Eigentlich hatte das Schloss über dem kleinen Ort Büchold und dem Krebsbachtal alle Voraussetzungen für ein verborgenes Dasein abseits von den Wirren und Ränken der Geschichte. Und doch weist der heutige "Schlossherr" Henning Glawatz zu Recht darauf hin, dass sich genau hier die wichtigsten geschichtlichen Ereignisse der letzten 700 Jahre niedergeschlagen und ihre Spuren hinterlassen haben. In seiner wechselvollen Geschichte mit einem Dutzend verschiedener Herrschaften erlebten die Menschen hier hautnah Reformation, Gegenreformation, Bauernaufstand, den 30-jährigen Krieg und nicht zuletzt die Säkularisation, das Ende der geistlichen Territorien im Reich und den baulichen Niedergang.

Wie für die damalige Zeit üblich, liegen die Wurzeln von Schloss Büchold wegen fehlender Zeugnisse im Dunkeln; es ist aber davon auszugehen, dass die Anfänge auf die Grafen von Rieneck zurückzuführen sind. Schließlich wird im Jahr 1299 erstmals das "Castrum" mit dem Rienecker Lehensmann Ritter Ulricus Crug genannt. Das Dorf Büchold aber wurde bereits 788 als "Buheldi" im Rahmen einer Schenkung an das Kloster Fulda urkundlich erwähnt. Aus dem 13. Jahrhundert stammen wohl auch die Grundmauern des mächtigen Bergfrieds mit einer Höhe von 23 Metern , der heute sorgfältig restauriert - einen eindrucksvollen Blick ins Land ermöglicht.

Rechtsstreit

Die Urkunde von 1299 verweist aber auch schon auf die erste Verbindung mit der "großen Geschichte" und damit auf die nächsten Besitzer. Ritter Crug lag nämlich mit den Johannitern im Streit wegen Zehnt-Zahlungen und Nutzungsrechten. Der bekannte Kreuzritterorden der Johanniter war nicht nur auf den Kreuzzügen aktiv, sondern hatte auch in kleineren Ortschaften wie Büchold nicht unbedeutende Besitzungen. Zwölf Jahre nach diesem Rechtsstreit erwarben die streitbaren Herren die gesamte Burg von den Rienecker Grafen.

Doch die immense Belastung durch die Kreuzzüge brachte sie rasch in Geldnöte, sodass Büchold schon 1364 an die Reichsfreiherren von Thüngen verkauft werden musste. Damit gingen nicht nur Gebäude, Vieh, Wiesen und Felder an die neuen Herren über, sondern auch die "fischgülten, die weingerten und die leuthe ". Wie damals üblich, waren auch die "Leuthe", die Menschen, Verkaufsgegenstand.

Vom Bauernaufstand verschont

Immerhin dauerte die Herrschaft des Hauses Thüngen in Büchold mehr als 232 Jahre und brachte damit eine gewisse Kontinuität. Hans Jörg von Thüngen begann Anfang des 16. Jahrhunderts den schrittweisen Umbau der romanischen Burganlage zu einem prächtigen Renaissanceschloss, das als bauliches Glanzstück seinesgleichen suchen konnte. In die Zeit von Hans Jörg fielen aber auch die unruhigen Jahre des Bauernaufstands um 1525. Doch das Schloss Büchold hatte Glück, es blieb von verheerenden Angriffen verschont.

Einschneidend aber war die Entscheidung des Hauses Thüngen, sich der Lehre von Martin Luther zuzuwenden und in seinen Besitzungen die evangelische Konfession einzuführen. Adam von Thüngen schuf hier noch vor dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 Tatsachen und schickte 1541 in Büchold einen reformierten Prediger auf die Kanzel. Dass nun diese lutheranische Enklave, umgeben von rein katholischen Dörfern und Herrschaften, in ständige Konflikte mit den Nachbarn verstrickt war, versteht sich von selbst.

Die nächste Wende vollzog sich 1596, als Theobald Julius von Thüngen seinen Söhnen einen Schuldenberg hinterließ. Für 125 000 Gulden erwarb der "fränkische Todfeind des Luthertums", die Familie des Julius Echter von Mespelbrunn, das Schloss, und sein Bruder Dietrich machte sich denn auch ohne Zögern an die Gegenreformation in Büchold, denn "Sein ganzes Absehen war dahin gerichtet, die lutherische Sekt, welche allda schon über die 60 Jahre crassiert, wiederum auszureuthen und anstatt dessen wie wahre alt Chatholische Religion wiederum einzupflanzen." So die Pfarrchronik dieser Tage.

