Wirklich Neues erfährt man nicht, wenn man im Bad Kissinger Rathaus nach dem Stand der Dinge bei der Eissporthalle fragt. Im Hintergrund ist zwar hie und da von intensiver Arbeit am umfangreichen Vertragswerk für den geplanten Verkauf an russischsprachige Investoren zu hören, eine förmliche Auskunft über die aktuelle Entwicklung gibt es aber nicht. Dabei warten die Betroffenen dringend auf eine Entscheidung. Vor allem den Kissinger Wölfen läuft die Zeit davon.


Höchstens noch Landesliga

Genau genommen, ist dem Eishockeyclub die Zeit in einem wichtigen Punkt sogar bereits davon gelaufen: Die Erste Mannschaft war nach den Worten des Vorsitzenden Michael Rosin für die Bayernliga qualifiziert. Wenn sie dort tatsächlich hätte spielen wollen, hätte der Verein dem Verband eine Spielstätte vorweisen müssen, erklärt Rosin. Das konnte er wegen der anhaltenden Unsicherheit über die Zukunft der Eissporthalle aber nicht. Also teilte der Verband mit, dass die Wölfe nächste Saison nicht der Bayernliga angehören werden. Möglich sei damit "höchstens noch Landesliga", berichtet Rosin weiter. Aber auch dazu braucht es eine spielfähige Mannschaft. Deren Zustandekommen hänge aber ebenfalls von der Spielstätte ab. Einnahmen für den Betrieb könne der Verein nur organisieren, wenn er möglichen Sponsoren verlässlich Spielbetrieb in einer geeigneten Spielstätten zusichern kann. Ohne Spielstätte bekommen die Wölfe aber keine Sponsoren, sagt Rosin, und ohne Sponsoren gebe es keine gesicherte Finanzierung des Sportbetriebs. Eine weitere Schwierigkeit seien Vorgaben des Verbands in Bezug auf die Zahl der Nachwuchsteams.


Keine verlässliche Planung

Unter den beschriebenen Umständen sei nicht daran zu denken, mit Spielern Verträge zu unterschreiben. Wenn der Spielbetrieb wegen der Probleme mit der Spielstätte doch ins Wasser falle, drohten dem Verein Regressforderungen. Es gebe zwar Andeutungen von der Stadt, dass der Verkauf "grundsätzlich bereits eingetütet" und nur noch nicht unterschrieben sei. Aber darauf kann kein Verein der Welt eine verlässliche Planung bauen.
Mehr als Andeutungen sind auch aktuell aus dem Rathaus nicht zu hören. Bei den Verhandlungen gebe es keine Hinweise, dass die betroffenen Vereine sich Sorgen machen müssten. Eine förmliche Auskunft erfolgt auf Anfrage nicht. Der Sachstand sei noch der alte, heißt es. Im April ließ sich der Stadtrat nichtöffentlich die Konzepte zweier Kaufinteressenten vorstellen. Am Ende gab es zwar eine Tendenz zu einem der Interessenten, aber keine Entscheidung. Es seien noch Fragen offen und viele Gespräche nötig.


Öffentliche Auskunft nötig

Dabei bräuchten die Wölfe nach den Worten ihres Vorsitzenden dringend "eine förmliche und vor allem öffentliche" Auskunft. Nur damit könne der Verein auf potenzielle Sponsoren zugehen, die Finanzierung sichern und Spielerverträge unterschreiben, so Rosin. Der Ski-Club Bad Kissingen ist zwar nicht ganz so schwer betroffen wie die Wölfe, vor Probleme stellt die ungeklärte Zukunft der Eissporthalle aber auch den Eislauf und die Eisstockschützen in diesem Traditionsverein. "Es wäre ein großer Verlust für den Ski-Club", sagt Vorsitzender Richard Fix, "wenn Abteilungen schließen müssten". Für die Eisstockschützen hat der Verein vorsichtshalber bereits Gespräche mit der Staatsbad GmbH über die Sommerstockbahn an der Lindesmühlpromenade geführt.
Die Kissinger Wölfe haben am Donnerstag, 29. Juni, Jahreshauptversammlung. Da werden sie das nächste Mal intern über die schwierige Situation sprechen. An der Hängepartie dürfte sich aber bis dahin kaum etwas ändern.
Sorgen um die Zukunft des Eissports in Bad Kissingen macht sich nicht nur das Führungspersonal der betroffenen Vereine. Fragen, wie es weitergehen soll, kommen auch aus dem Umfeld. Michael Grimm, ein ehemaliger Spieler der Wölfe, wandte sich dieser Tage mit einem Appell für den Erhalt der Eissporthalle an diese Redaktion. Die Sommerferien seien nah, schreibt er zur Verdeutlichung des Drucks, "und danach steht eigentlich die Saison für die Eishalle vor der Tür".


Scheitern nicht vorgesehen

Über den schlimmsten Fall aus Sicht der Vereine will zurzeit noch niemand offen reden. Ein Scheitern der Verhandlungen sei im Szenario nicht vorgesehen, heißt es aus dem Umfeld der Stadt. Im Konzept zur Fortschreibung der Haushaltskonsolidierung, das Oberbürgermeister Kay Blankenburg und Stadtkämmerer Gerhard Schneider zur Etatberatung im Stadtrat Ende Januar vorlegten, war aber deutlich formuliert: Sollten die Gespräche über einen Verkauf der Halle an Investoren nicht erfolgreich sein, dann werde "die Eishalle mit dem Ende der Saison 2016/2017 geschlossen". Das Defizit der Halle, das den Haushalt alljährlich belastet, will die Stadt auf jeden Fall loswerden.