Am Montag vergangener Woche begann der Prozess gegen einen jungen Migranten, der nach eigenen Angaben in seinem Herkunftsland den Beruf des Schneiders gelernt hat. Am vergangenen Donnerstag verurteilte ihn das Landgericht Schweinfurt wegen Rauschgifthandels mit nicht geringen Mengen in drei Fällen, einmal sogar mit einem Einhandmesser "bewaffnet", zu einer Haftstrafe von viereinhalb Jahren.

Knast statt Therapie

Dabei hatte er noch Glück, dass die Große Strafkammer das dritte Ein-Kilo-Geschäft, als er das Messer als Waffe dabei hatte, als minderschweren Fall gewertet hat. Die Staatsanwältin sah darin eher einen Normalfall, für den allein eine Mindeststrafe von fünf Jahren fällig wäre. Sie hatte auf eine Gesamtstrafe von sieben Jahren plädiert.

Der Verteidiger des Angeklagten hielt dreieinhalb Jahre für angebracht - und die Unterbringung des Angeklagten in einer Entziehungsanstalt. Dass der 22-Jährige zur Therapie untergebracht werden müsste, weil er einen Hang zum Alkohol- und Cannabisgenuss im Übermaß habe und ohne Behandlung wieder derlei Straftaten begehen würde, davon konnte der Verteidiger das Gericht nicht überzeugen.

Die Kammer sah es wie der psychiatrische Gutachter und die Staatsanwältin: von erheblichen Suchtsymptomen habe nur der Angeklagte berichtet, und auch das höchst widersprüchlich, weshalb nach dem Gesetz eine Unterbringung gar nicht möglich sei.

Und: Alkohol oder Drogen hätte er sich auch aus seinen Einkünften von 1200 Euro monatlich bei einer Leihfirma beschaffen können. Der Angeklagte wird seine Strafe demnach im Gefängnis verbüßen müssen.

Mit Gras in die Verkehrskontrolle

Die Taten hatte er eingeräumt, mit etwas Verzögerung auch in Einzelheiten. Demnach brachte er schon im Herbst letzten Jahres über einen weiteren Händler 400 Gramm Marihuana unter die bekannten Kiffer Kissingens, die meisten minderjährig, ab 14 aufwärts.

Mitte und Ende Dezember dann besorgte er sich von einem Dealer aus Neuss (Nordrhein-Westfalen) zunächst ein Kilogramm "Gras". Die zweite Lieferung sollte ebenfalls 1000 Gramm umfassen, es war aber nur ein Dreiviertelkilo.

Am 11. Januar schließlich hatte der gelernte Schneider beim nächsten Geschäft mit demselben Händler zur Absicherung das Einhandmesser dabei, das aber nicht zum Einsatz kam.

Er hatte aber auch echtes Pech. Als er zurückkam, fiel er einer Verkehrskontrolle der Polizei in die Hände. Zufall - für den Angeklagten ein folgenreicher. Die Beamten guckten in den Kofferraum und fanden die Droge, behielten sie ein und den Angeklagten auch. Seither sitzt er in Untersuchungshaft.

Der Ertrag wird eingezogen

Dem 22-Jährigen wurde sein Geständnis positiv angerechnet, dass er nicht vorbestraft ist und es sich bei Marihuana um eine "weiche Droge" handelt. Gegen ihn sprach, dass er in kurzer Zeit mit erheblichen Mengen gedealt und gewusst habe, dass der Stoff an unter 18-Jährige weiterverkauft wird.

Unabhängig vom Geständnis habe aber auch sein Chatverlauf Aufschluss über das Handeltreiben mit Betäubungsmitteln gegeben, so die Kammervorsitzende. Gleichzeitig ordnete das Schweinfurter Gericht den Einzug von Wertersatz über 12 500 Euro an - diese Summe soll der 22-jährige Angeklagte mit dem illegalen Cannabishandel verdient haben.

Revision beim BGH möglich

Gegen das jetzige Urteil ist noch Revision beim Bundesgerichtshof möglich.