Das frühere Wahlerbräugelände an der Schönbornstraße war aus Sicht der Stadtentwicklung lange Zeit eine Art schlafender Riese. In seinem rückwärtigen Teil bietet das Areal zwar viele Möglichkeiten, mehr als von vorne zu sehen ist. Trotzdem ist über Jahrzehnte nichts passiert. Jetzt aber steht möglicherweise ein echtes Großprojekt vor der Tür.
Der Bauausschuss des Stadtrats erteilte am Mittwoch gegen eine Stimme einer Bauvoranfrage für das Gelände seinen Segen. Diese Bauvoranfrage sieht nach Angaben von Stadtplanerin Christine Schwind eine Mischung aus "kurbezogener Nutzung" und Wohngebäuden vor. Für die kurbezogene Nutzung sind in den Sitzungsunterlagen stolze 9500 Quadratmeter Fläche angesetzt.
Um welche Art von kurbezogener Nutzung es sich handelt und wer der potenzielle Investor ist, kam im Ausschuss nicht zur Sprache. Auf Nachfrage am Rande zählte die Stadtplanerin nur auf, was laut Kurgebietssatzung allgemein darunter zu verstehen ist, also Hotels, Kliniken, Sanatorien oder vergleichbare Einrichtungen. Auch den meisten Stadträten ist offenbar nicht bekannt, was für eine Art von kurkonformem Betrieb dort entstehen soll. Das legen persönliche Anfragen bei Ratsmitgliedern nahe.


Rückseite wird abgerissen

Wenn die Bauvoranfrage tatsächlich in ein Bauprojekt mündet, soll auf dem Areal neben der kurkonformen Nutzung Wohnraum entstehen. Dabei muss man zwischen zwei Bereichen unterscheiden. Der größere Teil des Geländes gehört zum Geltungsbereich des Bebauungsplans Sondergebiet Kurgebiet, der so genannten Kurgebietssatzung. Der kleinere Teil unterliegt nicht dessen Einschränkungen.
In diesem kleineren Teil soll nach Angaben der Verwaltung der rückwärtige Teil des denkmalgeschützten Gebäudes Schönbornstraße 9 abgerissen und mit einem Baukörper bebaut werden, der 1168 Quadratmeter Wohnfläche bietet. Das ist ohne große Probleme machbar.
Kitzliger, aber auch realisierbar, sind die Pläne im Geltungsbereich der Kurgebietssatzung. Neben "drei Baukörpern in drei- bis viergeschossiger Bauweise mit Penthouse" für kurkonforme Nutzung steuern die Interessenten den Bau von "vier Wohnhäusern mit zwei Geschossen und einem Penthouse mit insgesamt 3194 Quadratmetern Wohnfläche" an, heißt es in den Unterlagen.
Diskussionsbedarf mit den potenziellen Bauherren sieht die Stadtplanerin hier unter anderem bei der Bewertung offenbar großzügig mit eingeplanter Betriebswohnungen. Grundsätzlich liegt der Wohnanteil in dem Teil des Projekts, für das die Kurgebietssatzung gilt, zudem nach Schwinds Rechnung geringfügig über den 25 Prozent, die für Wohnen im Kurgebiet mittlerweile zulässig sind. Hier müssten die Pläne noch angepasst werden.
Unmittelbar vor der Debatte über das Projekt hatte der Bauausschuss die neuen Regeln der Kurgebietssatzung für die "ausnahmsweise Zulässigkeit von Wohnnutzung" konkretisiert. Da geht es unter anderem um Betriebs- und Ferienwohnungen, die Geschossflächenberechnung oder die Zusammenfassung mehrerer Grundstücke. Die Bauvoranfrage zum ehemaligen Wahlerbräugelände sei nur das erste Projekt im Geltungsbereich der Kurgebietssatzung, sagte OB Kay Blankenburg: "Weitere Fälle werden folgen."