Die Forstleute hatten damit gerechnet: Der Sommer war heiß, der Winter mild, und es folgte ein trockenes Frühjahr. Beste Voraussetzungen zur Ausbreitung des Borkenkäfers. Und die Ahnung bewahrheitet sich in einer ersten Welle, die bereits viele Fichten überrollt hat. Waldbesitzer, die jetzt nicht handeln, beschwören die Gefahr herauf, dass eine Invasion stattfindet, die nicht mehr unter Kontrolle gebracht werden kann, sagen die Forstleute.
"So viele Benachrichtigungen an Waldbesitzer habe ich in der ersten Phase des Befalls noch nie verschickt", beteuern die beiden Abteilungsleiter Hubert Türich am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten von Bad Neustadt und sein Bad Kissinger Amtskollege Bernhard Zürner bei einem Pressegespräch gleichlautend.
Die Zahl der Briefe, in denen Privatwaldbesitzer aufgefordert werden, die in ihren Flächen entdeckten befallenen Bäume zu beseitigen, sei ein deutlicher Hinweis darauf, wie ernst die Lage ist.
Schlimme Ausmaße seien bereits im Süden Bayerns aufgetreten, wo schon ganze Waldabteilungen komplett befallen sind, schildern die beiden in den Amtsstuben von Bad Neustadt. "In den drei Ampelphasen, die die Situation beschreiben, stehen wir kurz vor dem Umschalten auf Rot", sagt Türich. Noch drastischer ist sein Kollege aus Bad Kissingen, "die Lawine löst sich".
Die Gründe für das massenhafte Auftreten finden sich vor allem im Vorjahr. Der heiße Sommer und die lang anhaltende Trockenheit haben Nadelbäume stark geschwächt, erklärt Forstrat Mathias Pfüller. Dieselbe Witterung habe gleichzeitig die Vermehrung von Kupferstecher und Borkenkäfer begünstigt. So wurden statt üblicherweise zwei, im Vorjahr drei Generationen ausgebildet.
Es folgte dann auch noch ein milder Winter und ein trockenes Frühjahr - "wobei Kälte allein den Schädlingen ohnehin nicht viel ausmacht, die Käfer mögen vor allem Nässe nicht". So saß eine gewaltige Population "in den Startlöchern", die in den ersten warmen Tagen auszufliegen begann und sich in die Rinde, in erster Linie von Fichten einbohrte. Unmittelbar darauf begann auch schon die Fortpflanzung. Anzeichen für Befall sind Bohrmehl an den Stämmen und rote Wipfel, die signalisieren, dass der Baum bereits am Absterben ist, schildert der Forstmann weiter.


Befall für Bäume tödlich

Ein massenhafter Befall ist für den Baum tödlich, weil durch das Einbohren in der Rinde der Nährstofftransport unterbunden wird. Gesunde Bäume können den Angriff abwehren, in dem sie die Löcher verharzen. Das außergewöhnliche Klima im Vorjahr hat der Vitalität der Bäume aber so stark geschadet, dass sie zu Abwehrreaktionen nicht mehr in der Lage sind, befürchtet Pfüller. Bei dem etwa fünf Millimeter großen Buchdrucker kann davon ausgegangen werden, dass bei 60 Nachkommen eines Weibchens in der ersten Brut bei drei Generationen in einem Jahr mehr als 100 000 Käfer entstehen. Die Tiere bleiben aber nicht in ihrem Brutbaum, sondern schwärmen in die unmittelbare Umgebung, so dass in kürzester Zeit Schadnester von befallenen Bäumen entstehen. Das Problem sei jetzt jedoch, die geschädigten Bäume zu erkennen. Inzwischen werden sogar schon Beobachtungen aus der Luft ausgewertet. Privatwaldbesitzer müssen daher jetzt in kurzen Abständen die Bäume in Augenschein nehmen. Spätestens alle vier Wochen sollten bis Ende September die Bestände kontrolliert werden.
"Ist ein befallener Baum entdeckt, sollte so rasch wie möglich gehandelt werden", betont Türich. Das aufgearbeitete Holz sollte schnellstmöglich aus dem Wald gefahren und in einem Abstand von mindestens 500 Meter zu den nächsten Nadelbäumen gelagert werden. Alternativ sind die Fichten im Wald zu entrinden. Die Rinde sollte verbrannt werden.
Die Staatlichen Forstämter stehen kostenlos beratend zur Seite. Waldbesitzer können sich an die Revierförster wenden und dort sich weiter informieren, wie zu verfahren ist. Eckhard Heise