Der Wildpark in Gersfeld wird heuer 50 Jahre alt. Der Start ins Jubiläumsjahr wird allerdings gerade von einem Unglück überschattet. Eine seiner Attraktionen und wohl eines der begehrtesten Fotomotive, der Brunft-Hirsch im Rotwildgehege, ist tot. Der Chef der Rotwildherde mit seinem imposanten Geweih und seinem unüberhörbaren Röhren in der Brunftzeit ist vor wenigen Tagen nach einem Kampf mit einem jüngeren Rivalen verendet.

Tödlicher Ausgang selten

Auseinandersetzungen um die Rangordnung bei Hirschen sind nicht ungewöhnlich. In seltenen Fällen hat das Forkeln, wie es in der Fachsprache genannt wird, wenn zwei Hirsche sich gegenseitig mit dem Geweih attackieren, einen tödlichen Ausgang, weiß Wildparkleiter Dieter Kircher.

In diesem Fall seien gleich mehrere unglückliche Zufälle zusammengetroffen. Zum einen hätte es gar nicht zum Aufeinandertreffen der beiden Tiere kommen müssen. Der elf Jahre alte Leithirsch, die Tiere werden etwa 18 Jahre alt, war nämlich bereits verkauft, so Kircher. In einem Wildpark in Österreich hätte er für eine Blutauffrischung in der dortigen Herde sorgen sollen. Die vereinbarten 3000 Euro seien ein guter Preis gewesen, so Kircher.

Doch wegen Corona waren die Grenzen geschlossen, der Umzug des Tieres nach Österreich musste aufgeschoben werden. Gleichzeitig war aber schon ein Junghirsch aus Thüringen als Nachfolger angeschafft worden. Zunächst seien die beiden männlichen Tiere in der Herde mit derzeit acht weiblichen Alttieren und fünf Kälbern miteinander klargekommen und es habe keine Probleme gegeben. Die Rangordnung sei klar gewesen: Der ältere Hirsch war der stärkere, der jüngere habe das akzeptieren müssen.

Mit Geweih im Zaun verheddert

Das Unglück begann, als sich das Alttier mit seinem Geweih im Zaun verhedderte. Der Wildparkleiter musste ihn betäuben, um den Draht zu entfernen. Man habe den Hirsch auf einen Hänger gelegt, um ihn aufwachen zu lassen, bevor er zur Herde zurückkehren durfte. Möglicherweise, so Kircher, habe er sich dabei "verlegen". Er habe sich wohl einen Vorderlauf verstaucht und sei gehumpelt.

Junghirsch greift an

"Das hat der Kollege dann mitgekriegt und ausgenutzt", so der Leiter des Wildparks. Der Junghirsch habe wohl gemerkt, dass der Leithirsch schlecht ausweichen konnte und ihn dann "geforkelt", wobei er ihn tödlich verletzt habe.

Er selbst habe den Leithirsch noch wenige Minuten vorher am Hang stehen sehen. Kurz darauf sei er von Besuchern, die den Kampf beobachtet hätten, alarmiert worden. "Als ich hingerannt bin, war es aber schon zu spät." Das Tier war nicht mehr zu retten.

Natürlich bedauert man den Vorfall im Wildpark. Schließlich sei der Hirsch nicht nur bei den alljährlichen Rotwildwochen ein Aushängeschild gewesen. Seine Rolle soll nun der junge Hirsch übernehmen, "aber nur, wenn er brav ist", so Wildparkleiter Kircher.

Wer den jungen Hirsch sehen will, muss nicht bis zum Wochenende vom 15. bis 17. Juli warten, wenn das 50-jährige Bestehen des Wildparks gefeiert wird. Der Wildpark ist aktuell täglich von 10 bis 16 Uhr geöffnet.

Orkan beschädigt Zäune und Gehege

Neben dem Vorfall mit dem Brunfthirsch beschäftigt Kircher aktuell ein weiteres Problem. Der Orkan in der Nacht zum Freitag hat auch den Wildpark getroffen. Durch umstürzende Bäume sind Zäune und Gehege beschädigt worden und müssen nun repariert werden. Auch in den Gehegen, so Kircher, habe der Wind Bäume umgeworfen. Aber er hat auch eine erfreuliche Nachricht: Tiere seien dabei glücklicherweise nicht zu Schaden gekommen. Thomas Pfeuffer