Ausgebrochen sei der Wahn wohl vor zweieinhalb Jahren. Immer seltener sei der Maler zur Arbeit gegangen und habe kein Interesse mehr an sozialen Kontakten gezeigt. Inzwischen wohnt er wieder in der elterlichen Wohnung. Teils unter Tränen berichtete die Schwester von der Lethargie ihres Bruders und manchen Streitereien, die jedoch ohne große Aggressionen abgingen.

"Der Patient ist keiner, der loszieht, um andere zu schädigen", relativierte der Mediziner den Zustand des Patienten. Vielmehr entwickle er Wahnvorstellungen, wenn vermeintliche Feinde in sein Umfeld eindringen. So sei es auch im Juni 2019 gewesen, als der Mann glaubte, dass eine feindliche Familie an seiner Pistole den Schlagbolzen verkürzt habe. Zum Probeschießen sei er deshalb nach draußen gegangen. Auch die Polizisten habe er als Feinde wahrgenommen.

Tabletten nicht regelmäßig genommen

Auf Nachfragen des Gerichts vermutete der Arzt bei guter Medikation eine Rückfallwahrscheinlichkeit von 20 Prozent, wobei dann im Wahn noch eine vermeintliche Bedrohungslage im eigenen Umfeld dazu kommen müsse. Ohne Medikamente steige das Rückfallrisiko erheblich. Erschwerend komme laut dem Sachverständigen hinzu, dass der Mann das Bezirkskrankenhaus entgegen ärztlichem Rat verlassen habe und dort seine Tabletten nicht regelmäßig genommen habe. Auch die aktuelle Medikation durch einen anderen Arzt bewertete er als nicht optimal. Für eine telefonische Rücksprache des Arztes bei seinem Kollegen ließ die Richterin die Sitzung unterbrechen.