Statt an zwei Tagen im Monat, lässt die Stadt seit Januar an vier Tagen ein Auto zu Geschwindigkeitsmessungen auffahren. Und dies auch schon mal ganz früh oder auch später am Tag. Auf Nachfrage dieser Redaktion legt die Stadtverwaltung eine erste Bilanz vor. Die Zahl der beanstandeten Autofahrer ist demnach trotz des Mehraufwands im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (Januar bis Juli) nur leicht gestiegen, heißt es von Seiten der Verwaltung. "Die Gründe dafür kann man schwer abschätzen", sagt Mareike Ohmert, die im Rathaus mit für die städtische Verkehrsüberwachung verantwortlich ist. Auf jeden Fall hinterließ der Corona-Lockdown von Mitte März bis Ende Mai Spuren in der Statistik. In diesen Wochen kontrollierte die Stadt unvermindert weiter. Durch geringeres Verkehrsaufkommen und weniger Touristen sei die Zahl der Verstöße in diesem Zeitraum auch beim Parken nur leicht zurückgegangen, sagt Ohmert. Einerseits waren die Straßen leerer, gleichzeitig konnte der Verkehr schneller fließen. "Und die Leute sind trotzdem zur Arbeit gefahren."

Insgesamt stellt Ohmert den Autofahrern ein positives Zeugnis aus. Der überwiegende Teil halte sich an die Limits oder überschreite sie allenfalls geringfügig. Das geht aus den Aufzeichnungen der zehn von der Stadt angeschafften Displays hervor. Sie halten Autofahrer, vom Fahrbahnrand aus, ihre Geschwindigkeit vor Augen. Außerdem erlauben diese Anzeigen tiefergehende Rückschlüsse auf die Verkehrsmoral. Sie speichern die Geschwindigkeit der vorbeifahrenden Autos, allerdings ohne sie zu identifizieren. Die ersten Auswertungen sprechen dafür, dass die meisten Autofahrer tempobewusst unterwegs sind.

"Es gibt aber auch erschreckende Ausreißer", lässt Ohmert zu den ermittelten Geschwindigkeiten wissen. Spitzenreiter sei ein Autofahrer in der Fuldaer Straße an der Einmündung zur Firma Oerlikon gewesen. 172 Stundenkilometer habe er, laut der im Display festgehaltenen Daten, auf der langen Gerade bei den erlaubten 50 Stundenkilometern drauf gehabt. "Natürlich gibt es immer wieder mal Messfehler", schränkt sie die Absolutheit ihrer Aussage ein. Anderseits gebe es Autofahrer, die mit dem Fuß auf dem Gaspedal ganz bewusst den Wert im Display hochtreiben wollen, um sich damit später zu brüsten.

Auch nicht gerade beruhigen kann der von den Displays ermittelte Spitzenwert in der Rote-Kreuz-Straße. Die Anwohner leiden seit der Sperrung der Bahnhofstraße im Frühjahr besonders unter erhöhtem Durchgangsverkehr. Hier war der schnellste Autofahrer laut Messung nachts mit 85 Stundenkilometern in der 30-Kilometer-Zone unterwegs.

Die Betrachtung der Durchschnittsgeschwindigkeit in der Rote-Kreuz-Straße zeichnet ein gemäßigteres Bild. Sie lag seit Beginn der städtischen Aufzeichnungen bei 35,6 Stundenkilometern. Zu bedenken sei, dass dieser Wert auch zum Beispiel durch schnelle Einsatzfahrzeuge oder extreme Langsamfahrer beeinträchtigt wird, weist Ohmert auf Schwierigkeiten bei der Interpretation des Ergebnisses hin.

Nun reagiert die Stadtverwaltung auf die bisherigen Erkenntnisse - zumal es Beschwerden von betroffenen Anwohnern gibt. Deshalb soll in der Rote-Kreuz-Straße ab September künftig zweimal monatlich gemessen werden. Auch in der Kobel- und Weberstraße werden dann häufiger Kontrollen durchgeführt.

Tempoverstöße rückläufig

Bereits wahr gemacht hat die Stadt ihre Ankündigung, auch in weniger befahrenen Straßen mit geringerem Verkehrsaufkommen zu kontrollieren, wie zum Beispiel in der Sodenbergstraße in Untereschenbach, Richtung Diebach, oder in der Ortseinfahrt von Pfaffenhausen, von Hammelburg her kommend. Hier hätten sich die einzelnen Übertretungen aber im Rahmen gehalten, weiß Ohmert.

In Zahlen ausgedrückt, lag die Zahl der geahndeten Tempo-Verstöße, zwischen Januar und Juli 2020, bei 1571. Im gesamten Vorjahr waren es 2494, ebenfalls überwiegend im geringfügigen Bereich. Insgesamt nimmt die Zahl der Tempo-Verstöße kontinuierlich ab. 2015 hatte dieser Wert noch bei 3365 gelegen.

Diese Tendenz bestätigt sich auch bei den erlassenen Fahrverboten für viel zu schnelle Autofahrer. Die Zahl lag hier 2018 noch bei 33 und entwickelte sich über zehn (im Jahr 2016) und eins (2019) auf zwei im ersten Halbjahr 2020. Nach einer Verschärfung der Straßenverkehrsordnung hatte die Stadt in diesem Jahr zunächst fünf Fahrverbote ausgesprochen. Dabei blieb es aber nicht. Weil Verkehrsminister Andreas Scheuer die Gesetzesänderung rückgängig machte, mussten drei diese Fahrverbote wieder zurückgenommen werden. Eines davon war bereits weitgehend abgegolten. Doch der Gesetzgeber bescherte mit seinem Wankelmut weitere Mehrarbeit: Offene Verwarnungsgelder und alle noch nicht rechtskräftigen Bußgeldbescheide mussten berichtigt werden. "Damit waren wir einige Tage beschäftigt", erinnert sich Ohmert. In der Kommunalen Verkehrsüberwachung arbeiten zwei Teilzeitkräfte mit je 25 Wochenstunden und eine Teilzeitkraft mit fünfeinhalb Wochenstunden. Auch der ruhende Verkehr beschert Arbeit. Die Bediensteten ahndeten bis Juli 2020 insgesamt 1218 Verstöße. Dabei zeichnen sich in diesem Bereich, auf das ganze Jahr hochgerechnet, etwa genau so viele Delikte ab wie in den Vorjahren. Wolfgang Dünnebier