Eigentlich wollte Bürgermeister Mario Götz (CSU/Freie Wählergemeinschaft) seinen Jahresurlaub mit der Familie in der Schweiz verbringen. Doch dass er am Ende unter den Vorzeichen von Corona daheim blieb, hat er nicht bereut. "Wir haben wunderschöne Ecken hier", schwärmt der 40-Jährige von touristischen Entwicklungspotenzialen. Denen ging er in seinem Urlaub nach. Auf den Extratouren Thulbataler und Oehrberger erwanderte er die Schönheiten der Natur.

Umso mehr freut es Götz, dass es eine Initiative des Tourismusvereins Thulbatal zusammen mit dem Obst- und Gartenbauverein Thulba und der Senioren-Union für einen weiteren Wanderweg gibt. Er soll eine Verbindung zwischen der Rhön und dem Saaletal schaffen. "Darüber wollen wir im Oktober sprechen", sagt der Bürgermeister.

Neuer Radweg wird eröffnet

Alles, was die Heimat attraktiver macht, sei gut. Deswegen freut er sich auch auf die Eröffnung des Radwegs zwischen Oberthulba und Albertshausen am 20. September. Insgesamt soll ein 50 Kilometer langer Radweg die Mitgliedsgemeinden der Allianz Kissinger Bogen verbinden. "Die Allianzen sind inzwischen unwahrscheinlich identitätsstiftend", sagt Götz, der rundum erholt wirkt.

"Zwei Wochen war ich nicht im Rathaus", blickt der Bürgermeister auf kurzweilige Urlaubstage zurück. Was ihn aber nicht davon abgehalten habe, sich Gedanken über den unerwarteten Verlauf seiner ersten Wochen im Amt und die Zukunft der Gemeinde zu machen. Denn da gibt es auch Probleme, vor denen Götz aber nicht bange ist. "Ich fühle mich absolut wohl", sagt Götz. Dazu habe die Übergabe der Amtsgeschäfte durch Vorgänger Gotthard Schlereth und der Empfang der Verwaltung beigetragen.

"Natürlich liefen die ersten Wochen zäh", sagt Götz mit Blick auf die erheblichen Einschränkungen auf Corona. Durch fehlende Abendtermine und Feste habe er aber mehr Zeit für das Aktenstudium gehabt. Gewisse Vorerfahrung hatte er ja bereits. Erfreut ist er über die "tolle Zusammenarbeit" und die Debattenkultur im Gemeinderat. Acht der 20 Mitglieder sind neu. Es ergebe sich ein reizvoller Mix aus Neuen und Erfahrung. "Wichtig ist mir eine offene Atmosphäre", sagt Götz.

Gewerbesteuereinnahmen fehlen

Aktuell stehen auch besonders schwierige Themen im Blick. Rund 1,1 Millionen Euro werden dieses Jahr coronabedingt an Gewerbesteuereinnahmen fehlen. "Das haut uns nicht um, wir stehen solide da", beruhigt das Gemeindeoberhaupt.

"Wir müssen uns neu orientieren", mahnt Götze eine Überprüfung der Vorhaben für die kommenden drei bis fünf Jahre an. Dazu hat er eine nichtöffentliche Klausur anberaumt, bei der er mit allen Gemeinderäten eine Prioritätenliste für die kommenden Jahre erarbeiten möchte. "Ideen habe ich schon", lässt er wissen, ohne dem Meinungsaustausch vorzugreifen. Erstmals seit Jahren werde es bei einem aktuellen Schuldenstand von 1,6 Millionen Euro zu einer Neuverschuldung kommen. Für Zukunftsinvestitionen sei das sinnvoll. Allerdings plädiert Götze auch für einen Schuldendeckel. Die Ergebnisse der Klausur will der Bürgermeister bei einer Bürgerversammlung vorstellen, wenn es Corona zulässt.

"Einiges haben wir auch schon vorangebracht", sagt Götz, und manches Vorbereitetes aus der vergangenen Amtsperiode abgearbeitet. So sei damit angefangen worden, die oberirdischen Hausanschlüsse von Frankenbrunn neu zu verlegen. Beschlossen worden sei die Beschaffung eines neuen Feuerwehrautos (HLF 20) sowie die Errichtung von Mobilfunkmasten in Wittershausen und Hassenbach. Abgebaut werde der alte Fernseh-Füllsender im Hassenbacher Wohngebiet.

Weitgehend fertig ist der neue Kindergarten in Thulba. Nun besteht die Hoffnung, dass die bereits bezogene Einrichtung im Herbst endlich festlich eingeweiht werden kann. Die Drei-Millionen-Euro-Investition ist die größte Ausgabe der vergangenen Amtsperiode.

Neue Bauplätze in Vorbereitung

Der Abriss der Jaedicke-Villa in Oberthulba und die Schaffung von 12 bis 14 Bauplätzen am Rhönhof seien in Vorbereitung. Götz geht allerdings davon aus, dass es noch ein bis zwei Jahre bis zur Verwirklichung brauche. Konkreter werden auch die Überlegungen für ein Konzept für die Gewerbeimmobilien Quellenstraße 14. Baumöglichkeit zu schaffen, hat sich Götz besonders auf die Fahne geschrieben, zumal es nur in fünf von acht Ortsteilen noch gemeindeeigenes Bauland gebe. Immerhin seien in Reith vier neue Bauplätze geschaffen worden. Zwischen Innenentwicklung und Außenentwicklung gelte es weiter abzuwägen.

Vergeben hat die Gemeinde den Architektenauftrag für einen Radweg zwischen Oberthulba und Hassenbach. Und auch die Sanierung des Hochbehälters in Oberthulba schreitet voran. Das Millionenprojekt soll Ende 2021 abgeschlossen sein.

Sportbetrieb läuft wieder an

Dankbar ist Götz für das Engagement der Ehrenamtlichen auch in Schlimpfhof und Hassenbach, wo mit dem Bauhof zentrale Grünanlagen hergerichtet werden. Denn das spürt Götz als Kassier beim SV Hassenbach und der dortigen Vereinsgemeinschaft am eigenen Leib: Den Vereinen fehlt durch die ausgefallenen Feste das Geld. Drum freut es ihn umso mehr, dass nun der Sportbetrieb wieder anlaufen kann. "Die Vereine zeigen hier großes Verantwortungsbewusstsein", sagt er. Darum widmet er sich mit seiner Verwaltung einer aktuellen Verantwortung besonders gerne. Das Hauptamt ist mit der Absprache zu Hygienekonzepten aktuell gut beschäftigt. Wolfgang Dünnebier