Ein Zeichen für Nachhaltigkeit will Tobias Schürlein in der Bad Kissinger Straße in Bad Brückenau setzen. Der 31-jährige Maschinenbauer hat dazu die Firma Stahlherdplattenbau Rehm übernommen. Was dort hinter den Werkstatt-Toren jetzt unter dem Namen TS-Stahlbau passiert, ist bundesweit ziemlich einmalig. Zusammen mit dem neuen Chef fertigen hier drei Schlosser individuelle Stahlherdplatten.

Für den einfallsreichen Maschinenbauer lag es nahe, dieses Know-How mit der Eröffnung eines Ofenstudios in der Altstadt 7 zu verknüpfen. Unter dem Namen Schürhogge (Schürhaken) zeigt er, der sich gerne in der Heimat engagiert, sprachlich Flagge für die Rhön. "Auch wenn ich das schon mal übersetzen muss", schmunzelt Schürlein, dem auch das Wortspiel mit seinem Namen gefällt.

Mit einer coronabedingt kleinen Feierstunde hat er das Studio in Betrieb genommen. Auch Bürgermeister Jochen Vogel gratulierte zur Einweihung. Knapp 20 Öfen dreier namhafter Hersteller werden präsentiert. Allerdings ist das nur eine Übergangslösung. Denn Schürlein plant einen Neubau an der bestehenden Werkstatt in der Kissinger Straße. Es soll zum Beginn der Ofen-Saison im August 2021 eröffnet werden.

Auf einer Grundfläche von 10 auf 15 Metern plant er im Erdgeschoss eine großzügigere Präsentation der Öfen. Im Stock darüber sollen die Büros der Firma unterkommen. Mit einer modernen CAD-Software plant er dort für sein drittes Standbein: den Bau von Geländern, Carports und anderen Stahl-Metallbauteilen, die er für seine Kunden millimetergenau fertigt.

"Das kam eher aus Zufall", schwärmt der Maschinenbauer über seine breiten beruflichen Herausforderungen. Eigentlich kommt der Maschinenbauer aus der Industrie. Was ihn dort nach eigenen Worten schon länger störte, ist die Schnelllebigkeit. Ganz anders gehe es bei der Produktion von individuellen Stahlherdplatten und hochwertigen Öfen zu. Hier geht es um Langlebigkeit. "Mit den Platten haben wir in Deutschland fast ein Alleinstellungsmerkmal", sagt Schürlein. Zu den Kunden bei der Ausstattung neuer Öfen gehört unter anderem die renommierte Firma Pertinger.

Ein weites Feld ist der Ersatz von alte Ofenplatten. "Da ist Geschichte drin", sagt Schürlein zum Umgang mit alten Küchenöfen. Kunden auch aus der Österreich, der Schweiz und Frankreich bestellen in Bad Brückenau Ersatzteile für ihre mehrere Jahrzehnte alten Öfen. Das spreche für die Lebensdauer dieser Erzeugnisse und setze ein klares Signal gegen die Wegwerf-Mentalität im Umgang mit Billigprodukten.

"Eigentlich sind wir eine bessere Dorfschmiede", beschreibt Schürlein dieses Betätigungsfeld anschaulich. Es gibt wenig Maschinen in der Werkstatt. Bevor dort die Produktion von Ersatzherdplatten beginnt, fährt Schürlein häufig zum Maßnehmen bei den Kunden. Mit diesen Daten werden dann in Bad Brückenau die erforderlichen Stahlbleche mit einer Schlagschere aus dem Jahr 1934 und Schneidbrennern grob in Form gebracht, bevor die Feinarbeit beginnt.

Die Erzeugnisse des Betriebes sind so vielfältig wie die Kunden. Ob für den Ersatz auf einer Alm in den Bergen gebaut wird oder Starkoch Horst Lichter in seiner Küche was Neues braucht: "Jede Platte ist anders", umreißt Schürlein die Anforderungen an die bis zu 250 Kilogramm schweren Einzelanfertigungen.

So geschichtsträchtig das Handwerk auch ist: Schürlein sieht damit gute Chancen für die Zukunft. Es gebe wieder mehr Bauherren, die sich einen Holzofen nicht ins Wohnzimmer, sondern in die Küche stellen. Das schafft Synergien: Zur wohligen Wärme gibt es außerdem gares Essen.

Doch der junge Unternehmer hat noch weitere Eisen im Feuer. Bei der Eröffnung des Ofenstudios bewirtete er die Gäste an einem edlen Designer-Grill. Nicht an irgendeinem: Es handelt sich um einen 100-Kilogramm-Entwurf aus eigener Produktion. "Die Testphase läuft noch", berichtet er. Schon bewährt habe sich darauf die edle Herdplatte, von der Spiegeleier nicht in die Glut laufen. Der Grill soll auch mit einem speziellen Waffeleisen und einer besonderen Emaillierung weitere Akzente aus der Region für die Region setzen. Wolfgang Dünnebier