Zwei Gewehr-Granaten und etwas Kriegsmunition fand ein Sondengänger vor kurzem auf einem Flurstück der St.-Josefskongregation in einiger Entfernung zur Klosteranlage. Er rief im Büro des Dominikus-Ringeisen-Werks (DRW) an und meldete seine Entdeckung. Gesamtleiter Rainer Waldvogel verständigte die Polizei. Am vergangenen Donnerstag kamen zwei Experten des Sprengstoffkommandos Nürnberg nach Maria Bildhausen und entschärften die Geschosse. Um den Fundort ranken sich die tollsten Geschichten.


Waffen in See gekippt

Nach dem Zweiten Weltkrieg hätten die Amerikaner alle Bürger in den umliegenden Dörfern aufgefordert, ihre Waffen abzugeben, wird kolportiert. Bei einem anderen Erzähler waren es die Nazis, die in den letzten Kriegstagen Kampfmittel einsammelten. Auch in Großwenkheim seien Gewehre und scharfe Munition mitten im Ort auf einem großen Haufen angehäuft und dann mit einem Lkw abtransportiert worden. Die Waffenladung habe man dann in einen See der einstigen Zisterzienserabtei gekippt, pflegten die Älteren ihren Kindern und Enkeln zu erzählen. Seitdem ruhe dieser "Schatz" angeblich im Untergrund.
Waldvogel hält das jedoch für "Legendenbildung". "Dort wurde nichts in größerem Stil verklappt", ist er überzeugt. Der Sondengänger aus Großwenkheim habe wohl tiefer gegraben und so die Granaten freigelegt, vermutet er. Die Fachleute des Nürnberger Sprengstoffkommandos hätten nach der Entschärfung der Granaten am 6. April alles abgesucht und nichts mehr im Boden gefunden. Lediglich tief im Erdreich des inzwischen verlandeten Sees sondierten die Fachleute noch Reste von Kampfmitteln, so der Gesamtleiter der Einrichtung.


Schon einmal untersucht

2013 war das Flurstück auf dem Grundbesitz der Franziskanerinnen schon einmal auf Rüstungsaltlasten untersucht worden, erzählt Waldvogel. Das Gelände sei von Experten tagelang durchforstet und als "kampfmittelfrei" deklariert worden. Auch 2013 hätten die Spezialisten schon Reste von Waffen in der Tiefe vermutet. Davon könne jedoch keine Gefahr für die Allgemeinheit ausgehen, habe es damals geheißen.
Nachdem die Kampfmittelexperten vergangene Woche abgerückt waren, hatte sich Sondengänger Mario Uhlein erneut auf das Gelände begeben. Sein Metalldetektor habe prompt wieder angeschlagen. Weil er davon ausging, dass dort auf dem Gelände noch Gefahren lauern, habe er dem Kloster erneut Mitteilung gemacht. Doch die DRW-Leitung reagierte strikt: Man untersagte ihm, das Gelände erneut zu betreten. "In der Tiefe zu graben, kann womöglich gefährlich sein. Der Mann gefährdet sich selbst", begründet der Chef der Bildhäuser Einrichtungen diese Anordnung.
Am Donnerstag war auch Generalsekretärin Schwester M. Canisia Maurer aus Ursberg angereist, um sich vor Ort ein Bild von den Einzelheiten zu machen. Ein paar Tage zuvor hatte sie gegenüber der DRW-Leitung in Maria Bildhausen bereits signalisiert, dass der Fund offiziell angezeigt und fachkundig bewertet werden müsse. Gesamtleiter Waldvogel hatte vergangene Woche auch das Landratsamt eingeschaltet. Am Dienstag machte sich der bei der Behörde für Altlasten zuständige Sachbearbeiter Werner Nöth auf den Weg nach Maria Bildhausen.


Gutachten bestellt

2013 war eine "Orientierende Untersuchung der Rüstungsaltlastenverdachtsfläche Maria Bildhausen" erfolgt, nachdem ein Bürger die Geschichte jener in einem See versenkten Waffen berichtet hatte, bestätigt der Sachbearbeiter des Landratsamts. Ein Ingenieurbüro aus Nürnberg wurde mit einem Gutachten betraut. Eine Woche lang arbeiteten Fachleute auf dem Gelände unweit des Klosters.
Das Wasserwirtschaftsamt machte Erdschürfe und zog Bodenproben, um eine potenzielle Gefährdung des Grundwassers zu untersuchen. Die Spezialisten für Kampfmittelbeseitigung durchkämmten das Gelände mit Sonden. "Das Vorhaben wurde damals sehr ehrgeizig verfolgt", erinnert sich Nöth. Man hatte sogar einen Spezialbagger nach Maria Bildhausen beordert, der notfalls auch einer Explosion standgehalten hätte.


Keine Verseuchung festgestellt

Das Ergebnis des Gutachtens von 2014 war beruhigend, sagt Nöth. Das Wasserwirtschaftsamt hatte "keine Verseuchung des Bodens" festgestellt. Zudem seien "keine vermuteten Kampfmittel" gefunden worden, heißt es im Gutachten wörtlich. "Die Riesenmengen an Waffen und Munition, von denen man sich immer erzählt, wurden wohl nicht dort vergraben", sagt Nöth.
Der Fachmann für Altlasten will jedoch auf Nummer sicher gehen und dem Wasserwirtschaftsamt von den jüngsten Ereignissen berichten. Danach entscheide das Landratsamt, ob Nachuntersuchungen gemacht werden müssen.