In Bayern sind gerade Pfingstferien. Durchschnaufen dürfen jetzt nicht nur die Schülerinnen und Schüler, sondern auch Eltern, Lehrerinnen und Lehrer. "Teilweise war es schon ein Jahr am Limit", sagt Ingrid Weingärtner. Sie ist stellvertretende Leiterin der Bad Kissinger Saaletal-Schule. Das sonderpädagogische Förderzentrum besuchen Kinder mit besonderem Förderbedarf in den Bereichen Lernen, Emotional-soziale Entwicklung sowie Sprache.

Normalität ein Fremdwort

Im Juni 2021 biegt das Corona-Schuljahr auf die Zielgerade ein. Ein Schuljahr, in dem Normalität zum Fremdwort geworden ist. Schwierig ist das gerade für Kinder, für die ein geregelter Tagesablauf besonders wichtig ist. "Als Mutter war es sehr anstrengend", sagt Renate Elbert-Ritter, die Vorsitzende des Elternbeirats. Ihre Tochter besucht die vierte Klasse. "Anfangs war ich total überfordert und habe mich alleingelassen gefühlt." Freilich beansprucht Elbert-Ritter nicht, kollektiv für alle anderen zu sprechen. "Es kommt natürlich immer darauf an, wie weit das Kind das Ganze versteht." Ihr älterer Sohn geht in Bad Kissingen auf die Realschule. "Da hat es von Anfang an besser geklappt, weil die Kinder direkt Videounterricht hatten. Aber er ist halt auch viel selbstständiger."

"Daheim lernt man nicht so gut"

Gerade die Anfangszeit war für keine Seite einfach, das sieht auch Konrektorin Weingärtner so: "Wir haben telefonisch regelmäßigen Kontakt gehalten, bis wir die benötigten Programme zur Verfügung hatten." Darüber hinaus hatten die Lehrkräfte den Familien Arbeitspakete bereitgestellt, die im Wochenrhythmus bearbeitet und zurückgeschickt wurden. Die beiden 15-Jährigen Leon Schneyer und Alexander Bartl erinnern sich daran ganz pragmatisch: "Es war nicht so wie in der Schule. Daheim lernt man nicht so gut und hat ja auch die kleinen Geschwister, die manchmal nerven", sagt Schneyer. Er und Bartl gehen in die neunte, die Abschlussklasse am Förderzentrum und sind die Schülersprecher. "Die Lehrer haben einmal in der Woche angerufen und gefragt, wie es läuft. Dann haben wir mit Teams angefangen, das war ganz okay", findet Bartl.

Vorteil sehr junges Kollegium

Teams, die Microsoft-Ausführung der Videokonferenz-Plattformen, machte Lernen wie Unterrichten leichter. "Wir haben den großen Vorteil, dass wir ein sehr junges Kollegium haben", sagt Weingärtner. "Jeder hat gedacht, die Förderschule verschläft das alles, aber wir waren sehr gut aufgestellt. In den Videokonferenzen sind nur ganz wenige abgetaucht und wir haben die Kinder gut bei der Stange gehalten", so die Konrektorin. Ein großes Problem des Homeschoolings ist, dass Eltern meist keine Lehrkräfte sind. Und schon gar keine für Sonderpädagogik. "Wir haben nach bestem Gewissen geholfen, aber man musste schon sehr dahinter her sein", sagt Renate Elbert-Ritter. "Ich denke, dass viele Kinder jetzt trotzdem sehr viel Nachholbedarf haben. Da muss man sich schon Gedanken machen. Es bleibt einfach viel auf der Strecke, weil wir keine pädagogische Ausbildung haben."

Der Aufholbedarf sei auf jeden Fall da und Homeschooling keineswegs mit normalem Unterricht zu vergleichen, bestätigt Weingärtner. "Die sowieso schon große Schere zwischen den Schülerinnen und Schülern ist noch weiter auseinandergegangen, je nach den pädagogischen Verhältnissen im Elternhaus", so die Konrektorin.

Viel zu tun im nächsten Schuljahr

Weingärtner ist froh, dass zuletzt zumindest wieder regelmäßiger Wechselunterricht im Landkreis möglich war. Wenn auch, anders als an anderen Schulen, im wöchentlichen anstatt täglichen Wechsel. Das habe seine Vorteile: "Wir sind damit gut gefahren, weil die Kinder bei uns eine gewisse Konstanz brauchen." Auch die Verkleinerung der Klassenstärken, meist waren es sechs statt zwölf Schülerinnen und Schüler, sei gut für Kinder mit Aufmerksamkeits- oder Hyperaktivitätsstörungen gewesen. Trotz alledem: "Es gibt viel zu tun, vor allem im nächsten Schuljahr." Leon Schneyer und Alexander Bartl werden dann wohl nicht mehr an die Saaletal-Schule gehen. Die Schülersprecher stecken mitten in ihren Abschlussprüfungen. Der praktische Teil, das Werken bei Schneyer und Kochen bei Bartl, ist schon abgelegt. "Ganz in Ordnung" seien die Tests gelaufen, meinen beide. Nach den Ferien stehen weitere Abschlussarbeiten an.

Das Förderzentrum vergibt einen Abschluss im Bildungsgang Lernen, darüber hinaus haben die Kinder die Möglichkeit, in Kooperation mit der Bad Kissinger Anton-Kliegl-Schule einen Mittelschul-Abschluss zu erwerben.Simon Snaschel

Saaletal-Schule Bad Kissingen

Das Sonderpädagogische Förderzentrum hat seinen Hauptstandort in der Kapellenstraße in Bad Kissingen. Schülerinnen und Schüler mit besonderem Förderbedarf in den Bereichen Lernen, emotional/soziale Entwicklung oder Sprache besuchen die Jahrgangsstufen eins bis neun. Einen weitgehend autarken Schulstandort hat das Zentrum in Hammelburg. Dazu kommen in Fuchsstadt und der Bad Kissinger Peter-Heil-Straße schulvorbereitende Einrichtungen für Kinder zwischen drei und sechs Jahren, die im Anschluss nach Leistungsstärke eine Regel- oder Förderschule besuchen. Quelle: Website Saaletal-Schule