Gefüllt sind die Schatzkästchen von Konrad Krebs mit Bleikugeln, alten Messern und neuzeitlichen Schmuckstücken, Knöpfen und Hufeisen für Kühe aus der Zeit, als diese Haustiere noch Feldarbeit verrichteten. Viel hat der Rottershäuser in den vergangenen 15 Jahren mit seinem Metalldetektor im Erdreich der Rottershäuser Flur entdeckt und ausgegraben.
Auch ungewöhnliche Dinge sind darunter, etwa der silberne Strahlenkranz oder die Reitsporne aus dem 30-jährigen Krieg. Manche Stücke dürften tausend Jahre alt sein, meint der Hobbysucher. Im Umfeld der Sporne fand Krebs Armbrustpfeilspitzen, aus dem 15. Jahrhundert stammend, und abgebrochene Spitzen von einem Morgenstern. Sein Fazit daraus: Der Fundort war wohl mal ein Schlachtfeld.
Konrad Krebs hortet seine Stücke nicht einfach in Schachteln und Dosen. Zu vielen weiß er kleine Geschichten zu erzählen, doch noch interessanter ist die historische Einordnung seiner Funde. Das setzt fachkundiges Wissen voraus, das er sich aus Büchern und dem Internet holt. So stößt er manchmal auf interessante Entdeckungen, wie bei einer kleinen Schelle mit Zieselierung und den Initialen CL.


Große Münzsammlung

Krebs durchsuchte das Verzeichnis der Gold- und Silberschmiede 1285 bis 1868 und fand den Goldschmiedemeister Caspar Lencker 1596. "Das sind dann richtige Glücksmomente", sagt Krebs. Der Riss in der Schelle trübte sein Glücksgefühl nicht. Auch eine russische Schelle mit noch herrlichem Klang gehört zu den besonderen Fundstücken. Krebs vermutet, dass russische Soldaten im Krieg gegen Napoleon die Schelle verloren haben.
Beachtlich gewachsen ist die Münzsammlung von Konrad Krebs. Knapp tausend Exemplare, statistisch genau erfasst, stammen aus unterschiedlichen Zeiten und verschiedenen Ländern.
In den ersten vier Jahren war seine Ausbeute gering: Gerade mal 36 Münzen habe er gefunden. Dann änderte Krebs im Löhleinswald die Richtung und wurde wieder fündig. 2012 war mit 101 Münzen sein Rekordjahr.


Kein Interesse bei Gemeinde

Mit manchen Funden könnte man Geschichte lebendig dokumentieren, wofür vor allem Schüler sicher dankbar wären. Dies dachte sich auch Konrad Krebs und bot Altbürgermeister Siegfried Erhard und dem amtierenden Bürgermeister Franz Kuhn an, seine Fundstücke in einer Vitrine im Rathaus von Oerlenbach der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, sozusagen als eine Art kostenlose Leihgabe. Doch das Angebot kam nicht zum Tragen. Denn auch eine kleine Ausstellung kostet etwas Geld.
Interesse an seinen Fundstücken hat auch das Denkmalamt nicht. Ralf Obst vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, zuständig für Franken und Oberpfalz, war über die Presse auf den Rottershäuser Sondengänger aufmerksam geworden und begutachtete daraufhin die Fundstücke.
Die Mitarbeiter des Denkmalamtes wissen um die Beliebtheit der Suche mit Metalldetektoren nach Schätzen. Ihre Sorge gilt den Bodendenkmälern, die geschützt werden müssen, sagte Alexandra Beck, die Pressesprecherin des Amtes, auf Nachfrage. Ansonsten könne jeder suchen, wo er mag, natürlich im Einvernehmen mit den Grundstücksbesitzern.


Jeden Fund melden

Das Entscheidende: Jeder Fund muss beim Denkmalamt gemeldet werden. Es könnte ja sein, dass das Erdreich um den Fund mal eine Feuerstelle oder ein Brunnen war. Oder dass der Krug oder das Schmuckstück eine Grabbeigabe war. Da sei dann das Fachwissen der Archäologen gefragt. Leider, so Obst und Beck, würden nur sehr wenige Funde gemeldet.
Konrad Krebs wird seinem Hobby weiterhin begeistert nachgehen. Allerdings ist sein Ausgangspunkt inzwischen ein anderer: Er studiert Legenden, Sagen und alte Geschichtsbücher und geht dann auf die Suche.
Zum Beispiel auf die Suche nach den Rannunger Glocken, die im 30-jährigen Krieg vergraben wurden. Ein anderes Ziel sind die Kirchenschätze, die der Pfarrer auf dem Galgenberg bei Großeibstadt vor den Schweden in Sicherheit brachte - und dafür seinen Kopf verlor. Ursula Lippold