammelburg mussten daraufhin den Verkehr regeln.

Bereits wenige Wochen vorher hatte es eine ähnliche Panne gegeben. Dabei war es gelungen, die blockierten Schranken schneller wieder flott zu kriegen. Zufällig befand sich nämlich da ein Wartungsteam in der Nähe, welches schnell eingreifen konnte. Trotzdem ärgerten sich viele Autofahrer. Dabei kann man noch froh sein, wenn es bei technischen Störungen bleibt.

Denn den Anforderungen an die moderne Sicherungstechnik genügt die Saaletalbahn längst nicht mehr. Die Strecke reiht sich offenbar in jene Problemfälle ein, denen das Fernsehmagazin Report kürzlich einen Beitrag widmete. Laut einer internen Befragung bei der Bahn beklagen sich demnach Mitarbeiter über den Zustand vieler Installationen.

Bundesweiter Investitionsstau

Für veraltete Anlagen, so Report weiter, gebe es häufig keine Ersatzteile mehr, und durch Personalmangel sei ein Verzug bei der Wartung zu beklagen. Letztlich gerate sogar die Sicherheit der Fahrgäste in Gefahr. Insgesamt gehen Experten von einem bundesweiten Investitionsstau in Höhe von mehreren Milliarden Euro aus.

Was das heißt, ist im historisch anmutenden Stellwerk im Bahnhof von Hammelburg zu sehen. Wie seit über 100 Jahren üblich, stellt der Fahrdienstleiter Signale und Weichen noch per Hand über riesige Hebel und Drahtzüge. Die Anzeige von Signalen an der Strecke kann auf diese Weise bis auf eine Entfernung von 1800 Metern geändert werden. Der Streckenabschnitt, für den der Fahrdienstleiter in seinem Stellwerk Verantwortung trägt, ist hier vergleichsweise klein. Hinzu kommt, dass der Stellwerkmitarbeiter nach draußen schauen muss, ob das Gleis, in das ein Zug fahren soll, auch wirklich frei ist.

2021 ist Besserung in Sicht. Im Rahmen der geplanten Modernisierung der Saaletalbahn sollen dann zwischen Gemünden und Bad Kissingen die vorhandenen drei mechanischen Stellwerke als wohl letzte in ganz Unterfranken durch elektronische Stellwerke (ESTW) ersetzt werden. Anderswo ist dieser Schritt bereits vollzogen. In Verbindung mit der Umstellung auf die ESTW-Technik muss auch die Sicherungstechnik der vier Bahnübergänge (BÜ) in Elfershausen-Trimberg, Westheim, Hammelburg und Gräfendorf angepasst werden.

Bedienung per Mausklick

Dem Vernehmen nach wird am Bahnhof in Hammelburg ein eigenes kleines Gebäude errichtet. Dies ist erforderlich, weil das Bahnhofsgebäude inzwischen in privater Hand ist. Beim elektronischen Stellwerk werden künftig moderne Lichtsignale und Weichen mit Computertechnik per Mausklick gestellt. Fahrdienstleiter können so größere regionale Bereiche steuern und überwachen. Viele Fahrdienstleiter arbeiten inzwischen in bundesweit sieben Betriebszentralen, wodurch ein hoher Automatisierungsgrad in der Betriebsführung erreicht wird.

Verbessert wird auf diese Weise auch die Sicherheit an den Bahnübergangen. Mit der künftigen Situation in Hammelburg hatte sich der Stadtrat bereits befasst. Der Übergang Westheim erhält statt des bisherigen Blinklichts nun Halbschranken und eine Lichtzeichenanlage. Bei einer Lichtzeichenanlage werden die Straßenverkehrsteilnehmer, ähnlich wie bei einer Ampel, mit Gelblicht und anschließendem Stand-Rotlicht auf das Herannahen des Zuges und das Schließen der Schranken hingewiesen.

Ausschreibungen laufen

In Hammelburg bekommt der Bahnübergang eine elektronisch gesteuerte Schranke mit einer modernen Sicherung. Zur Verkürzung des Fußweges zum Bahnhof wird von der Fuldaer zur Straße "Am Bahnhof" ein von der Fahrbahn abgesetzter Fußgänger-Überweg gebaut. Dieser erhält eine separate Fußwegschranke. Als akustisches Signal kündigt ein Klingelzeichen das Schrankenschließen an. Es ertönt nachts leiser. Um die Sicherheit zu erhöhen, werden Lkw zukünftig nicht mehr von der Fuldaer Straße in die parallel zu den Gleisen verlaufende Straße "Am Bahnhof" einfahren dürfen. Die Arbeiten am elektronischen Stellwerk sollen bis Jahresende 2021 abgeschlossen werden. Die Ausschreibungen für die Arbeiten sind offenbar noch nicht ganz durch. Die Bahn nennt noch keine Kosten.Wolfgang Dünnebier