In den Kommunen des Landkreises haben sich bislang 1025 Menschen nach ihrer Flucht aus der Ukraine angemeldet, sagte Landrat Thomas Bold. Bei einem Pressegespräch fasste er zusammen, wie die Unterstützung für die Geflüchteten bisher im Landkreis angelaufen ist. Die meisten Ukrainerinnen und Ukrainer meldeten sich in den vier Städten an. So kamen in Bad Kissingen 367 Menschen unter, in Bad Brückenau 112, in Münnerstadt 86 und in Hammelburg 75. Nach der Anmeldung in den Kommunen können die Ankömmlinge dann beim Landratsamt Anträge auf Leistungen nach dem Asylbewerbergesetz stellen. Bislang wurden 450 solcher Anträge gestellt.

Anlaufstelle mit 20 Plätzen eingerichtet

Um die Wartezeiten zu verkürzen, wurde im Foyer eine Anlaufstelle mit 20 Plätzen eingerichtet, so Pressesprecherin Nathalie Bachmann. Dort können die Geflüchteten ohne Termin vorbeikommen.

Unabhängig von der Meldung in einer Kommune und der Antragstellung ist die Registrierung beim Landratsamt. Von den 1025 im Landkreis angemeldeten Personen sind, nach Bolds Angaben, bislang 425 Personen registriert worden. Das heißt, man nahm die persönlichen Daten auf, machte Fotos und nahm Fingerabdrücke (ab sechs Jahren).

Während im Rahmen der Flüchtlingswelle 2015/2016 sehr viele Männer, darunter zahlreiche minderjährige Jugendliche, in den Landkreis kamen, sind jetzt vorwiegend Frauen (bis dato 444) und ihre minderjährigen Kinder (418) hierher gekommen. Aber es sind auch 163 Männer dabei.

Die Flüchtlingsbewegung vor sieben Jahren sei etwas "spektakulärer" gewesen, in dem Sinne, dass die Regierung von Unterfranken dem Landkreis teilweise viele Menschen auf einmal zuwies und dies auch eine gewisse Öffentlichkeitswirkung hatte, so Bold. Nun laufe vieles "eher im Stillen und geordnet, aber kontinuierlich" ab. Bold: "Es funktioniert alles sehr gut."

Bislang habe die Regierung dem Kreis lediglich 70 Flüchtlinge zugewiesen. Dennoch liegt die Quote der aufgenommenen Menschen im Landkreis bei 9,2 Prozent. Durchschnittlich nehmen, laut Bold, andere unterfränkische Gebietskörperschaften 7,9 Prozent auf.

Vom Landratsamt wurden 88 Wohnungen an ukrainische Familienverbände (313 Personen) vermittelt. 111 Menschen (57 Familienverbände) wohnen bei Verwandten und Freunden. Für sie müsse man noch Wohnraum bereitstellen, sagte Bold und bat um Geduld. Denn ganz so schnell gehe das nicht, da man nicht im Voraus planen könne, wie viele Menschen wann und wo Wohnraum brauchen. Zudem müssten die gemeldeten Wohnungen zunächst angeschaut und gegebenenfalls das Mobiliar ergänzt werden, so der Landrat. Außerdem sei es Ziel, Familienverbände nicht zu trennen.

Unterricht in Willkommensklassen

Die Schulen des Kreises nahmen 146 Kinder und Jugendliche aus der Ukraine auf. Sie haben Unterricht in Willkommensklassen. Im Herbst könnten die ersten vermutlich in Regelklassen gehen, sagte Bold. Die ukrainischen Mädchen und Buben in den 77 Kindergärten und Horten des Kreises unterzubringen, gestalte sich schwieriger, so Bold. Denn die Plätze dort seien schon vor Ankunft der Flüchtlinge begrenzt gewesen.

Zwölf ukrainische Kinder sind in den Kindergärten und Horten im Kreis aufgenommen worden. Freie Plätze stehen 65 zur Verfügung. Insgesamt sind 393 Mädchen und Buben aus dem Landkreis auf Wartelisten eingetragen, davon stammen elf aus der Ukraine. Am meisten nachgefragt werden, laut Bold, Plätze in den Kitas am Bad Kissinger Sinnberg (55 Kinder), in Münnerstadt (26) und in Euerdorf (23). Die Statistik spiegle jedoch den tatsächlichen Bedarf an Plätzen für ukrainische Kinder nicht wider, sagte Bold. Denn insgesamt sind derzeit 126 Mädchen und Buben unter sechs Jahren aus der Ukraine gemeldet. Da kämen wohl noch etliche Anmeldungen hinzu, vermutet Bold.

Die Flüchtlingsbewegung stelle das Landratsamt, wie zuvor schon die Corona-Krise, vor große Herausforderungen, sagte Bold und meinte damit die personelle Situation. Denn um die Flut von Anträgen der Geflüchteten zu bearbeiten und andere Aufgaben, wie die Vermittlung von Wohnraum, zu stemmen, habe man wieder Dutzende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit teils sachgebietsfremden Tätigkeiten betrauen müssen. Allein mit der Bearbeitung der Anträge auf Leistungen nach dem Asylbewerbergesetz sind drei Personen in Vollzeit beauftragt. Dieses Team werde bald durch eine weitere Kraft aufgestockt, sagte Bold. Was die Aufgaben im Zusammenhang mit dem Thema Asyl und weitere Aufgaben im Sozialamt angeht, sind 15 Personen aus verschiedenen Bereichen des Sozialwesens im Einsatz.

Laut Bold kommt zudem Unterstützung von vier Auszubildenden und vier Dolmetscherinnen und Dolmetschern. In der Ausländerbehörde sind derzeit alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter montags bis samstags in Schichten tätig und werden dabei von Auszubildenden unterstützt, so Bold weiter. Zusätzlich wurde eine neue Kraft eingestellt. Zudem unterstützt pro Schicht ein Polizeibeamter die Arbeit der Registrierungsstelle. Hinzu komme weiteres Personal, das sich um die Wohnungsvermittlung kümmert und in der Hotline hilft (zehn Personen), welche montags bis freitags von 8 bis 12 Uhr besetzt ist.

Infos unter www.landkreis-badkissingen.de; E-Mail: ukraine-hilfe@kg.de; Hotline: Telefon 0971/ 801 38 00. Isolde Krapf