Die Wege zum Impfzentrum nach Bad Kissingen sind für manche Senioren, zum Beispiel aus dem Bad Brückenauer Bereich oder auch aus dem östlichen Landkreis, recht weit. Da muss man auf Verwandte zählen können, die einen im Auto mitnehmen, damit der Impftermin im Tattersall nicht platzt. Und was ist, wenn man im Alter kaum noch mobil ist oder gar im Bett liegen muss? Seit längerem haben die fürs Impfen Verantwortlichen im Landkreis dieses Problem im Blick. Jetzt zeichnet sich eine Lösung ab.

Am 10. März startet der Landkreis in der Marktgemeinde Maßbach nun einen Testlauf vor Ort: Bettlägerige Menschen sollen zu Hause von einem Impfteam versorgt werden, ist dabei die Überlegung. Andere Personen, die nur noch wenig mobil sind, zumindest aber noch kurze Strecken im Fahrzeug überwinden können, sollen an einem zentralen Ort, beispielsweise in einer Arztpraxis, geimpft werden, so die Idee dieser "Impfstrategie für immobile Menschen vor Ort".

650 Menschen mit mobilen Teams impfen

Das Landratsamt Bad Kissingen hatte im Februar über die ambulanten Pflegedienste, Tagespflegeeinrichtungen sowie die Gemeinden im Landkreis Bad Kissingen abgefragt, welche Personen in den 26 Kommunen das zentrale Impfzentrum in Bad Kissingen nicht erreichen können, teilt Pressesprecherin Nathalie Bachmann am Mittwoch mit.

Bislang seien über diese Erhebung rund 500 Personen registriert worden. Davon sind die Hälfte Menschen, die im Bett liegen und zu Hause geimpft werden müssen. Hinzu kommen, nach Bachmanns Angaben, weitere 150 Personen. Das sind Menschen in Heimen, die aus verschiedenen Gründen noch keine Erst- und/oder Zweitimpfung haben und impfwillig sind. Insgesamt müssen also im Landkreis 650 Personen vor Ort geimpft werden. Die ersten Termine für mobile Teams in den 26 Kommunen werden gerade organisiert, sagt Bachmann und bestätigt den Testlauf für den Landkreis am 10. März in Maßbach. Dort werde zunächst zentral in einer Arztpraxis geimpft, die sozusagen als Außenstelle des Impfzentrums fungiert. Menschen, die ans Bett gefesselt sind, werden vom Landratsamt einzeln kontaktiert und der Impftermin wird vereinbart.

Momentan sei alles noch am Werden, sagt Maßbachs Bürgermeister Matthias Klement im Gespräch mit dieser Redaktion. Rannungen und Thundorf, die beiden anderen Kommunen der Verwaltungsgemeinschaft Maßbach, wollen sich auch an dem Testlauf in einer Woche beteiligen, weiß Klement. Im Markt Maßbach gibt es, laut Bürgermeister, 35 bis 40 Personen, die eingeschränkt mobil sind.

Für die Gemeinde Rannungen hat Bürgermeister Fridolin Zehner die Zahlen noch nicht parat, während Thundorfs Bürgermeisterin Judith Dekant schon durchgezählt hat (drei bis fünf Personen). Dass diese Anzahl so klein ist, schreibt die Bürgermeisterin dem großen Zusammenhalt der Bürger in Thundorf, Theinfeld und Rothhausen zu.

Da hätten sich Angehörige oder Nachbarn rührig um die für Senioren anstehenden Impfungen gekümmert. Auch der Thundorfer Ortsverband der Malteser sei sehr aktiv gewesen, sagt Dekant. Die Mitglieder hätten zum Beispiel jeden Haushalt mit Senioren angeschrieben und Hilfe beim Registrieren oder beim Transport ins Impfzentrum angeboten. Falls notwendig, würden die Malteser nun auch die fünf wenig mobilen Seniorinnen und Senioren aus Thundorf zum Impfen nach Maßbach fahren, ist sich Dekant sicher.

"Das Problem dabei ist der Transport des Impfstoffs", sagt der ärztliche Leiter des Impfzentrums, Dr. Ralph Brath in Bezug auf das Impfen in den einzelnen Kommunen.

Denn für die eher betagten Menschen komme nur der Biontech-Impfstoff in Frage, der allerdings eine spezielle Kühlung benötigt. Bislang sei der Transport dieser Impfdosen vom Impfzentrum aus zu den Personen, die geimpft werden sollen, jedoch nur auf kleinen Strecken und über einen kurzen Zeitraum erlaubt gewesen.

Nach einer jüngeren Novellierung gelte der Biontech-Impfstoff aber inzwischen als "sehr stabil", sagt Brath. Man dürfe ihn nun auf einer bestimmten kurzen Wegstrecke transportieren und er könne in einem Zeitraum bis zu sechs Stunden verimpft werden. Deshalb sieht der Versorgungsarzt dem Testlauf in Maßbach positiv entgegen. "Man muss halt alles sehr gut vorbereiten." Der Impfstoff sollte an einem zentralen Ort, beispielsweise in einer Arztpraxis oder in einer Tagespflegeeinrichtung, mit der Kochsalzlösung aufbereitet und an Ort und Stelle verimpft werden, sagt Brath. Zu den Bettlägerigen müsse man freilich hingehen, doch auch hier würden räumlich "möglichst nahe" Lösungen angestrebt. Isolde Krapf