Eine deutliche Spur hinterließ Dietrich Echter, der neue Herr von Schloss Büchold, mit dem Bau der Nikolauskirche 1622. Das Gotteshaus ist ungewöhnlich stattlich für das kleine Dorf und prächtig ausgestattet, im Inneren fällt besonders das allgegenwärtige Rosenmotiv auf, auch an der eindrucksvoll bemalten Decke.

Aber auch das besonders dunkle Kapitel ging an Burg und Dorf Büchold nicht vorüber. Am Weihnachtstag 1599 wurde der Gauaschacher Valentin Schmid unter dem Vorwurf der Hexerei festgenommen. Nach der "peinlichen Befragung" im Folterkeller des Schlosses durch das kaiserlich privilegierte Halsgericht gab er schließlich die Namen von Bücholder Frauen preis. Eine davon war die Schäferin vom Sachserhof, Elisabeth Rüger. Auch sie wurde der schweren Folter unterzogen, die sie nicht überlebte. Ihre Leiche wurde anschließend auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Ruhe gab es danach aber lange nicht in Büchold. Schloss und Dorf wurden in die Wirren des 30-jährigen Krieges mit hineingezogen. Der Schwedenkönig Gustav Adolf besetzte im Oktober 1631 Arnstein, ein Kommando schwedischer Truppen überfiel und plünderte Büchold. Unter anderem wurden 16 Kanonen geraubt. Nicht besser waren in der Folge die Belastungen durch die Kaiserlichen. Zwei kroatische Reiterregimenter des gefürchteten Reitergenerals Graf Isolani nahmen hier im September 1634 Quartier und stahlen die Vorräte einschließlich des Saatguts.

Etwas ruhiger wurde es unter der Herrschaft der "Kämmerer von Worms", der Familie Dalberg, die durch Heirat in den Besitz des Schlosses kam. Zwischen 1652 und 1719 wurde das heruntergekommene Gebäude wiederhergestellt, und die Ehefrau des Dietrich von Dalberg, Maria Klara von Schönborn, ließ 1685 einen prächtigen Barockgarten anlegen. Im Oktober 1702 wurde dem Dorf und Schloss Büchold höchste Ehre zuteil. Nach einem Feldzug gegen Frankreich nahm hier der spätere römisch-deutsche Kaiser Josef I. für eine Nacht Quartier.

Das Ende der langen Reihe adeliger Herrschaften begann mit der durchaus zwielichtigen Übernahme von Büchold durch das Würzburger Domkapitel. Büchold wurde bis zu Säkularisation 1802 Teil des Fürstbischöflichen Herrschaftsgebiets und durch einen Amtmann verwaltet. Mit dem schwindenden Interesse der Würzburger an dem Besitztum setzte der bauliche Niedergang des Schlosses ein. Die Bücholder nutzten die Gebäude ganz profan als Steinbruch. Ende des 18. Jahrhunderts soll das Schloss endgültig eine Ruine gewesen sein, berichtet Henning Glawatz in seiner Chronik.

Dass aber Schloss Büchold doch nicht gänzlich verfiel, ist der Familie Mennich zu verdanken. Sie kaufte 1787 zunächst Teile des Barockgartens für landwirtschaftliche Zwecke und betrieb im Schlossbereich während der Sommerzeit eine Gastwirtschaft. 1816 erwarb die Familie die gesamte Schlossruine und baute eine Ziegelbrennerei auf. Mit wechselnden Besitzern, darunter immer wieder Mitglieder der Familie Mennich, wurde bis 2007 in der Hauptsache Landwirtschaft betrieben.

Aus dem Dornröschenschlaf erweckt wurde die Anlage durch das Ehepaar Susan Schubert und Henning Glawatz, die 2005 geheiratet hatten und nach einem geeigneten Domizil suchten. Schubert ist die Inhaberin der Arnsteiner Brauerei Max Bender, Glawatz Brigadegeneral a.D..

Zu diesem Zeitpunkt befanden sich Gebäude und Mauern im Zustand fortschreitenden Verfalls und wesentliche Teile waren vom Einsturz bedroht. Aber die neuen "Burgherren" hatten ein klares Bild vor Augen und schufen in mehrjähriger Arbeit ein Anwesen, das ästhetisch gelungen den Anforderungen der heutigen Wohnkultur entspricht, aber im Wesentlichen die authentische Erinnerung an die Geschichte erhält.Günter Roth