Das Projekt Schulzentrum hat eine Größenordnung, die selbst der Landkreis in dieser Art bislang noch nicht umsetzte, sagte Landrat Thomas Bold im März dieses Jahres, als das Preisgericht den Sieger des Realisierungs- und Ideenwettbewerbs kürte. Damals rechnete Bold allein für den ersten Bauabschnitt (Gymnasium, Zweifach-Turnhalle mit Mensa) mit einem Kostenvolumen von 45 bis 50 Millionen Euro. In der Kulturausschusssitzung am Montag korrigierte er diese Zahl nach oben auf geschätzte rund 60 Millionen Euro, denn man müsse die derzeit "dynamische Baukostenentwicklung" einkalkulieren.

Die Numrich Albrecht Klumpp (NAK) Architekten GmbH aus Berlin hatte im März den ersten Preis bei dem genannten Wettbewerb davongetragen. Das Vergabeverordnungsverfahren im Mai hat die renommierte Architektengemeinschaft offenbar erfolgreich absolviert, denn im Kulturausschuss am Mittwoch präsentierte das Berliner Büro, das sich unter anderem in Berlin mit Schulbauten einen Namen gemacht hat, nun seinen vorläufigen Entwurf zum ersten Bauabschnitt.

Gymnasium als Clusterschule

Ressourcenschonend, nachhaltig und effektiv sollen die Neubauten und deren Umfeld im künftigen Schulzentrum in Hammelburg gestaltet werden, hatte vor mehr als einem Jahr Thomas Wirth vom Kitzinger Büro arc.grün im Kreisausschuss die Inhalte der anstehenden Planungen skizziert. Für ihr Projekt hat die NAK GmbH das Berliner Landschaftsplanungsbüro ST raum a mit ins Boot geholt. Mit dabei ist auch das Bad Kissinger Ingenieurbüro Helfrich.

Auf neun Hektar Fläche soll also nun in absehbarer Zeit ein Gymnasium als "Clusterschule" mit sechs Ganztagsklassen plus Mensa und Mittagsbetreuung entstehen sowie später die Realschule mit 20 Klassen und eine Förderschule. Jetzt im ersten Bauabschnitt spielt auch die Planung der Zweifach-Turnhalle mit Außensportanlagen eine Rolle. Und es geht auch um attraktive Freiflächen und die verkehrstechnischen Anbindungen. Die Besonderheit: Die Mensa soll ein zentraler Treffpunkt zwischen den Schulen werden.

Der Entwurf der NAK Architekten ist auf vier solitäre Baukörper gegründet, die sich um einen Campusplatz gruppieren, der alle Gebäude gleichermaßen anbindet, stellte Grant Kelly von der NAK GmbH den Entwurf vor. Das Gymnasium soll im Inneren durch Lichthöfe aufgelockert werden.

Die beiden Obergeschosse sind mit Holz verkleidet und auch im Inneren in nachhaltiger Holz-Beton-Weise ausgestattet, erläuterte der Architekt. Die Besonderheit sind Fluchtbalkone, die dem Gebäude eine gewisse Leichtigkeit geben sollen und auch als Sonnenschutz dienen. Im ersten Obergeschoss sind mehrere kompakte Klassenzimmer-Einheiten mit Begegnungszonen eingeplant. Diese moderne "Cluster"-Anordnung entspreche aktuellen pädagogischen Anforderungen, so Kelly.

Energetische Ausrichtung

In der Kulturausschusssitzung am Montag ging es aber auch um die energetische Ausrichtung des neuen Schulzentrums, beziehungsweise von Gymnasium und Zweifach-Turnhalle (1. Bauabschnitt). Vorgestellt wurden von Steffen Lindner (Ingenieurbüro Helfrich) beispielsweise ein Fußboden-Heizsystem im Gymnasium und eine Schwingboden-Heizung in der Sporthalle. Zudem sollen ein zentrales Lüftungssystem und eine zentrale Gebäude-Automation installiert werden, wie es das in ähnlicher Form auch im BBZ Münnerstadt gibt. Geplant ist LED-Beleuchtung im gesamten Gebäude.

Drei Varianten der Energieversorgung wurden aufgezeigt, über die allerdings in der Sitzung nicht entschieden werden musste: 1. die Wasser-Wärmepumpenanlage, 2. die Geothermie-Wärmepumpenanlage und 3. die Biomasseanlage plus Wärmenetz. Die erste Variante, bei der man drei Brunnen der Stadt Hammelburg hätte nutzen müssen, die aber schon aufgelassen sind, sei zu aufwendig und kostenträchtig gewesen, sagte Lindner. Denn man hätte unter anderem auch mehrere neue Brunnen bauen müssen.

Mögliche Energie-Standards im Gespräch

Was ein auszuweisendes Geothermie-Feld angeht (Variante zwei), werde die Umsetzung gerade geprüft, und es sollen im Januar 2022 Probebohrungen vorgenommen werden. Aus der Geothermie-Nutzung ergäbe sich Wärme fürs Heizen und Temperieren in den Gebäuden, gab Lindner zu bedenken. Denn das Temperieren könne vor allem bei großer Hitze im Sommer in den neuen Schulbauten eine Rolle spielen. Für die Energieversorgung mit Biomasse (Variante 3) bräuchte man neben einem Hackgut-Kessel auch einen Gaskessel, um die Spitzenlast abzufangen. Man könnte die Gebäude aber nur heizen, nicht temperieren.

Entschieden werden musste in der Sitzung nichts. Landrat Thomas Bold ließ aber schon erkennen, dass er selbst zur Geothermie tendiert. Nun müsse man erst mal die Probebohrungen und das Resultat im Januar 2022 abwarten.